Interview
Thomas Meyer könnte im Mai zum IHK-Präsidenten gewählt werden.

Thomas Meyer könnte im Mai zum IHK-Präsidenten gewählt werden.

privat

Thomas Meyer könnte im Mai zum IHK-Präsidenten gewählt werden.

Wuppertal. Thomas Meyer aus Remscheid ist Kandidat für die IHK-Präsidentschaft. Im WZ-Gespräch spricht er über seine Themen.

Herr Meyer, das Präsidium der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid hat Sie als seinen Kandidaten für die Wahl des IHK-Präsidenten nominiert – ein wichtiges Ehrenamt. Am 16. Mai wird die neugewählte Vollversammlung darüber abstimmen. Ihre Kandidatur hat viele überrascht. Ein Remscheider Unternehmer wurde dafür nicht gehandelt.

Thomas Meyer: Ich habe auch schon Stimmen gehört, die meinten, als Unternehmer in Remscheid mit Wohnort Solingen sei ich wohl so etwas wie der idealtypische Kandidat. Nun: Ich kandidiere, entscheiden wird die Vollversammlung. Ich arbeite seit vielen Jahren aktiv in den Ausschüssen der IHK mit, war und bin Mitglied der Vollversammlung. Ich hatte im Vorfeld schon mal überlegt, als einer der Vizepräsidenten für Remscheid zu kandidieren. Das Präsidentenamt war nicht auf meiner Agenda. Dem Präsidium ist aber der ursprünglich vorgesehene Kandidat abhandengekommen, er wurde nicht in die Vollversammlung gewählt. Und ich muss sagen: Das hat mich schon beeindruckt, wie der scheidende Präsident Sträter und IHK-Hauptgeschäftsführer Wenge die demokratischen Wahlen und die daraus resultierende Entscheidung akzeptiert haben. Diese gerade Linie gefällt mir. (Anmerkung der Redaktion: Der Wuppertaler Stefan Kirschsieper war eigentlich Favorit für das Präsidentschaftsamt, wurde aber knapp nicht in die Vollversammlung gewählt.)

Wie kamen dann Sie ins Spiel?

Thomas Meyer: Effekt der Suche nach einem neuen Kandidaten war, dass Präsident Friedhelm Sträter mich ansprach. Wir kennen uns persönlich. Sträter, der dieses Amt ja seit 16 Jahren ausübt, weiß, wofür ich als Unternehmer stehe und eintrete. Ich habe mir Zeitpläne zeigen lassen, was die terminliche Beanspruchung eines IHK-Präsidenten angeht. Ich habe mit meiner Frau und Tochter darüber gesprochen und mit meinen beiden wichtigsten Mitarbeitern in der Firma. Schließlich habe ich Verantwortung für eine Firmengruppe mit 1000 Mitarbeitern. Die einzelnen Firmen der Gruppe arbeiten aber selbstständig, da muss ich nicht jeden Tag dabei sein. Letztlich braucht der IHK-Präsident einen halben bis einen ganzen Tag pro Woche für sein Ehrenamt, so viel von meiner Arbeits- und Freizeit werde ich freischaufeln. Zumal: Friedhelm Sträter will mich mit seinem Rat und seinen Kontakten unterstützen. Und es gibt sieben Vizepräsidenten. Da lässt sich Vieles aufteilen. Und natürlich bleibt da auch der Wuppertaler Einfluss gewahrt.

Diplom-Ingenieur Thomas Meyer, geboren am 10. Oktober 1955 in Hannover, ist geschäftsführender Gesellschafter der TKM Gruppe (The Knife Manufacturers), deren operative Führungsgesellschaft die in Remscheid ansässige IKS Klingelnberg GmbH ist. Die Gruppe produziert und vertreibt Industriemesser und Sägen. Meyer hält die Anteilsmehrheit an der Gruppe, die mit 1000 Mitarbeitern weltweit 135 Millionen Euro umsetzt. Unter anderem ist er im Beirat einer Bank in Köln und Ehrenrichter am Finanzgericht Düsseldorf.

Was sollen Schwerpunktthemen Ihrer Arbeit sein?

Thomas Meyer: Als Unternehmer weiß ich aus eigener Praxis, wie wichtig Ausbildung ist. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass immer weniger junge Leute nachwachsen, uns werden damit auf lange Sicht Fachkräfte fehlen. Das ist schon seit langem bekannt, es wird nur gerne ausgeblendet, dabei lässt sich die Bevölkerungsentwicklung für gut 50 Jahre in der Zukunft errechnen. Wir müssen also heute alles tun, damit mehr junge Leute ausgebildet werden können. Das ist gut für die jungen Menschen, die so eine Chance bekommen, ihr Leben durch einen guten Beruf zu gestalten, und natürlich gut für den Betrieb, der seinen Nachwuchs selbst heranbildet und in der Zeit der Ausbildung erkennen kann, wie er ihn am besten einsetzt. Und wir müssen die Weiterbildungsmöglichkeiten verstärken.

„lch unterstütze ausdrücklich auch die Ikea-Pläne für Wuppertal.“

In Ihrem Wohnort Solingen ist die schlechte Autobahnanbindung ein Dauerthema.

Thomas Meyer: Zu Recht. Generell muss die Infrastruktur verbessert werden. Die Wirtschaft ist nicht zuletzt auf ein solides Straßensystem angewiesen. Das soll ein weiterer meiner Schwerpunkte sein. Ich bin seit 20 Jahren Mitglied der Naturschutzorganisation BUND und schätze gerade die grüne Landschaft unserer bergischen Heimat. Man muss aber sehen, dass das, was wir haben wollen und müssen, letztlich durch die Arbeit der Unternehmen entsteht – durch Unternehmer und Mitarbeiter gemeinsam. Sie brauchen Straßen, Brücken, natürlich auch Flächen, auf denen die Betriebe angesiedelt werden können. Dafür will ich mich über die IHK nachhaltig einsetzen. Der Gewerbeflächenmangel ist ja in allen drei Städten ein Dauerthema.

Ein Dauerthema sind auch die Ansiedlungen von Einzelhandel, namentlich das DOC in Lennep und Ikea-Homepark in Wuppertal.

Thomas Meyer: Nennen wir auch noch das Hofgarten-Einkaufszentrum, das in Solingen entsteht, allerdings als Innenstadtzentrum nicht in der Kritik stand wie DOC und Ikea. Diese Ansiedlungen sollen doch letztlich dafür sorgen, dass die Menschen der Region ihr Geld hier ausgeben können und nicht extra nach Düsseldorf, Köln oder Roermond fahren müssen. Lennep wird durch das DOC einen enormen Aufschwung erleben. Der Handel sollte seine Chance nutzen, über die IHK im Vorfeld auf das Verkaufsangebot des DOCs einzuwirken. Ich unterstützte ausdrücklich auch die Ikea-Pläne für Wuppertal. Die Politik der drei Städte sollte mit einer Stimme nach außen auftreten, allein schon, um dem großen Einfluss des Ruhrgebietes entgegenzutreten. Dabei sollte egal sein, welcher Partei der eine oder die andere angehört. Und ich stehe auch dafür ein, das bergische Städtedreieck stärker im Rheinland zu verankern, damit wir mehr gehört werden. Ich möchte meine Netzwerke zugunsten der Region nutzen. Werde ich gewählt, werde ich auch bei Unternehmensbesuchen im Bergischen Land erkunden, wie die Lage ist, was man aufgreifen sollte.

Liegt Ihnen etwas besonders am Herzen?

Thomas Meyer: Ich will hier jetzt kein komplettes Arbeitsprogramm auflegen. Aber wogegen ich kämpfen würde, wenn es käme, wäre eine Vermögenssteuer und eine Erbschaftssteuer, die die Substanz der Unternehmen angreift. Wird die Substanz ausgehöhlt, geht auf Dauer die Lebensfähigkeit der Unternehmen verloren. Darunter würde die gesamte Gesellschaft leiden.

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