Am 8. Dezember wurde die Bergische Synagoge eingeweiht – unter hohem Sicherheitsaufwand und mit hohem Besuch.

Hundertschaften der Polizei eskortierten den Festzug durch die Barmer Innenstadt.
Hundertschaften der Polizei eskortierten den Festzug durch die Barmer Innenstadt.

Hundertschaften der Polizei eskortierten den Festzug durch die Barmer Innenstadt.

Der große Saal der Bergischen Synagoge fasst etwa 300 Personen.

Zu den Ehrengästen bei der Einweihung zählte auch Johannes Rau.

Sicherheitskräfte auf dem Dach des Rathauses.

Archiv, Bild 1 von 4

Hundertschaften der Polizei eskortierten den Festzug durch die Barmer Innenstadt.

Barmen. Kanaldeckel wurden zugeschweißt, Müllbehälter und Briefkästen abgehängt. Ein gutes Jahr nach den Anschlägen vom 11. September war den Sicherheitskräften immer noch äußerst unwohl bei der Ankündigung hohen Besuchs. Der stand Barmen ins Haus, als dort am 8. Dezember 2002 die Bergische Synagoge eingeweiht wurde.

Nie zuvor hatte ein israelischer Staatschef zu einem solchen Anlass Deutschland bereist. Insofern galt der Besuch von Präsident Mosche Katzav als Jahrhundertereignis. Initiator war Bundespräsident Johannes Rau, der ein Zeichen gegen den als antiisraelisch empfundenen Wahlkampf Jürgen Möllemanns (FDP) setzen wollte.

Wuppertal feierte zugleich 25 Jahre Partnerschaft mit Beer Sheva

Dass ausgerechnet Wuppertal die hohe Ehre zuteil wurde, erklärte sich nicht allein aus Raus Biografie. Vielmehr war Wuppertal als erste deutsche Großstadt eine Partnerschaft mit einer israelischen Stadt eingegangen und feierte soeben den 25. Jahrestag dieser Partnerschaft mit Beer Sheva. Zugleich wartete Wuppertals jüdische Kultusgemeinde mit einem besonders rasanten Zuwachs auf. In nur 15 Jahren war die Mitgliederzahl von 65 auf 2000 gestiegen.

Dieses Wachstum war schon seit Jahren Argument für den Bau einer neuen Synagoge. 1996 hatte die ehemalige Wuppertaler Oberbürgermeisterin Ursula Kraus zur Gründung des Freundeskreises Neue Synagoge angeregt. Am 10. November 1998 war ein symbolischer Spatenstich erfolgt. Das Grundstück war mit Bedacht gewählt und von der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Verfügung gestellt worden. Es befand sich auf dem Gelände der Gemeinde Gemarke, wo 1934 die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet worden war.

„Die nachbarschaftliche Nähe der Gebäude macht uns Christen ja auf den Schmerz über das Leiden in unserem Land aufmerksam“, sagte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, in seiner Festrede. „Jüdische Einrichtungen können in unserem Land nicht ohne Polizeischutz sein. Nun überträgt sich das zum ersten Mal auch auf eines unserer Kirchengebäude.“

Die neue Synagoge befindet sich nicht weit vom alten Standort

An der Genügsamkeitsstraße wurde 1865 die Elberfelder Synagoge eingeweiht. In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938, in der Reichspogromnacht, wurde der Bau zerstört.

Auf der ehemals brach liegenden Fläche an der Genügsamkeitsstraße wurde 1994 die Begegnungsstätte Alte Synagoge eröffnet. Sie erinnert an die jüdische Gemeinde Wuppertals.

www.alte-synagoge-wuppertal.de

An der Scheurenstraße (heute Zur Scheuren) wurde 1897 die Barmer Synagoge eröffnet. Auch sie wurde während der Reichspogromnacht am 10. November zerstört. Die neue Synagoge entstand in der Nähe des alten Standortes.

Dem symbolischen Spatenstich war erst im Oktober 2001 die Grundsteinlegung gefolgt. Die Pläne für den Neubau, der immer wieder für seine hervorragende Architektur gelobt wird, stammten von dem Wuppertaler Team Hans Christoph Goedeking und Jürgen Schmidt. Umgesetzt wurden sie innerhalb eines Jahres und verschlangen etwa 4,5 Millionen Euro. Außer dem großen Saal für rund 300 Personen umfasst das Angebot des Gebäudekomplexes auch Mikwe (Tauchbad), Jugendzentrum, Religionsschule und ein koscheres Café.

In hebräischer Schrift ist an der Bergischen Synagoge ein Wort des Propheten Jesaja zu lesen: „Denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker.“ Dieser Spruch stand bereits über dem Portal der 1897 errichteten alten Barmer Synagoge. Mit Zwiebelhaube, Zinnen und Hufeisenbogen hatte sie der Scheurenstraße (heute Zur Scheuren) eine exotische Note verliehen. Trotz ihrer freundlichen Aufforderung war sie manchem Wuppertaler ein Dorn im Auge und wurde im November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört. Dass eine neue Synagoge in der Nähe des ehemaligen Standorts entstehen konnte, vermag nicht gänzlich über den Verlust des alten Hauses hinwegzutrösten. Die Brandlegung bleibt ein feiger Akt, der Barmen um ein bedeutendes Denkmal beraubt hat.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer