Mit Hilfe von 16 Zeugen muss ein Wuppertaler Gericht klären, ob eine Spielerin absichtlich nachgetreten hat.

Bestimmt nicht zimperlich: Im Damenfußball geht es ordentlich zur Sache.
Bestimmt nicht zimperlich: Im Damenfußball geht es ordentlich zur Sache.

Bestimmt nicht zimperlich: Im Damenfußball geht es ordentlich zur Sache.

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Bestimmt nicht zimperlich: Im Damenfußball geht es ordentlich zur Sache.

Wuppertal. Blutgrätschen, Tätlich- und Unsportlichkeiten aller Art: So etwas gibt es doch eigentlich nur, wenn Männer Fußball spielen. Falsch. Seit gestern befasst sich das Wuppertaler Amtsgericht mit Damenfußball. Angeklagt ist eine 28  Jahre alte Fußballerin aus dem Oberhausener Stadtteil Sterkrade. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

Bei einem Landesliga-Kick vor zwei Jahren zwischen Fortuna Wuppertal und den Frauen des FC  Sterkrade 72 erlitt eine damals 17 Jahre alte Wuppertalerin einen Wadenbeinbruch. Die junge Frau erstattete Anzeige gegen ihre damalige Gegenspielerin. Und die Staatsanwaltschaft schrieb eine Anklage. Demnach hat die Angeklagte mit voller Absicht zugetreten. Hinterrücks in die Wade der 17-Jährigen, die nach einem vorherigen Pressball hilflos bäuchlings auf dem Boden gelegen haben soll. 

Beim Prozessauftakt wies die 28-Jährige den Vorwurf zurück: "Nachgetreten habe ich nicht." Ihre Version: Bei einem normalen Pressball (siehe Kasten) mit ihrer Gegenspielerin - O-Ton der Angeklagten: "Ich war Stürmer, die Abwehr" - habe sie wohl mit dem Schienbein die Wade getroffen. Das schilderte die Schwerverletzte erwartungsgemäß anders.

Nach dem Pressschlag habe es auch noch jenen Tritt gegeben, als der Ball längst weg war. Und sie erzählte von angeblichen verbalen Tiefschlägen ihrer Gegnerin. Die habe schnell gemerkt, dass sie körperlich unterlegen gewesen sei, und habe deshalb wahlweise gedroht: "Ich schlag’ Dir die Zähne ein", oder: "Das kriegst Du gleich wieder."

Die Angeklagte wies auch das zurück. Die Krux an der Beweisführung: Das Opfer hat nicht gesehen, dass ihre Gegenspielerin getreten hat, sie hat es nur gespürt, weil sie auf dem Bauch lag. Also müssen die Zeugen ran. 16  hat das Gericht geladen. Darunter Zuschauer und natürlich Spielerinnen beider Teams.

Wenn zwei Spieler gleichzeitig den Ball mit dem Fuß treffen, wird das Pressschlag oder Pressball genannt. Ein Pressschlag ist kein Foul.

Laut Staatsanwaltschaft ist der Einsatz der Angeklagten nicht mehr mit dem sozial üblichen Verhalten während eines Fußballspiels vereinbar.

Dem Opfer wurden vier Schrauben in den gebrochenen Knochen operiert. Im Sommer sollen sie entfernt werden.

Die Angeklagte spielt weiterhin für ihren Verein.

Sie alle müssen sich erinnern. Was hat die Torhüterin gesehen? Stimmt es, dass die Angeklagte schon vor dem angeblichen Nachtreten aggressiv war? Die Angaben schwanken. Ein Zuschauer aus Wuppertal sagt, dass er den Tritt einer Sterkraderin gesehen hat, konnte aber die Spielerin nicht identifizieren. Ein Mann aus Sterkrade will nur einen Pressball, sonst nichts beobachtet haben. Reihenweise treten die Zeugen an den Richtertisch, zeichnen auf einer Skizze ein, wer, wo, wann gestanden hat.

Der Schiedsrichter der damaligen Partie kann übrigens nicht zur Aufklärung beitragen. Nach jenem Pressball bewegte er sich wieder ganz vorschriftsmäßig auf Ballhöhe. Von einem angeblichen Nachtreten oder Foul habe er nichts gesehen. Fakt ist: Gelbe oder Rote Karten wurden nicht verteilt. Einen Spielabbruch gab’s ebenfalls nicht. Den Schlusspfiff der Partie - sie endete 0:0 - bekam die Wuppertalerin nicht mehr mit. Sie war bereits auf dem Weg ins Krankenhaus.
In der kommenden Woche wird das Urteil erwartet.

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