„Talradler“ Christoph Grothe über Wuppertal als Fahrradstadt, die Bedeutung von Mobilität im Alltag und seinen Fahrrad-Blog.

„Talradler“ Christoph Grothe radelt rund 9000 Kilometer im Jahr durch die Stadt.
„Talradler“ Christoph Grothe radelt rund 9000 Kilometer im Jahr durch die Stadt.

„Talradler“ Christoph Grothe radelt rund 9000 Kilometer im Jahr durch die Stadt.

Uwe Schinkel

„Talradler“ Christoph Grothe radelt rund 9000 Kilometer im Jahr durch die Stadt.

Ihr Blog heißt www.talradler.de. Halten Sie Wuppertal für eine gute Stadt für Radfahrer, weil Sie nur über die Talachse fahren?

Christoph Grothe: Nein, ich mag auch die Berge (lacht). Spaß beiseite, die Topographie ist keine Ausrede, hier nicht zu fahren. Ich fahre jährlich rund 9000 Kilometer im Alltagsverkehr, etwa zur Uni und zum Einkaufen. Ich nutze das Rad, um gut von A nach B zu kommen. Es ist eine Mentalitätsfrage. Wer ständig hört, dass Wuppertal schlecht zu erradeln sei, probiert es gar nicht aus.

Sie sind also seit der Kindheit nie aufs Auto umgestiegen?

Grothe: Ganz so war es nicht. Ich habe in der Kindheit natürlich radfahren gelernt. Als ich 18 Jahre alt wurde, hat die Oma gemeint, dass ich einen Führerschein brauche. Den habe ich gemacht und bin dann auch einige Jahre Auto gefahren, habe zugenommen und stieg 2008 zunächst in meiner Freizeit wieder aufs Rad. Und seit 2010 bin ich fast nur noch so unterwegs.

Haben Sie dann auch gleich begonnen, über das Fahrradfahren im Tal zu schreiben?

Grothe: Mit Talradler.de habe ich vor rund anderthalb Jahren begonnen, weil ich das Bedürfnis hatte, über die guten Möglichkeiten in Wuppertal zu bloggen und mich auszutauschen. Bei der niedrigen Radfahrerquote ist es schwer möglich, dazu jemanden im direkten Freundeskreis zu finden.

Was sind Ihre Blog-Themen?

Grothe: Ich schreibe rund ums Rad in Wuppertal. Es muss immer einen lokalen Bezug haben, über die Radsituation in München-Neustadt schreibe ich nicht, die Döppersberg-Sperrung schon. Deshalb habe ich auch Videos gedreht, um meinen Besuchern zu zeigen, wie gut sich die Baustelle umfahren lässt. Das ist wichtig in Wuppertal – gute Wege für Radfahrer sind da, man muss sie nur kennen. Sprich: Muss ich die steile Straße nehmen oder kann ich über flachere Aufstiege ausweichen? Diese Möglichkeiten will ich zeigen.

Döppersberg ist das Stichwort. Glauben Sie, dass die Baustelle mehr Wuppertaler aufs Rad bewegen wird?

Grothe: Ja. Die Frage ist immer, wann die Wuppertaler umsteigen und warum. Der Umbau bietet einen gewissen Druck: Wenn die Leute merken, dass es mit dem Fahrrad schneller durch die Stadt geht, nutzen sie es. Die durchgehende Nordbahntrasse wird ja auch sehnsüchtig erwartet -- sehen Sie, wie viele Radler hier schon unterwegs sind. Wer regelmäßig dort in der Freizeit fährt, wird das Rad auch im Alltag mehr nutzen wollen.

Kann die Stadt Wuppertal eingreifen, um das Fahrradfahren attraktiver zu machen?

Grothe: Wir alle wissen um die Kassenlage der Stadt Wuppertal. Aber sie ist auf einem guten Weg und setzt Dinge gut um. Die neue Kreuzung Otto-Hausmann-Ring/Varresbecker Straße mit seinen Fahrradbuchten ist ein gelungenes Beispiel. Wuppertal gehörte auch zu den ersten Städten, die ermöglicht hat, sein Fahrrad rund um die Uhr in Bus und Schwebebahn mitzunehmen – und da hab ich bis jetzt immer einen Platz bekommen. Bei der Döppersberg-Sperrung hätte ich mir allerdings die Freigabe der Südstraße gewünscht. Hätte die Stadt dort 150 Meter mehr freigegeben, könnten wir uns jetzt über eine schnelle Süd-Nord-Verbindung freuen

Gehört das Fahrrad zu einer neuen Mobilität?

Grothe: Gerade im Stadtverkehr ist das Fahrrad kaum wegzudenken. Wer schon mal gemeinsam mit den Autos durch den Innenstadtverkehr fuhr, wird den Geschwindigkeitsvorteil merken, wenn man an der Ampel von Autos eingeholt wird. Auf weite Distanzen ist das Auto noch unschlagbar, aber das wird sich ändern. ’Smarte Mobilität’ ist da ein Schlagwort. Durch Smartphones wird es möglich sein, ständig die effektivste Fortbewegungsmöglichkeit zu finden. Und das Auto wird immer weniger eine Rolle spielen – vielleicht noch als Leihauto. Vielleicht wird es uns irgendwann absurd vorkommen, das jeder ein eigenes Auto besessen hat.

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