Nach dem tödlichen Unfall eines Anderthalbjährigen in der Sporthalle Hesselnberg steht fest, dass der umgekippte Automat nicht mehr fachgerecht aufgestellt war. Wer dafür die Verantwortung trägt, ist weiter unklar.

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Die Rückseite des Unglücks-Automaten ist verbogen. Vermutlich hat sich an dieser Stelle die Verankerung gelöst.

Die Rückseite des Unglücks-Automaten ist verbogen. Vermutlich hat sich an dieser Stelle die Verankerung gelöst.

Wolfgang Westerholz

Die Rückseite des Unglücks-Automaten ist verbogen. Vermutlich hat sich an dieser Stelle die Verankerung gelöst.

Wuppertal. Knapp drei Monate nach dem tödlichen Unfall eines anderthalb Jahre alten Kindes in der Sporthalle am Hesselnberg - das Kind wurde von einem umkippenden Süßigkeiten-Automaten erschlagen - liegt den Ermittlern das technische Gutachten vor. Ein Ergebnis: Der Automat war ursprünglich, wie vom Hersteller vorgeschrieben, im Boden verschraubt und damit standsicher. Zum Unfallzeitpunkt gab es diese Verschraubung jedoch nicht mehr.

Laut Staatsanwaltschaft sind Schrauben und Dübel regelrecht aus ihrer ursprünglichen Verankerung gerissen worden - nach Meinung der Experten schon lange Zeit vor dem Unfall am 25. Oktober des vergangenen Jahres.

Benutzer der Halle hatten gegenüber der WZ geäußert, dass der Automat schon längere Zeit schief gestanden habe. Auch sollen verärgerte Benutzer häufiger gegen das Gerät geschlagen beziehungsweise getreten haben.

Gelöste Verschraubung war von Außen nicht zu sehen

Eine von vielen möglichen Varianten: Der Automat - er stand schon mehrere Jahre in der Halle - wurde irgendwann komplett aus der Verankerung gerissen und dann wieder zurückgestellt beziehungsweise geschoben. Dass so etwas eventuell nicht bemerkt wurde, könnte daran liegen, dass der Automat laut Gutachten im Verschraubungsbereich komplett verblendet ist. Deswegen sei von Außen ein derartiger Vorfall nicht sichtbar gewesen. Fakt ist: Dokumentiert ist ein solches ungewolltes Verschieben des Geräts nirgendwo.

Ermittlungen gegen Hildener Aufsteller-Firma vor Einstellung?

Zwischenfazit der Ermittler: Wann, von wem und warum die Verschraubung gelöst worden ist, bleibt nach wie vor ungeklärt. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft kurz nach dem Unfall Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen die Aufsteller-Firma aus Hilden eingeleitet. Nach dem aktuellen Gutachten wird das immer mehr zur Formalie.

Jedenfalls ist es nach derzeitiger Meinung der Fahnder unwahrscheinlich, dass ein Mitarbeiter der Aufsteller-Firma die Verschraubung entfernt hat. Die Ermittlungen dauern an. Die Stadt - sie ist Hausherr der Halle - hatte erklärt, dass alle Verantwortlichkeiten bei der Aufstellerfirma liegen. Die Frage der Haftung ist noch offen.

 

Wie berichtet, hat der Vater des verunglückten Jungen ausgesagt, er habe an jenem Nachmittag nur einen Knall gehört und dann sein Kind unter dem Automaten gesehen. Demnach hat sich die Vermutung, dass der 39-Jährige zuvor versucht hat, Süßigkeiten aus dem Automaten zu ziehen, nicht bestätigt. Weitere Zeugen zu dem Unfall gibt es offenbar nicht.

Unklar ist auch, warum, wann und von wem ein Deckenhaken zur Sicherung des 150 Kilogramm schweren Gerätes angebracht wurde. Am Unfalltag hielt der Haken - auch er soll bereits verbogen gewesen sein - das Gewicht des kippenden Gerätes nicht.

Wie berichtet, hat der Vater des verunglückten Jungen gegenüber der Kripo ausgesagt, er habe an jenem Nachmittag nur einen Knall gehört und dann sein Kind unter dem Automaten gesehen. Damit hat sich die Vermutung, dass der 39-Jährige zuvor versucht hat, Süßigkeiten aus dem Automaten zu ziehen, schon zu einem frühen Zeitpunkt der Ermittlungen nicht bestätigt. Nach jetzigem Ermittlungsstand gibt es damit keinen unmittelbaren Zeugen. Sachdienliche Hinweise nimmt die Kripo unter der Rufnummer 2840 entgegen.

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