Nach wie vor führen die WSW Gespräche über den Verkauf des unter Denkmalschutz stehenden Kolosses. Seit 1997 ist die Anlage nicht mehr in Betrieb.

Der Aufstieg zum Dach des Gaskessels über die Innenleiter ist nur etwas für Schwindelfreie. Der Blick in den Himmel zeigt auch die 20 Ecken der Stahlkonstruktion, die 1950 am Standort des alten Gaswerks gebaut wurde.
Der Aufstieg zum Dach des Gaskessels über die Innenleiter ist nur etwas für Schwindelfreie. Der Blick in den Himmel zeigt auch die 20 Ecken der Stahlkonstruktion, die 1950 am Standort des alten Gaswerks gebaut wurde.

Der Aufstieg zum Dach des Gaskessels über die Innenleiter ist nur etwas für Schwindelfreie. Der Blick in den Himmel zeigt auch die 20 Ecken der Stahlkonstruktion, die 1950 am Standort des alten Gaswerks gebaut wurde.

Keine Filmkulisse aus dem Science-Fiction-Klassiker „Alien“ und auch kein Amphitheater, sondern ein Industriedenkmal in Wuppertal: Wer in der Mitte des Gaskessels auf der insgesamt gut 530 Tonnen schweren Scheibe mit seinen Betongewichten (im Bild als Quader zu sehen) steht, hat einen gut 60 Meter hohen Himmel aus Stahl und Glas über sich.

Uwe Schinkel, Bild 1 von 2

Der Aufstieg zum Dach des Gaskessels über die Innenleiter ist nur etwas für Schwindelfreie. Der Blick in den Himmel zeigt auch die 20 Ecken der Stahlkonstruktion, die 1950 am Standort des alten Gaswerks gebaut wurde.

Heckinghausen. Diese Immobilie fällt wirklich aus dem Rahmen – denn der müsste stattliche 61,5 Meter hoch sein und einen Durchmesser von 37,7 Meter haben, um den Gaskessel in Heckinghausen auch nur einigermaßen zu umschließen. Mit 20 Ecken und ein einem Fassungsvermögen von insgesamt 60.000 Kubikmetern steht die Anlage unter Denkmalschutz zum Verkauf. Die Wuppertaler Stadtwerke führen als Eigentümerin Gespräche mit einem potenziellen Investor, und nach wie vor sorgt ein Blick in den Stahlriesen vor allem für eines: Respekt.

Eine große „Dose“ für Stadtgas – mit einer 530 Tonnen schweren Scheibe

Im Grunde genommen handelt es sich bei dem Kessel an der Mohrenstraße um eine überdimensionale Aufbewahrungsdose, 1950 am Standort eines alten Gaswerks errichtet und bis 1997 in Betrieb. Eine gewaltige Scheibe beherrscht das Innenleben der Anlage – insgesamt gut 530 Tonnen schwer und über und über mit quaderförmigen Betongewichten versehen.

Die Funktion des Kolosses im Koloss lässt sich heute nur noch erahnen: Wurde der Kessel von unten aus einst mit Gas befüllt, ließ der Druck von 50 Millibar die Scheibe an den Wandseiten entlang langsam Richtung Dach steigen, um sich dann bei der Entnahme von Gas nach und nach wieder abzusenken. Damit dieser Vorgang im wahrsten Sinne des Wortes immer glatt lief, musste die Scheibe unter großem Aufwand austariert und an den Wänden entlang geölt werden. Nebeneffekt: Bis heute ist der Stahlkoloss nach außen hin dicht, kaum gerostet und statisch in Ordnung, wie Bernd Seipenbusch – bei den WSW Leiter des Betriebs der Gas- und Großwasseranlagen – beim Ortstermin erklärt.

Das alles ist Geschichte. Längst ist der imposante und nach dem Netzumbau nicht mehr genutzte Gaskessel ein Verkaufsobjekt: In den vergangenen Jahren habe es gut zehn Interessenten unterschiedlichster Art gegeben, berichten die WSW im Gespräch mit der WZ. Die Pläne reichten von der Großdisco über einen Kunsttempel bis hin zu denen der Bergischen Uni, die dort ein großes Prüfzentrum für Straßenbeläge mit Büroflächen einzurichten gedachte, was seinerzeit allerdings an den Kosten scheiterte.

Von der Industrieanlage zum Kunst- oder Event-Tempel?

Zur Preisvorstellung machen die WSW keine Angaben – es geht aber offensichtlich um einen sechsstelligen Betrag angesichts der Summen, die in den Kessel und sein Grundstück zu investieren wären. Auch Pläne für eine 360-Grad-Panorama-Schau standen in Heckinghausen schon zur Diskussion – ähnlich der, wie es sie in Dresden zu sehen gibt: Dort wurde aus einem alten Gasometer das „Panometer“, mit wechselnden Ausstellungen. Bis der Wuppertaler Gaskessel eine neue Zukunft hat, überprüfen die WSW die Statik und den Korrosionsschutz des Riesen. Ende offen.

1950 wurde der Scheibengasbehälter an der Mohrenstraße errichtet (Archiv-Fotos: WSW) und 1952 in Betrieb genommen. Gemeinsam mit dem kugelförmigen Gasbehälter in der Möbeck im Wuppertaler Westen diente der Kessel im Osten des Stadtgebiets der Gasversorgung in Spitzenzeiten – bis das Netz umgebaut und der markante Kessel in Heckinghausen 1997 außer Betrieb genommen wurde.

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