Zäune im Naherholungsgebiet sollen die geplanten Maßnahmen zum Naturschutz sichern – als Ausgleich für den Gefängnis-Neubau. Anwohner und Nutzer sehen das kritisch.

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Am Scharpenacken gibt es neuen Ärger, weil Flächen auf Dauer gesperrt werden.

Am Scharpenacken gibt es neuen Ärger, weil Flächen auf Dauer gesperrt werden.

Andreas Fischer

Am Scharpenacken gibt es neuen Ärger, weil Flächen auf Dauer gesperrt werden.

Wuppertal. Die Diskussion um den JVA-Neubau geht in die nächste Runde. Nachdem im Naherholungsgebiet am Scharpenacken bislang 25 der insgesamt gut 300 Hektar großen Fläche auf Dauer eingezäunt und damit abgesperrt wurden, sparen Anwohner und Nutzer nicht mit Kritik. Insgesamt werden 32 Hektar für die Öffentlichkeit gesperrt, während im Süden des Gebietes - an den ehemaligen Bunker-Anlagen, die zum Abriss anstehen, die Zäune entfernt werden. Hintergrund für die Einzäunungen sind - so betonen es die Stadt und der für die JVA zuständige Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes NRW - so genannte Ausgleichsmaßnahmen für den bevorstehenden Eingriff in die Natur.

"Wir haben Baurecht, und wir haben einen straffen Zeitplan", erklärt Hans-Gerd Böhme, Niederlassungsleiter des BLB in Düsseldorf, auf WZ-Nachfrage. Das ändere aber nichts daran, dass der Scharpenacken "auch in Zukunft der Bevölkerung als Naherholungsgebiet zugänglich ist."

Einschränkungen während der Bauzeit bis Ende 2010 wolle man "so gering wie möglich halten". Für Spaziergänger und Reiter lege man Ausweichstrecken an. Die Baustraße auf dem Gelände der alten Standortverwaltung führe man bewusst nicht an Wohnhäusern vorbei. Derzeit ist geplant, diesen Weg ab dem 17.Januar anzulegen - wenn das Wetter mitspielt. "Wir gehen davon aus, dass wir ab der nächsten Woche höhere Temperaturen haben", fügt Böhme hinzu. "Sobald die Baustraße steht, beginnen wir mit der Einrichtung der Baustelle." Das soll im März oder April so weit sein.

Mit Errichtung der Sperrzäune habe man nicht etwa der Baustelle vorgegriffen, sondern Vorbereitungen für umfangreiche und gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen getroffen, sagt Böhme. Laut Stadt handelt es sich um "vorgezogene Maßnahmen des Artenschutzes": Sie sollen Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten schaffen, noch bevor ähnliche Flächen im Zuge des JVA-Neubaus an der Parkstraße wegfallen. Die neuen Zäune sollen Hunde und Spaziergänger auf Dauer aus den zukünftigen Naturschutzflächen fernhalten. "Die bestehenden Wege bleiben aber offen", hieß es dazu gestern vom BLB.

Als Eigentümerin des Naherholungsgebietes führt der BLB derzeit Gespräche mit der Stadt, was die künftige Nutzung und Pflege der Flächen betrifft, wenn die neuen Landeseinrichtungen erst einmal stehen: Das Land möchte die "Regie" über das Gebiet dann möglichst wieder der Stadt überlassen. Zu klären ist dabei auch die Kostenfrage. Aktuell geplant sind Hinweisschilder an den Schutzzonen und Baustellen-Fakten in einem neuen Bürger-Informationsheft.

Der JVA-Neubau selbst bleibt umstritten - wie berichtet, haben Naturschutzverbände Beschwerde bei der EU eingelegt. Und auch viele Nutzer sehen die Eingriffe in ihr Naherholungsgebiet kritisch: "Wo sind die jetzt notwendigen Ausgleichsflächen als Ersatz für den Scharpenacken?", heißt es in einer Zuschrift an die WZ. "Spaziergänger, Kinder mit Drachen, Modellflieger, Mountainbiker und Picknicker" dürften - bei allen neuen Zäunen nicht vergessen werden.

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