Um die Sparziele zu erreichen, wird weiter Personal in der Verwaltung abgebaut. Kritiker vermissen ein Konzept.

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Wuppertal. In der Ratssitzung am 13. Februar werden Oberbürgermeister Peter Jung und Stadtkämmerer Johannes Slawig die Vorschläge der Verwaltung für das zweite Sparpaket mit einem Volumen von jährlich rund 45 Millionen Euro vorstellen. Ziel ist ein ausgeglichener städtischer Haushalt bis zum Jahr 2016. Dass der Rotstift auch in dieser Runde nicht vor dem Personal der Stadtverwaltung haltmachen wird, scheint beschlossene Sache in der Verwaltungsspitze.

Und das löst Befürchtungen aus, denn die Verwaltung geht schon jetzt in vielen Bereichen personell auf dem Zahlfleisch. Sie leidet zudem an einer fortschreitenden Überalterung, darf dabei aber nur in Ausnahmefällen Auszubildende einstellen und frei werdende Stellen neu besetzen. Dass sich die Personalsituation mit dem zweiten Sparpaket weiter zuspitzen wird, verraten auch die Antworten der Verwaltung auf eine Anfrage im Ausschuss für Finanzen und Beteiligung.

Ein Personalentwicklungskozept gibt es weiterhin nicht

Wilfried Michaelis und Daniel Kolle, sachkundige Bürger im Ausschuss, hatten sich von der Verwaltung Informationen zum Stand des Personalentwicklungskonzepts erbeten. „Doch ein solches Konzept ist bisher leider nicht zu erkennen, bedauert Wilfried Michaelis. Er sieht die Gefahr, dass sich der Aderlass in der Verwaltung relativ unstrukturiert und unkontrolliert fortsetzen wird.

„Die Arbeitnehmerseite versperrt sich nicht den Sparzwängen der Stadt. Unser Ziel muss es sein, den städtischen Haushalt auszugleichen, damit wir dann auch wieder die Personalentwicklung wieder selbst in die Hand nehmen dürfen. Doch bis dahin darf der Personallabbau nicht zufällig und unstrukturiert verlaufen. Das kostet die Verwaltung Substanz“, sagt Michaelis.

„Unkontrollierter Personalabbau kostet die Verwaltung viel Substanz“

Wilfried Michaelis

Negative Konsequenzen für die Mitarbeiter der Verwaltungwegen des unstrukturierten Personalabbaus und damit letztendlich auch Einschränkungen für alle Bürger Wuppertals als deren Kunden, zeichnen sich schon jetzt ab. So fällt der Personalabbau in einigen Bereichen zum Beispiel durch Pensionierungen besonders stark aus, was zur Überlastung der verbleibenden Mitarbeiter führt.

 Die Angaben im bericht beziehen sich auf die Zahl von 5485 Beschäftigten (Kernverwaltung und Eigenbetriebe im Jahr 2010).
 

1,38 Millionen Sollarbeitstagen stehen 116 254 Krankentage für das Jahr 2010 gegenüber.
 

Der Anteil der Teilzeitkräfte lag im Jahr 2011 bei 28.1 Prozent.
 

Die sitzen auf einem Haufen Arbeit, werden häufiger krank. Die Folge: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten sind in der Verwaltung von 2009 auf 2010 von 8,1 auf 8,4 Prozent an. 2010 gab es 911 000 krankheitsbedingte Fehlzeiten, was einem Volumen von 460 Vollzeitkräften im Jahr entspricht. „Darin sind nicht einmal andere Fehlzeiten durch Urlaub und andere Gründe einbezogen“, sagt Wilfried Michaelis, der als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der WSW und sachkundiger Bürger im Ausschuss Finanzen und Beteiligung die Arbeitnehmerseite vertritt.

Die Verwaltung befinde sich in einem Teufelskreis. Da sie unter Aufsicht der Bezirksregierung stehe, könne auch nicht gezielt ausgebildet werden. Es fehlen Nachwuchskräfte, der Altersdurchschnittist von 2010 bis 2011 von 46, 3 auf 46,8 Jahren gestiegen. Die Verwaltung spricht von einer „fortschreitenden Steigerung des Durchschnittalters. Zudem hat der erst zum Jahresende gelockerte Beförderungsstau dazu geführt, dass viele qualifizierte Mitarbeiter in andere Städet abgewandert sind.

467,5 Stellen sollen bis Ende 2014 abgebaut werden. Bis September 2011 seien bereits 217,5 Stellen realisiert worden, heißt es außerdem in der Antwort der Verwaltung.

In letzter Konsequenz werden Standards heruntergefahren

Doch hinter der scheinbaren Erfolgsmeldung verbirgt sich in vielen Bereichen ein weiteres Problem. Kompetenz und Wissen fließen in vielen Abteilungen zu schnell und unkontrolliert ab. Als Konsequenz werden Standards reduziert werden müssen, was jeder Bürger in der Schlange am Büroschalter früher oder später zu spüren bekommen dürfte. „Was heißt Standardreduzierung? wollten Wolfgang Michaelis und Daniel Kolle wissen. Die Antwort lautet vielsagend, nichtssagend: „Dies muss für jede Leistungseinheit festgelegt werden.“