Kann die Metropolregion dem Städtedreieck nutzen? Der IHK-Präsident bleibt sehr skeptisch.

Interview
Friedhelm Sträter, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, steht dem Thema Metropolregion eher kritisch gegenüber.

Friedhelm Sträter, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, steht dem Thema Metropolregion eher kritisch gegenüber.

Archiv

Friedhelm Sträter, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, steht dem Thema Metropolregion eher kritisch gegenüber.

Wuppertal. Für Friedhelm Sträter, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, bietet das geplante Outlet Center in Remscheid die Möglichkeit, den Tourismus im Bergischen Land zu forcieren.

Herr Sträter, man hat nicht den Eindruck, dass die Bergische Entwicklungsagentur erkannt hat, dass mit einem Outlet Center in Remscheid der Tourismus belebt werden könnte. Zumindest hat man noch keine Stellungnahme von der Agentur gehört, oder?

Sträter: Nein, hat man nicht. Die Agentur ist derzeit ein ungeliebtes Kind, dem es nicht gut geht. Sie wird von den Städten derzeit nicht so richtig gut behandelt. Aber für uns ist die Agentur eine ganz wichtige Gründung gewesen. Wir sehen die Chance, dass gemeinsame Interessen an einer Stelle vereinigt werden.

Die Kritik an der Bergischen Entwicklungsagentur ist derzeit recht laut.

Sträter: Die Kritik an der Agentur ist doch eher eine Kritik an denjenigen, die die Agentur tragen.

 Die Metropolregion Rheinland soll Städte wie Düsseldorf, Köln, Bonn und auch die Region Aachen besser vernetzen und für einen gemeinsamen Auftritt sorgen. Oberbürgermeister Peter Jung hatte während der jüngsten Immobilienmesse Expo Real in München an Gesprächen zur Metropolregion teilgenommen und gegenüber der WZ erklärt, dass Wuppertal auch Teil des Rheinlands sei.
 

An den Städten?

Sträter: Ja.

Das haben wir aber schon ganz anders gehört.

Sträter: Natürlich, immer dann, wenn Sie mit Politikern sprechen. Es gibt aber auch Kritik an nicht-kooperationswilligen Städten.

Sie gelten ja als Verfechter einer engeren bergischen Kooperation. Werden sie nicht langsam müde, dieses dicke Brett zu bohren?

Sträter: Nein, ich wusste ja immer, dass dies ein sehr dickes Brett ist, das zumal sehr viel härter geworden ist.

Warum?

Sträter: Bei denjenigen, die an der Kooperation kein Interesse haben, werden die Widerstände größer.

Von wem sprechen Sie?

Sträter: Von all denen, die daraus einen Vorteil ziehen. Jeder, der sich bisher gegen die Kooperation ausgesprochen hat, war auf der Stelle, auf der er saß, sehr gut versorgt.

Es geht also um die Wahrung persönlicher Interessen?

Sträter: Es geht um die Wahrung politischer Positionen.

Die Zukunft des bergischen Städtedreieckes kann doch eigentlich nur in dieser engeren Vernetzung liegen, oder?

Sträter: Das ist richtig und betrifft auch das Thema Metropolregion Rheinland.

Gegen einen Beitritt zu dieser Region waren Sie zuerst, sind dann aber umgeschwenkt. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Sträter: Das ist ein klarer Auftrag der IHK-Vollversammlung. Dazu müssen wir aber bergisch aufgestellt sein, als einzelne Stadt beizutreten ist doch eine Lachnummer.

Wann reicht der Grad der bergischen Vernetzung, um dem Rheinland beitreten zu können? Andere Städte, wie etwa Mönchengladbach, machen das ganz alleine.

Sträter: Der Wirbel, der in den vergangenen Zeit um die Metropolregion veranstaltet wurde, ist der Sache nicht angemessen. Nächstes Jahr, zum Termin der ExpoReal, ist der nächste Termin mit den Städten zu diesem Thema vereinbart.

Sie haben derzeit nur einen Gaststatus?

Sträter: Richtig, wir haben einen Gaststatus.

Andere Städte und Regionen haben sich doch auch breiter aufgestellt, um im europäischen Wettbewerb effektiver auftreten zu können. Warum klemmt es im Bergischen? Ist es nicht sinnvoller, eine schlagkräftige Einheit zu bilden, die in Europa gehört wird?

Sträter: Ja, es gibt kein Argument dagegen. Das sollte unter der Führung eines der drei Oberbürgermeister, und ich halte den Solinger Oberbürgermeister dafür am besten geeignet, geschehen. Das sollte nicht jede Stadt für sich alleine machen, sondern sie sollten gemeinsam aktiv werden.

Man kann aber doch nicht warten, bis die bergische Kooperation abgeschlossen ist, um dann der Metropolregion beizutreten?

Sträter: Warum bildet man nicht einen Verbund und sagt: Wir beteiligen uns als Verbund?

Worin liegt da der Vorteil?

Sträter: Das ist eine Frage des Bildes, das man nach außen senden möchte.

Die Städte geben doch ohnehin dann einen Teil ihrer lokalen Identität in der Metropolregion auf. Ist es da nicht gleich, ob sie das als Städte oder als bergische Region machen?

Sträter: Vielleicht, aber die Frage ist doch auch, was wir uns von der Metropolregion versprechen. Es gibt doch nichts mehr zum Verteilen.

Wäre es nicht eine sehr gute Aufgabe für die Bergische Entwicklungsagentur, die drei Städte in die Metropolregion zu führen?

Sträter: Zweifelsohne.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer