Islam: Auch am Tag der offenen Moschee fällt der Dialog zwischen den Kulturen schwer.

Edith Möller schaut sich in der Wuppertaler Moschee um und trifft Kafiye Demircan mit ihrer Tochter Arife Feyza.
Edith Möller schaut sich in der Wuppertaler Moschee um und trifft Kafiye Demircan mit ihrer Tochter Arife Feyza.

Edith Möller schaut sich in der Wuppertaler Moschee um und trifft Kafiye Demircan mit ihrer Tochter Arife Feyza.

Matthias Goergens

Edith Möller schaut sich in der Wuppertaler Moschee um und trifft Kafiye Demircan mit ihrer Tochter Arife Feyza.

Wuppertal. Eine halbe Stunde zu früh. Kein Problem an einem Tag der offenen Moschee, schon gar nicht für Selim Mercan, den 2.Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Gemeinde Wuppertal. Unbeirrt setzt er in der Moschee an der Elberfelder Gathe sein Gespräch mit den rund zwei Dutzend türkischen Kindern und Jugendlichen fort, in dem er von Grundfesten des Islams, Details einer Moschee und dem deutsch-türkischen Austausch erzählt.

Mercan macht das in deutscher Sprache, weil ihm klar ist, dass die Anpassungsschwierigkeiten der ersten Zuwanderer noch heute ihre Schatten werfen. So fragt ein Jugendlicher, was davon zu halten sei, dass so viele Deutsche Angst vor einer Islamisierung hätten. Mercan greift zurück in die Zeit der Gastarbeiter: "Mein Vater hat davon geträumt, eines Tages hundert Schafe zu besitzen. Das Geld dafür wollte er in Deutschland verdienen und dann in seine Heimat zurückkehren. Darum hat er nie daran gedacht, deutsch zu lernen." Eben das gelte es nun drastisch zu ändern, um gegenseitige Ängste abzubauen.

Das Minarett reckt sich über alte Mietshäuser hinweg

Die Hürden sieht auch Edith Möller, allerdings von einer ganz anderen Warte aus. Sie habe schon mehrfach Moscheen besucht, allerdings nicht das markante Gebetshaus in Elberfeld. Das Minarett davor reckt sich über alte Mietshäuser hinweg und bildet einen scharfen Gegensatz zur Tankstelle auf der anderen Straßenseite. Das Bild sei ihr inzwischen geläufig, aber "die vielen Männer im Eingangsbereich" hätten ihr doch immer Respekt eingeflößt. Nun hat sie sich überwunden und hört, dass Selim Mercan auf die Jugend und die Zukunft setzt. Dabei wundert sie sich, dass einige Kinder trotz Deutschunterrichts immer noch große Sprachprobleme haben.

Die Gäste fragen sich, warum das Miteinander nicht funktioniert

Der Besucherkreis, inzwischen auf ein Dutzend deutscher Gäste angewachsen, verhakt sich im Versuch eines Dialogs. Wird ein Andersgläubiger der Tür verwiesen, wenn er eine Moschee betritt? Warum funktioniert das Miteinander nicht? Können Deutsche nicht erwarten, dass sich ein Gast den hiesigen Gepflogenheiten anpasst? Mercan bleibt diplomatisch. "Vor allem müssen wir miteinander reden. Was nützt es, wenn der Kadi entscheidet und der Konflikt weiter besteht?"

Angenehme Atmosphäre bei Tee und Gebäck

Helga Bartholomä hat ihren eigenen Schluss gezogen und sich von der Gruppe abgewandt, um sich von ihrer türkischen Freundin Gülsen Yapsu die Moschee zeigen zu lassen. "Die Diskussionen um Schleier und all das kennen wir doch inzwischen zu Genüge", sagt sie. Sehr angenehm und warm fand sie die für sie neue Atmosphäre in der Moschee. Da könne man "gut auch mal in sich kehren", was sie nun bei Tee und Gebäck im Versammlungssaal weiter genießt.

Der Tag der offenen Moschee geht auf eine Initiative des Zentralrats der Muslime zurück und wird seit 1997 alljährlich am 3.Oktober veranstaltet. In diesem Jahr öffneten 533Moscheen in ganz Deutschland ihre Türen für Besucher.

Moscheen stehen grundsätzlich jedem zwischen sechs Uhr morgens und Mitternacht offen. Der Tag der offenen Moschee möchte dabei den Dialog besonders intensiv fördern.

 

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