Beirat entscheidet in dritter Sondersitzung. Spielplan soll im September vorliegen. Geschäftsführer Hesse hört zum Jahresende auf.

Beirat entscheidet in dritter Sondersitzung. Spielplan soll im September vorliegen. Geschäftsführer Hesse hört zum Jahresende auf.
Unruhige Zeiten für das Tanztheater Pina Bausch, das im alten Schauspielhaus ein neues Zuhause erhalten soll. Archiv

Unruhige Zeiten für das Tanztheater Pina Bausch, das im alten Schauspielhaus ein neues Zuhause erhalten soll. Archiv

Stefan Fries

Unruhige Zeiten für das Tanztheater Pina Bausch, das im alten Schauspielhaus ein neues Zuhause erhalten soll. Archiv

Der Beirat der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH hat am Freitagnachmittag entschieden, sich von Adolphe Binder (49) zu trennen, und die Geschäftsführung ermächtigt, ihr die außerordentliche Kündigung (ihr Vertrag gilt bis 31. Juli 2022) auszusprechen. Die Entscheidung fiel nach gut zweistündiger Diskussion mit einer Gegenstimme. Tänzer des Ensembles, die am Freitag von ihrer Tournee in Paris zurückkehrten, und weitere Mitarbeiter des Tanztheaters wurden über den Entschluss bei einer Versammlung in der Lichtburg informiert. Der gesundheitlich angeschlagene Tanztheater-Geschäftsführer Dirk Hesse (60) erklärte am Freitag, seinen Vertrag, der zum Ende des Jahres ausläuft, nicht zu verlängern.

Die Stimmung bei Tänzern und Mitarbeitern ist bedrückt

„Diese Entscheidung ist leider notwendig geworden, um die Handlungsfähigkeit dieser einzigartigen kulturellen Einrichtung wiederherzustellen“, begründete der Beirat seine Entscheidung in Bezug auf Adolphe Binder, würdigte ihre „künstlerischen Impulse“ und lenkte ansonsten den Blick nach vorn: Die Geschäftsführung soll spätestens zum September einen Spielplan vorlegen, der geeignete Stücke Pina Bauschs sowie die beiden neuen Stücke „Seit sie“ von Dimitris Papaioannou und „Neues Stück II“ von Alan Lucien Øyen enthalten und dem zehnten Todesjahr Bauschs (2019) sowie dem zehnjährigen Bestehen des Pina Bausch Archivs Rechnung tragen soll.

Außerdem soll ein „Prozess der kritischen Reflexion und Weiterentwicklung des Tanztheaters eingeleitet“ werden, den ein Expertengremium begleiten soll, an dem der künstlerische Leiter und Geschäftsführer des Sadler’s Wells Theatre (London), Alistair Spalding, mitwirken will. Die Führungs- und Leitungsstruktur soll neu gestaltet, ein Anforderungsprofil für die zukünftige künstlerische Leitung erstellt werden. Bis Ende des Jahres erwartet der Beirat Ergebnisse.

An der Versammlung in der Lichtburg nahmen etwa 30 Mitarbeiter teil. „Die Stimmung war sehr bedrückt, sie fühlen sich zu spät informiert“, erklärte Beiratsvorsitzende Ursula Schulz (SPD), die zusammen mit Personaldezernent Johannes Slawig (CDU), als Vertreter der Gesellschafterin Stadt, und Kulturdezernent Matthias Nocke (CDU) dabei war. Die Tänzer hatten auf die Veröffentlichung der Streitigkeiten zwischen Geschäftsführung und künstlerischer Leitung verärgert reagiert, fühlten sich übergangen, distanzierten sich von den Anschuldigen gegen Binder. Nocke stellte in Aussicht, dass ein Coach Compagnie und Team nach der Sommerpause berät.

Die Probleme zwischen Geschäftsführung und künstlerischer Leitung begleiteten die ganze erste Spielzeit Binders. Gleichwohl wurde der Beirat erst im Juni informiert. Für Beiratsmitglied Peter Vorsteher (Grüne) zu spät. Daran änderte sich für ihn auch nichts, nachdem er gründliche Akteneinsicht genommen und an den diskussionsintensiven Sitzungen teilgenommen hatte. „Der Verwaltungsvorstand hat uns zu spät informiert. Wir wurden erst hinzugezogen, als nichts mehr zu ändern war“, kritisierte er.

Auch die Sitzung am Freitag, an der Salomon Bausch als Gast teilnahm, verlief holperig. Weil Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) wegen Terminüberschneidungen zur Irritation der anderen zunächst fehlte, wurde die Sitzung zwischenzeitlich unterbrochen.

Die Krise trifft das Tanztheater zu einem Zeitpunkt, da in Berlin um die so nötige Förderung des Pina Bausch Zentrums intensiv gerungen wird. Der Beirat betonte am Freitag, sich gemeinsam mit Stadt und Land für eine „gesicherte Weiterentwicklung“ des Tanztheaters einsetzen und das Pina Bausch Zentrum im Wuppertaler Schauspielhaus verwirklichen zu wollen. Nocke: „Heute ist niemand erleichtert. Die eigentliche Arbeit liegt vor uns. Der eingeleitete Prozess darf nicht auf Kosten der künstlerischen Qualität gehen.“

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