Karl-Heinz Kleine und seine Mitstreiter haben in alten Stollen nach dem Bernsteinzimmer gesucht – vergeblich.

Bunker
Nikolaus Brandau krabbelt durch einen gerade geöffneten Stollen – das Bernsteinzimmer war nicht hinter der Wand versteckt.

Nikolaus Brandau krabbelt durch einen gerade geöffneten Stollen – das Bernsteinzimmer war nicht hinter der Wand versteckt.

Wilfried Fischer (vorne) und Karl-Heinz Kleine setzen bei der Suche schweres Gerät ein.

Karl-Heinz Kleine sucht bereits seit mehreren Jahren nach dem Schatz.

Fries, Stefan (fr), Bild 1 von 3

Nikolaus Brandau krabbelt durch einen gerade geöffneten Stollen – das Bernsteinzimmer war nicht hinter der Wand versteckt.

Vohwinkel. Eine Fabrikhalle irgendwo in Vohwinkel, im Boden gähnt eine Öffnung, etwa einen Meter breit. Nikolaus Brandau hat die Eisenplatte zur Seite geschoben, steckt jetzt zur Hälfte in dem schwarzen Loch. Schaltet die Stirnlampe am Helm ein, wendet sich an Wilfried Fischer: „Bohrer. Stange.“ Verschwindet im Loch – Fischer und Karl-Heinz Kleine folgen ihm.

Kleine und seine Helfer sind auf der Suche nach einem Schatz, einem legendenumwobenen: dem Bernsteinzimmer. Kleines Theorie, warum das Kunstwerk in Wuppertal zu finden ist, führt in die Wirren des Zweiten Weltkriegs zurück. In der Endphase, so die Gerüchte, habe Ostpreußens Gauleiter Erich Koch – ein gebürtiger Elberfelder – das Bernsteinzimmer in seine Heimat schaffen lassen. Per Zug, durch das zerbombte Deutsche Reich.

„Wir wissen von 170 Bunkern und Stollen in Wuppertal.“

Karl–Heinz Kleine

Eine Theorie von vielen, doch Kleine ist optimistisch. Diesmal gilt sein Einsatz einem zweistöckigen Produktionsbunker, der hier irgendwo sein muss. Kleine will einen Zugang entdecken. Weil die Nordbahntrasse nah ist und weil Erich Koch und der damalige Besitzer des Bunkers befreundet gewesen sein sollen.

Auf einem Schuttberg geht es abwärts, endlich ist der Boden erreicht. Schutt auch hier, mächtige Lüftungsrohre, halb verrostet, einige abgefallen. Mauerstaub liegt in der Luft, das umher huschende Licht erhellt kurz Brennöfen, einen Schaltraum für elektrische Anlagen.

Das alles gehörte einmal zu einer Emaillier-Fabrik, hier haben einmal Menschen gearbeitet. Kleine ist in seinem Element. „Was ist das für ein Loch?“ Brandau winkt ab. „Das ist ein Wasserloch.“ In einer Ecke liegen faustgroße, runde Kiesel, ehemals Inhalt einer Holzkiste, die sich aufgelöst hat. Eine Zigarettenschachtel ist zu sehen, Orienta heißt die Marke, ein Zeugnis früherer Besucher.

Das Bernsteinzimmer war ursprünglich im Berliner Stadtschloss eingebaut, bevor es im Jahr 1716 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt wurde. Seit 1945 ist es verschollen. Im Katharinenpalast in St. Petersburg befindet sich seit 2003 eine originalgetreue Nachbildung.

Auf halbem Weg versperrt eine aufgemauerte Konstruktion den Weg. Jetzt geht es nur noch kriechend weiter. „Vorsicht mit dem Kopf!“, ruft Fischer. Dann wieder mehr Raum. An einer Mauer zeigt ein kleines Loch, dass die Männer hier schon einmal tätig waren. „Wir haben mit dem Endoskop durchgeguckt, aber nichts erkennen können“, sagt Kleine. Er hofft auf einen Hohlraum.

Wand um Wand wird aufgebohrt – Hohlräume finden sich nicht

Während Fischer den Bohrer in Stellung bringt, hat Brandau woanders eine Öffnung entdeckt. „Wo geht es denn da hin?“, fragt Kleine, aber Brandau liegt schon auf dem Bauch. Fischer schaltet den Bohrer ein. 1,30 Meter frisst sich das Teil unter lautem Dröhnen in die Wand. Danach kommt Lehm. Wohl doch kein Hohlraum. Kleine zuckt mit den Achseln. Das war’s für heute. Die Männer suchen ihre Ausrüstung zusammen und machen sich auf den Weg zurück an die Oberfläche. Kleine: „Wir wissen von 170 Bunkern und Stollen in Wuppertal. 40 an der Trasse. Wir kennen erst einen geringen Teil.“ Wer das Bernsteinzimmer jagt, braucht einen langen Atem.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer