Notdienst
Dorothee Josting zeigt ihre Schlafgelegenheit für die Notdienste: ein Bett im Büro.

Dorothee Josting zeigt ihre Schlafgelegenheit für die Notdienste: ein Bett im Büro.

Schinkel, Uwe (schin)

Dorothee Josting zeigt ihre Schlafgelegenheit für die Notdienste: ein Bett im Büro.

Vohwinkel. Leise summend fährt das Bett aus der Wand, wirkt aber angesichts von Aktenschränken und Regalen mit medizinischen Fachbüchern etwas deplatziert. Es ist kurz nach Mitternacht und die meisten Vohwinkeler schlafen bereits tief und fest. In der Apotheke am Kaiserplatz herrscht dagegen noch reges Treiben.

Serie: 24 Stunden in Vohwinkel

Heute steht der Nachtdienst auf dem Dienstplan. Doch zunächst bleibt das Bett noch eine ganze Weile ungenutzt. „Es lohnt sich sowieso nicht, vor zwölf Uhr schlafen zu gehen, da bis dahin regelmäßig Anfragen kommen“, erklärt Inhaberin Dorothee Josting. Sie versieht schon seit mehr als 30 Jahren Apothekennotdienst und kennt sich mit den typischen Gewohnheiten der nachtaktiven Kundschaft aus. Diese nutzt den besonderen Service eher in den späteren Abendstunden und dabei handelt es sich aus medizinischer Sicht meist um weniger dramatische Fälle. Mittel gegen Kopfschmerzen und kleinere Wehwehchen überwiegen. Gewünscht werden Hustensaft und Schwangerschaftstest So ist es auch diesmal. In den vergangenen Stunden wurden Allergietabletten und Hustensaft gewünscht. Zudem kauften Kunden Benetzungsflüssigkeit für Kontaktlinsen und einen Schwangerschaftstest. Dafür nutzen sie die Klingel am Eingang, die in den hinteren Betriebsräumen mit der Schlafgelegenheit gut hörbar ist. Die Medikamente werden durch einen Schacht nach draußen gereicht, die Türe bleibt aus Sicherheitsgründen geschlossen. Dorothee Josting bedient ihre Kunden immer freundlich, doch für vermeidbare nächtliche Wünsche wie Salmiakpastillen fehlt ihr das Verständnis. „Viele Menschen wissen nicht, dass wir schlafen, wenn keine Notfälle anstehen“, erklärt sie. Immerhin muss am nächsten Tag normal gearbeitet werden. Der Notdienst darf nur von ausgebildeten Apothekern übernommen werden.

In jeder Ausgabe erleben Sie eine Stunde an einem bestimmten Ort. Heute starten wir von 0 bis 1 Uhr beim Notdienst in der Apotheke am Kaiserplatz. Für die nächste Ausgabe schauen wir uns von 1 bis 2 Uhr in Vohwinkel um – wo, wird noch nicht verraten. Und so geht es ein Jahr lang rund um die Uhr.

Gedacht ist diese Möglichkeit, die jede Apotheke etwa alle drei Wochen anbieten muss, vor allem für medizinisch brisante Situationen. „Klar ist etwa der Fall, wenn der Notarzt bei einem Hausbesuch Antibiotika verschreibt oder Medikamente für Kinder benötigt werden“, sagt Josting. Sie verweist aber darauf, dass für verschreibungspflichtige Medikamente auch in der Nacht ein Rezept vorliegen muss. Falls dies fehlt, müssen Patienten zu später Stunde erst den Notarzt oder das Krankenhaus aufsuchen. Grundsätzlich seien echte medizinische Notfälle aber die Ausnahme, erzählt die Apothekerin. „In Vohwinkel ist es eigentlich immer recht ruhig.“ Allerdings schellt nachts auch immer wieder das Telefon. Ein Notdienst ganz ohne Anfragen ist selten. Auch in dieser Nacht wird die Apotheke noch um 1 Uhr morgens aufgesucht. Diesmal werden Tabletten gegen Schlaflosigkeit benötigt. Ob es dabei einen Zusammenhang mit dem einige Stunden zuvor verkauften Schwangerschaftstest gibt, bleibt offen. www.apotheke-am-kaiserplatz.de  

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