Der 67-jährige Liberale sitzt zum zweiten Mal für die FDP im Deutschen Bundestag.

Der 67-jährige Liberale sitzt zum zweiten Mal für die FDP im Deutschen Bundestag.
Manfred Todtenhausen (l.) im Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der Redaktion Wuppertal, Andreas Boller.

Manfred Todtenhausen (l.) im Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der Redaktion Wuppertal, Andreas Boller.

Andreas Fischer

Manfred Todtenhausen (l.) im Gespräch mit dem stellvertretenden Leiter der Redaktion Wuppertal, Andreas Boller.

Der Koalitionsvertrag ist vereinbart, wie wird das Mitgliedervotum der SPD ausfallen?

Manfred Todtenhausen: Die SPD hat sich klar durchgesetzt, es sind viele Punkte von der SPD gekommen, da erkennt man die CDU fast gar nicht wieder. Die ist maßgeblich eingeknickt bei vielen Punkt, wo sie bei uns nie eingeknickt wäre. Bei diesem Ergebnis können die SPD-Mitglieder eigentlich nur zustimmen, aber man weiß ja nicht, wer da inzwischen alles Mitglied geworden ist.

Wie sind die Erwartungen und Hoffnungen der FDP und wie sind ihre persönlichen Erwartungen?

Todtenhausen: Ich glaube, dass einiges mit der SPD erreicht worden ist, was wir mit Jamaika nie erreicht hätten. Daran hätten uns unsere grünen Freunde maßgeblich gehindert. Das Gesamtpaket sehe ich immer noch als Klein-Klein, für mich ist da nicht der erhoffte Durchbruch. Das ist in großen Teilen ein weiter so mit Sicherungen der Funktionen, die Kanzlerin ist weiterhin im Amt. Die CDU hat sich ein wenig unglaubwürdig gemacht. Sie hat zu viel gegeben, was sie bei uns nie gemacht hätte. Für uns bedeutet das: Erst einmal abwarten.

Beim ersten Mal haben Sie einer Regierungspartei angehört. Wie gefällt Ihnen die neue Aufgabenverteilung?

Manfred Todtenhausen, Jahrgang 1950, wurde in Wuppertal geboren. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Seit 2002 ist er Mitglied der FDP. Von 2003 bis 2010 und von 2013 bis heute ist er Vorsitzender des Ortsverbandes Wuppertal-West und von 2006 bis 2010, seit 2014 stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP Wuppertal. Er sitzt für die Partei im Deutschen Bundestag.

Todtenhausen: Ich freue mich richtig auf die Oppositionsrolle. Aus der Opposition heraus können wir vielmehr bewirken, als wir es je in Jamaika heraus machen könnten – jedenfalls in dieser Konstellation. Da gab es nur Misstrauen, da gab es keine Zusammenarbeit. Deshalb der Ausstieg, den ich absolut für richtig halte. Heute wissen wir, dass es besser gewesen wäre, wenn wir früher ausgestiegen wären, aber besser spät als nie. Wir stellen uns als Fraktion auf alle Möglichkeiten ein. Ich könnte mir eine Minderheitenregierung vorstellen. Das wäre ein Weg, der Deutschland nach vorne bringen könnte. Sollten wir eine Groko bekommen, dann kommt es darauf an, was sie aus ihren Möglichkeiten macht. Sollte sie daraus nicht machen, dann werden wir bei den Wahlen in dreieinhalb Jahren große Überraschungen erleben. Das werden die Bürger nicht verzeihen.

Wären Neuwahlen für Sie persönlich die schlechteste Alternative?

Todtenhausen: Ich wünsche mir sie nicht, aber ich mache mir keine Sorgen, ob ich gewählt werde oder nicht. Erstens glaube ich, dass ich wiedergewählt würde. Wir sind kontinuierlich zehn Prozent zahlenmäßig besser als zwei Wochen vor der Wahl. Einige kritisieren, dass wir nicht in die Regierung gegangen sind, aber ich höre auch viel Lob, dass endlich einmal eine Partie ihr Wort gehalten hat. Einige in der FDP hätten Minister oder Staatssekretär werden können, aber sie sind standhaft geblieben. Das hat bei mir Begeisterung geweckt und macht mich stolz. Bei der SPD gibt es zu viele Umfaller, Martin Schulz ist ja ein grandioses Beispiel dafür. Alles was er vorher gesagt hat, gilt nicht mehr.

Wie lange gehörten Sie dem Bundestag in ihrer ersten Legislaturperiode als Nachrücker an?

Todtenhausen: Knapp zwei Jahre, also die Zeit, die man braucht, um eingearbeitet zu sein. Das war 2012 und 2013. Mein Vorteil jetzt: Zwei Drittel der Kollegen sind neu, ich weiß sofort, wo es langgeht. Jetzt muss ich mich weniger um administrative Sachen kümmern und kann mich gleich auf die Politik kümmern.

 

Was hat sich geändert?

Todtenhausen: Es ist ein völlig neues Parlament. Wir haben eine Fraktion dabei, die nicht durch parlamentarisches Arbeiten auffällt, sondern durch Polemik. Das erlebt man jeden Tag. Parlamentarische Regeln werden teilweise ausgehebelt.

Die FDP musste ihre Infrastruktur in Berlin komplett neu aufbauen. Inwieweit ist das schon geglückt?

Todtenhausen: Von einem CDU-Kollegen aus Niedersachsen habe ich eine Wohnung in Berlin-Mitte, näher kann man nicht dran sein. Büros haben wir jetzt alle, Fußweg zehn Minuten zum Plenum. Jetzt bekomme ich ein Fahrrad, wenn es mal schnell gehen muss, wie bei einem Hammelsprung. Ein Viertel der FDP-Abgeordneten hat Bundestagserfahrung. Das ist für mich ein Riesenvorteil.

Welchen Ausschüssen gehören Sie diesmal an?

Todtenhausen: Alle meine Wünsche sind erfüllt worden. Ich gehöre dem Wirtschafts- und dem Petitionsausschuss wie beim letzten Mal an. Im Wirtschaftsausschuss bin ich für die FDP zuständig für Handwerk, Einzelhandel für Bürokratieabbau und Vergaberecht – also Themen, die mich immer beschäftigt haben. Außerdem bin ich mit Obmann und Sprecher der FDP-Fraktion im Petitionsausschuss.

Bei der ersten Kandidatur war es für Sie noch ein Spagat zwischen Ihrem Beruf als Elektromeister und der Politik. Wie sieht das jetzt aus?

Todtenhausen: Ich habe gestern noch vier Stunden gearbeitet und eine Rauchmeldeanlage installiert. Mir macht es Freude. Ich treffe mich an sitzungsfreien Tagen in Berlin an jedem Morgen mit meinen Handwerkerkollegen in Wuppertal, da werde ich geerdet. Ich bin 67 und höre erst dann auf, wenn ich Lust habe, aufzuhören – das war auch ein Motto auf meinen Wahlplakaten.

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