Der neue Geschäftsführer spricht von einem Generationswechsel. Ein ehemaliger Angestellter nennt es schlechten Stil.

Der neue Geschäftsführer spricht von einem Generationswechsel. Ein ehemaliger Angestellter nennt es schlechten Stil.
Der neue Geschäftsführer hat einen Generationenwechsel am Helios eingeleitet.

Der neue Geschäftsführer hat einen Generationenwechsel am Helios eingeleitet.

Anna Schwartz

Der neue Geschäftsführer hat einen Generationenwechsel am Helios eingeleitet.

Im Klinikum Barmen und im Herzzentrum am Arrenberg räumt in diesen Tagen fast ein Dutzend Chefärzte seine Büros. Der neue Geschäftsführer Niklas Cruse hat einen Generationswechsel eingeleitet. So nennt er, was Kritiker als schlechten Stil bezeichnen. Cruses Aufgabe ist, die beiden Häuser wirtschaftlich zu optimieren. Sie gehören zu den deutschlandweit mehr als 100 Helios-Kliniken. Sie sind Teil des Fresenius-Konzerns. Und der erwartet von seinen Gesundheitsstandorten Renditen von mindestens 15 Prozent.

Cruse gilt als erfolgreicher, ambitionierter Krankenhaus-Manager. Nach Stationen in Siegburg, Oberhausen und Velbert prüft und verändert er seit einem halben Jahr nun die Strukturen in Wuppertals Helios-Häusern. Sein Ziel ist nach eigenem Bekunden, das medizinische Angebot des Standorts zu modernisieren. Nach seiner Überzeugung gehören zu einer modernen Medizin moderne Chefärzte.

Bekannte Namen stehen auf der Liste derer, die gehen sollen

„Unsere derzeitigen Chefärzte sind hochangesehene Mediziner“, sagt Cruse. Deshalb könne von dem Kahlschlag, den ihm Kritiker vorwürfen, keine Rede sein. „Was wir machen, geschieht in Partnerschaft. Einige Chefärzte helfen beim Übergang, sie suchen wie etwa unser Urologe Prof. Roth ihre Nachfolger selbst mit aus“, sagt Cruse.

Auf der Liste derer, die das Helios-Klinikum kurz- oder mittelfristig verlassen sollen, stehen neben Roth so bekannte Namen wie der des Herzchirurgen Prof. Herbert Vetter und des Viszeralchirurgen Prof. Hubert Zirngibl. Sie sind wie Roth Dauergäste auf Bestenlisten über Ärzte in Deutschland. „Herr Zirngibl bleibt bis 2020 bei uns und betreut den Übergang. Außerdem ist er Lehrbeauftragter“, sagt Cruse.

Zu den Umbesetzungen gehören unter anderem auch die Chefärzte in der Hautklinik, der Pathologie und der Nephrologie sowie in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik. „Ich bin sehr froh, dass wir dafür schon Nachfolger gefunden haben. Wir werden sie demnächst vorstellen“, kündigt Cruse an.

Einer der früheren langjährigen Chefärzte ist mit der Entwicklung des Klinikums nicht zufrieden. „Da werden Kollegen auf teilweise sehr unschöne Art und Weise entlassen“, sagt der renommierte Arzt. Von den Betroffenen will sich dazu gegenüber der Westdeutschen Zeitung keiner äußern. „Lieber nicht“, lautet die Antwort. Lediglich ein einziger Chefarzt soll seine Anwälte eingeschaltet haben.

Für die neuen Chefärzte am Helios-Klinikum wird nichts mehr so sein, wie es bisher war. Cruse hat sich nach eigenen Angaben auf die Fahne geschrieben, Chefärzte zu erden. Der Halbgott in Weiß hat bei ihm ausgedient. Im Wettbewerb um die Milliarden von Euro, die jedes Jahr in Deutschland mit Gesundheit umgesetzt werden, setzt Cruse auf Transparenz.

„Wir veröffentlichen monatlich unsere Sterberaten“, sagt der Manager. Die sogenannte Mortalitätsrate ist ein Qualitätskriterium. Steigt sie, „dann muss der Chefarzt das erklären können“.

Dass das Stühlerücken bei Helios etwas mit Sparmaßnahmen zu tun haben soll, weist Cruse zurück. Sein Maßstab sei Qualität. Ihm gehe es um Wirtschaftlichkeit und Wettbewerb. „Sicher versprechen wir uns von modernen Ärzten mit modernen Methoden auch neue Geschäftsfelder“, sagt er. Gleichzeitig suche er die Kooperation mit der Konkurrenz. „Wuppertaler Krankenhäuser für Wuppertaler Bürger“, nennt er das Projekt, mit dem er verhindern will, dass Herzpatienten von St. Petrus zur Operation grundsätzlich nach Dortmund gefahren werden, damit nicht das Helios-Krankenhaus den Umsatz mit dem Eingriff macht.

Mit den neuen Chefärzten sind laut Cruse auch Investitionen in neue Geräte verbunden. Moderne Operationsmethoden erforderten das. Mehr Geld fürs Personal, bessere Bezahlung für Krankenschwestern und Pfleger sieht er hingegen nicht vor.

„Ich glaube nicht, dass mehr Gehalt unbedingt dazu führt, dass wir mehr Pfleger finden“, sagt Cruse. Sein Konzept sei vielmehr, in die Ausbildung zu investieren. „Bei uns bekommt jeder Schüler ein Macbook.“

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