Wie Randy Andreß jenseits der Förderschule neue Wege geht.

Macht auf der Bundeshöhe ihre Ausbildung: Randy Andreß.
Macht auf der Bundeshöhe ihre Ausbildung: Randy Andreß.

Macht auf der Bundeshöhe ihre Ausbildung: Randy Andreß.

Mathias Kehren

Macht auf der Bundeshöhe ihre Ausbildung: Randy Andreß.

Lichtscheid. Behutsam schiebt Randy Andreß (17) den Geschirrwagen aus der Küche. Die Teller und Tassen klimpern leise, als sie die Räder des Wagens über die Fliesen rollt. "Ich decke fürs Abendessen", sagt sie. Noch vor ein paar Stunden hat sie mit dem Kochlöffel in der Tomatensoße gerührt, jetzt faltet sie Servierten.

Seit Mitte August macht Randy in der CVJM-Bildungsstätte an der Bundeshöhe eine Ausbildung zur Hilfskraft im Gastgewerbe. Suchen junge Leute heute lange nach einem Ausbildungsplatz, war das für Randy noch schwieriger. Die junge Frau hat das Down-Syndrom.

Ausbildungsprojekt schließt die Förderlücke

Randys Familie hat darauf Wert gelegt, dass Randy von klein auf trotz ihrer Behinderung mit gesunden Kindern aufwächst. Nach dem integrativen Kindergarten besuchte sie eine Schule mit dem integrativen Gedanken. Und was dann? Die Förderlücke für lernschwache und behinderte junge Leute haben die Stadt, die Agentur für Arbeit und die Industrie- und Handelskammer mit dem Pilot-Projekt "integrative Berufsausbildung für Menschen mit Behinderung" geschlossen.

Randy ist eine der ersten sechs Wuppertaler, die eine reguläre Berufsausbildung absolvieren. Die angehenden Beiköche, Bau- und Betonmaler und Werkzeugmaschinenspaner arbeiten einerseits in einem Wuppertaler Betrieb und drücken andererseits die Bänke der Berufschule. Dabei werden sie individuell unterstützt.

In der heimischen Küche hat Randy immer gerne gekocht. "Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht", sagt die 17-Jährige. Als junge Frau will sie selbstständig sein und sich ihr Leben finanzieren. Dabei bedeutet ihr die Wertschätzung ihrer Kollegen viel: "Alle sind sehr nett", sagt Randy, "Da gibt’s immer viel zu lachen." Die nehmen sich dann auch mal etwas mehr Zeit, um ihr manchen Arbeitsablauf noch einmal zu erklären. Ihr Chef Gerd Halfmann vom CVJM ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Auch in der Berufsschule kommt Randy gut mit.

Agentur für Arbeit, Initiativkreis Gemeinsame Schule, Stadt Wuppertal, IHK, Handwerkskammer Düsseldorf, Integrationsfachdienst, Integrationsamt des Landschaftsverbandes und Vertreter der Berufschulen.

Oberstes Ziel ist, eine Berufsausbildung nach Richtlinien der Industrie und Handelskammer (IHK) auf dem ersten Arbeitsmarkt mit einer beruflichen Eingliederung. Dem Auszubildenden steht ein Jobcoach am Arbeitsplatz und ein Integrationshelfer in der Berufsschule, der von der Stadt finanziert wird, zur Seite. Die restlichen Kosten übernimmt die Agentur für Arbeit. Arbeitgeber erhalten Zuschüsse, wenn sie einem behinderten Jugendlichen einen Ausbildungsplatz geben.

Wenn der Jugendliche noch nicht reif für eine Ausbildung ist, kann er an der unterstützten Einstiegsqualifikation teilnehmen. Ein Jahr sammelt er erste Berufserfahrungen im Betrieb.

Die Förderung eines Einarbeitungsjahres ist für junge Leute gedacht, für die eine Ausbildung nicht möglich ist. Die Agentur für Arbeit finanziert eine 12- bis 18-monatige Einarbeitung in einem Betrieb, mit dem Ziel einer Übernahme des Jugendlichen. Dabei werden die Qualifikationen individuell bestimmt.

Da begleitet sie - anders als im Berufsalltag - eine Integrationshelferin und hilft bei der Mitschrift. "Randy blüht in ihrer Ausbildung auf", sagt Förderschul-Lehrerin Esther Jost, mit der Randy für die Prüfungen paukt. "Der Zug fährt weg von der Förderschule, hin zur Teilhabe am Arbeitsmarkt", sagt Dieter Schattevo von der Agentur für Arbeit.

Eine Alternative sieht Randy in einer Behinderten-Werkstatt für sich nicht. "Ich verstehe nichts von Schrauben und Werkzeug." Im Sommer wird einer der Azubis sein Zeugnis in Händen halten. Das will Randy auch bald.

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