Vier Bienenvölker hat Rolf Eiben an der Ehrenhainstraße angesiedelt. Dort sind die Bedingungen für die Insekten ideal.

Vier Bienenvölker hat Rolf Eiben an der Ehrenhainstraße angesiedelt. Dort sind die Bedingungen für die Insekten ideal.
Sebastian Braun vom Friedhof freut sich über die neue Nutzung der Flächen durch Imker Rolf Eiben.

Sebastian Braun vom Friedhof freut sich über die neue Nutzung der Flächen durch Imker Rolf Eiben.

Stefan Fries

Sebastian Braun vom Friedhof freut sich über die neue Nutzung der Flächen durch Imker Rolf Eiben.

Vohwinkel. Es ist nur auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ort für das Imkerhandwerk. Rolf Eiben hat am evangelischen Friedhof an der Ehrenhainstraße vier Bienenvölker angesiedelt. Seine fleißigen Schützlinge fühlen sich in der neuen Umgebung sichtlich wohl und bereiten sich gerade auf die kalte Jahreszeit vor. Auch der Vohwinkeler Imker hat kein Problem mit dem Standort auf der weitläufigen Ruhestätte – im Gegenteil.

„Die Bedingungen sind ideal“, betont Eiben. Er verweist auf ein breites Spektrum an Pflanzen aller Art auf dem Friedhof. Gerade die Blütenpracht bis in den Spätsommer biete den Bienen ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Die Monokulturen in der Landwirtschaft und in vielen akribisch gepflegten Gärten machen den kleinen Honigsammlern dagegen das Leben schwer. Da kam das Angebot der Friedhofsverwaltung wie gerufen. „Für Imker ist das hier ein Traum“, schwärmt Rolf Eiben. Entstanden ist der Kontakt auf Initiative von Sebastian Braun. Der Leiter des Friedhofs suchte nach neuen und sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten. „Wir haben einige Flächen, die wir im Moment nicht benötigen“, erklärt Braun. Das liege auch an der Zunahme von Urnenbestattungen, die deutlich weniger Platz beanspruchen.

Der erste Honig von den Bienen ist im Frühjahr zu erwarten

„Erst dachten wir an ein Insektenhotel, aber dann hatten wir recht schnell die Idee mit den Bienen.“ Pfarrerin Sylvia Wiederspahn machte einen entsprechenden Vorschlag beim Vohwinkeler Imkerverein. „Die Resonanz war sofort positiv“, berichtet die Presbyteriumsvorsitzende.

Vor einem Monat stellte dann Rolf Eiben die Bienenstöcke auf. Bereits kurz danach schwärmten deren Bewohner aus und erkundeten das Gelände. „Der Standort liegt bewusst etwas abseits, damit die Besucher des Friedhofs nicht gestört werden“, sagt Sebastian Braun. Bisher habe es keine Beschwerden gegeben. „Die Leute sind eher neugierig und sprechen uns auf die Bienen an“, berichtet der Friedhofsleiter. Für die Imker ist das Angebot kostenlos. Noch gibt es Platz für weitere Bienenvölker. „Wir sind da offen“, erklärt Braun.

Jetzt müssen sich die Bienen aber erstmal für den Winter rüsten. Nach einem wettermäßig durchwachsenen Jahr mit mittelmäßiger Honigernte können sie die kühlen Monate durch Zufütterung gut überstehen. „Im September wurden die Sommerbienen durch die Winterbienen abgelöst“, erklärt Rolf Eiben. Letztere leben acht bis neun Monate und haben die Aufgabe, das Nest zu wärmen und für die Brutpflege im Frühjahr zu sorgen. Aber auch Winterbienen sammeln noch an schönen Herbsttagen Nektar und Pollen. Die Friedhofsbesucher können den summenden Gesellen also weiter bei der Arbeit zusehen.

Im kommenden Frühjahr ist dann der erste Honig von den Bienen an der Ehrenhainstraße zu erwarten. Er wird als „Frühtracht“ bezeichnet und dürfte angesichts der guten Bedingungen von bester Qualität sein. Doch der süße Gaumenschmaus ist nicht der Hauptgrund, warum Bienen so schützenswert sind. „Ohne sie käme es zu massiven Ernteausfällen“, sagt Karl Bechem, Vorsitzender des Imkervereins Vohwinkel und Umgebung. Er verweist auf Länder wie Japan oder China, wo die Blüten teilweise schon mit dem Pinsel bestäubt werden müssen. In den heimischen Gefilden erholt sich dagegen die Bienenpopulation nicht zuletzt dank des wachsenden Bewusstseins für die nützlichen Insekten.

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