Besitzer und Pächter des einzigen Programmkinos in Wuppertal liegen im Streit. Der beschäftigt bald das Land- und Amtsgericht.

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Schon damals gab es Ärger hinter den Kulissen, doch Mustafa El Mesaoudi lässt sich bei der Premiere von „Pina 3D“ mit Regisseur Wim Wenders nichts anmerken. Der Film hatte im Cinema und im Cinemaxx sehr gute Besucherzahlen.

Schon damals gab es Ärger hinter den Kulissen, doch Mustafa El Mesaoudi lässt sich bei der Premiere von „Pina 3D“ mit Regisseur Wim Wenders nichts anmerken. Der Film hatte im Cinema und im Cinemaxx sehr gute Besucherzahlen.

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Schon damals gab es Ärger hinter den Kulissen, doch Mustafa El Mesaoudi lässt sich bei der Premiere von „Pina 3D“ mit Regisseur Wim Wenders nichts anmerken. Der Film hatte im Cinema und im Cinemaxx sehr gute Besucherzahlen.

Wuppertal. Nach zwei Betreiberwechseln in einem Jahr und einer kurzzeitigen Schließung war es seit Ende 2007 erfreulich ruhig um das Cinema in Oberbarmen geworden. Schlagzeilen machten allenfalls noch die sehr guten Besucherzahlen von „Pina 3D“. Doch mit der Ruhe ist es hinter den Kulissen offenbar schon länger vorbei: Wie die WZ jetzt erfuhr, wurde den aktuellen Betreibern bereits im vergangenen Jahr gekündigt.

Vorwürfe: Unpünktliche Miete und ein „verkommenes“ Kino

Die Vorwürfe seitens des Besitzers Hannes Rüttgers sind schwerwiegend: Pächter und Theaterleitung würden das Kino verkommen lassen, die Technik sei nicht regelmäßig gewartet worden – obwohl dies vertraglich zugesichert sei. „Dort ist alles verdreckt, darauf habe ich immer wieder aufmerksam gemacht. Geändert hat sich aber nichts“, so Rüttgers. Zudem sei die Miete nur selten pünktlich und in vollem Umfang überwiesen worden.

Er habe mit einem anderen Pächter in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen gemacht, der hätte ihm einen Millionenschaden – damals noch zu Zeiten der Deutschen Mark – zurückgelassen. Das wolle er nun verhindern, habe mit der Kündigung die Reißleine gezogen, so Rüttgers.

Bei Theaterleiter Mustafa El Mesaoudi sorgen diese Aussagen für Kopfschütteln: „Aus unserer Sicht ist die Kündigung nichtig.“ Aktuell gebe es keine Außenstände gegenüber Rüttgers. Auch den Vorwurf, das Kino an der Berliner Straße verkommen zu lassen, weißt er von sich. „Wir haben jeden Tag geöffnet. Jeder ist herzlich eingeladen nachzusehen, ob die Vorwürfe stimmen“, wehrt sich El Mesaoudi.

Im Gegenteil: Hannes Rüttgers sei es, der Investitionen im Gebäude – etwa den Austausch der in die Jahre gekommenen Bestuhlung – scheue. „Es ist Zeit, dass der Vermieter gefälligst seinen Einsatz bringt“, fordert der Theaterleiter. Es sei in Wuppertal leider üblich, dass Besitzer von Kulturspielorten die Instandhaltung auf die Mieter abwälzen wollten.

Besitzer und Betreiber verklagen sich gegenseitig

Das Cinema hat eine lange Tradition. Bereits 1960 richtete Hannes Rüttgers das Kino mit neuester Technik als Vorführhaus ein. „Damals kamen Kinomacher aus der ganzen Welt ins Cinema, um sich die neuesten Entwicklungen anzuschauen“, erinnert sich Rüttgers.

Auch im Bereich Tontechnik war das Cinema Vorreiter: „Wir hatten damals eine 4000-Watt-Anlage. Was heute nichts Besonderes mehr ist, war damals eine Sensation“, so Rüttgers.

Bis 2006 führten Anette Wörnsdörfer und Detlef Bell, heute Chef des Wuppertaler Cinemaxx und Regionalleiter West der Gruppe, das Kino unter dem Namen „CineTal“.

Ab Januar 2007 leitete Zoltan Paul das Cinema. Nur ein halbes Jahr später meldete seine Firma Atoll Film GmbH Insolvenz an. Kurz danach wurden Jochen Kuhnert und Mustafa El Mesaoudi die Pächter.

Am 14. November beschäftigt der Streit sowohl das Amts- als auch das Landgericht in Wuppertal. In einer Zivilklage am Landgericht will Hannes Rüttgers erreichen, dass die Betreiber Arbeiten am Gebäude durchführen lassen und Belege für Wartung und Instandhaltung vorlegen. Am selben Tag steht auch ein Verfahren am Amtsgericht an. Dort klagt Mustafa El Mesaoudi auf Unterlassung. Er will erreichen, dass Hannes Rüttgers zusichert, bestimmte Aussagen nicht zu wiederholen. Unter anderem soll der Vermieter El Mesaoudi in einem Brief als „Lügenbaron“ bezeichnet haben.

Welche Auswirkungen die Verfahren auf die Zukunft des Cinema haben, bleibt abzuwarten. Das Tischtuch zwischen Besitzer und Betreiber scheint aber zerschnitten. Gegenüber der WZ sagte Hannes Rüttgers, bereits mit Interessenten für eine Übernahme gesprochen zu haben. Mustafa El Mesaoudi: „Wir wollen hier weiter gutes Kino machen.“ Die Zukunft des einzigen Programmkinos im Tal ist ungewiss.

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