Der Anwalt der unter Totschlagsverdacht stehenden Mutter legt rechtsmedizinisches Gutachten vor.

An dieser Stelle war das tote Baby beim Picobello-Tag gefunden worden. (Archiv
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Uwe Schinkel

An dieser Stelle war das tote Baby beim Picobello-Tag gefunden worden. (Archiv

Ronsdorf. Seit dem 22. April dieses Jahres besteht gegen eine 18 Jahre alte US-Austauschschülerin ein Haftbefehl (siehe Kasten). Der Vorwurf lautet bislang, dass die junge Frau für den Tod ihres Kindes verantwortlich sei. Der Leichnam des Säuglings war am 20. März bei der Müllsammel-Aktion "Picobello-Tag" in einem Gebüsch am Ascheweg gefunden worden. Drei Wochen später hatte die Kripo die Mutter ermittelt und leitete ein Verfahren wegen des Verdachts des Totschlags ein. Jetzt steht das Verfahren unmittelbar vor der Einstellung. 

Experte: Keine Hinweise darauf,
dass der Säugling gelebt hat

Der Grund ist ein 22 Seiten langes Gutachten, dass der Ronsdorfer Rechtsanwalt Gerd Niemeyer bei einem Münchener Rechtsmediziner in Auftrag gegeben hat. Laut Niemeyer kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass das Kind noch lebte, als es die junge Mutter im November 2009 heimlich im Zimmer ihrer ahnungslosen Gastfamilie zur Welt brachte. Das ist der zentrale Punkt im Verfahren. Wäre nachweisbar, dass das Mädchen nach der Geburt noch gelebt hat, wäre womöglich der Vorwurf der Tötung durch unterlassene Hilfeleistung begründbar gewesen.  Zur Erinnerung: Die junge Mutter soll ausgesagt haben, dass sie eine Totgeburt erlitten hat. Die Kripo hatte dagegen auf Fotos verwiesen, die die Mutter mit ihrem lebenden Kind im Arm zeige.

Gutachten der Verteidigung
und der Ermittler mit gleichen Ergebnissen

Rechtsanwalt Niemeyer war sich am Mittwoch sicher: "Die Staatsanwaltschaft wird die Ermittlungen gegen meine Mandantin einstellen." Ein entsprechender Antrag samt des Gutachtens wurde der Behörde gestern vorgelegt. Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt hat beides gelesen, will sich jedoch erst am Donnerstag definitiv entscheiden. Fakt ist: Das Gutachten der Verteidigung hat im Kern dieselben Ergebnisse gebracht, wie die, die die Staatsanwaltschaft ihrerseits in Auftrag gegeben hatte.

Der Haftbefehl gegen die Austauschschülerin aus den USA ist gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt (die WZ berichtete). Die 18-Jährige hatte aber die Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. Die Ermittler hatten befürchtet, die junge Frau würde sich in die USA absetzen.

Mit Einstellung der Ermittlungen, würde auch der Haftbefehl aufgehoben. Einer AUsreise der 18-Jährigen in ihre Heimat stünde dann nichts mehr im Wege. Weder die Gastfamilie, noch die Mitschüler und auch nicht die eigenen Familie in den USA wussten von der Schwangerschaft.

Weder die Gastfamilie, noch die Mitschüler und auch nicht die eigenen Familie in den USA wussten von der Schwangerschaft. Das in eine Decke eingewickelte tote Kind lag mehrere Wochen am Ascheweg.

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