Dieter Hanke nahm sich die Themen Pflegenotstand und Privatisierung von Krankenhäusern vor.

Vohwinkel. „Sie müssen ins Krankenhaus? Dann schlafen sie sich zuhause noch mal richtig aus. Im Krankenhaus wird das nichts.“ Dieter Hanke gab seinen Gästen beim traditionellen Martinsgansessen im Vohwinkeler Seniorenzentrum praktische Hinweise. Angesichts des Personalabbaus bei den Pflegekräften herrsche im überlasteten Krankenhausbetrieb eine straffe Organisation, bei der die Nacht für den Patienten meist schon um 5 Uhr morgens endet.

„Ausschlafen müssen Sie nach der Entlassung daheim im eigenen Schlafzimmer.“

Dieter Hanke

An Erholung, die für den Gesundungsprozess durchaus förderlich ist, sei angesichts „ärztlicher Karawanen“ kaum zu denken. „Ausschlafen müssen Sie sich nach der Entlassung im eigenen Schlafzimmer“, stellte Hanke fest. Der Geschäftsführer des Seniorenzentrums zeigte sich beim Martinsgansessen gewohnt scharfzüngig. Er nutzte seine Rede einmal mehr für eine ungeschminkte Analyse des Gesundheitssystems. Serviert wurde dabei neben den Köstlichkeiten des Abends eine gepfefferte Kritik an Pflegenotstand und übertriebener Bürokratisierung.

Diesbezüglich hatte Dieter Hanke eine weitere Empfehlung: „Werden Sie nicht krank oder pflegebedürftig“, riet er seinen Gästen. Denn bereits jetzt sei der Fachkräftemangel in der Pflege schmerzhaft spürbar.

Wegen Personalmangel neue Kunden ablehnen

„So müssen wir in der Ambulanten Diakonie einen großen Teil der Kunden ablehnen, weil uns Pflegefachpersonal fehlt“, berichtete Hanke. Keiner könne sagen, er habe die Problematik nicht gesehen. „Die drohende Katastrophe ist seit Jahrzehnten bekannt“, betonte der Geschäftsführer.

Auch die Führung von Krankenhäusern als Privatunternehmen stellt er auf den Prüfstand. „Seitdem wollen Aktionäre an den Krankheiten der Menschen verdienen und erwarten am Jahresende eine Rendite“, warnte Hanke. Dabei sei die Einsatzbereitschaft des Personals ungebrochen. „Ich habe nirgendwo so freundliche, herzliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt wie in den Krankenhäusern. Die Pflegekräfte bemühen sich um die Patienten, wo es nur geht“, lautete Hankes Urteil.

„Die drohende Katastrophe ist seit Jahrzehnten bekannt.“

Dieter Hanke über fehlendes Pflegepersonal

Beim Martinsgansessen im Seniorenzentrum treffen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten viele Vohwinkeler Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kirche sowie ehrenamtlich engagierte Bürger aus dem Stadtteil zum Austausch.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer