Größer als vorher geplant: Anwohner ärgern sich am WZ-Mobil über die Art der Bebauung.

Ronsdorf
Viel los war am Mittwoch beim WZ-Mobil zum Thema Bebauung am Rädchen.

Viel los war am Mittwoch beim WZ-Mobil zum Thema Bebauung am Rädchen.

Andreas Fischer

Viel los war am Mittwoch beim WZ-Mobil zum Thema Bebauung am Rädchen.

Ronsdorf. Die Handwerker lassen sich von dem Auflauf am Rädchen nicht stören. Sie erledigen die Arbeiten an den neuen Ein- und Mehrfamilienhäusern während etwa 30 Anwohner ihrem Ärger beim WZ-Mobil Luft machen. Natur musste grauen Bunkern weichen, ist ein oft geäußerter Vorwurf. „Ich finde die Architektur der Häuser einfach nicht schön“, sagt auch Thorsten Kappe. Sohn Louis (8) vermisst vor allem die Rehe, die er regelmäßig auf der Wiese beobachten konnte. „Das paradoxe ist ja, dass die Bewohner im Grünen wohnen wollen. Dafür wurde dann aber Natur zerstört“, fügt sein Vater an.

„Es muss natürlich damit gerechnet werden, dass gebaut wird. Aber doch nicht so. Die Hälfte der Häuser hätte gereicht, mit nur zwei Etagen, mehr im bergischen Stil und nicht derart dicht“, beschwert sich Birgit Hoffmann. Ihr Mann Martin Hoffmann ergänzt: „Den schönen Altbauvillen dahinter wurde die Sicht verbaut.“ Er befürchtet für seine Nachbarn einen Wertverlust. Tochter Svenja Hoffmann (11) findet etwas anderes bedauerlich: „Die Kühe sind nicht mehr auf der Wiese.“

Anwohner trauern einem Stück Natur hinterher

„Das ist eine große Pleite für die Natur“, sagt Klaus Wiese. Die Häuser seien viel höher geworden, als ursprünglich angekündigt. Statt eines Blicks in die schöne Landschaft gebe es nur „Schießscharten“. „Der Grüngürtel ist für immer zerstört“, sagt Manfred Schmidt. Er hat noch Fotos, auf denen fünf Rehe auf der Wiese standen. Auch Karin Bubritzki trauert der Natur hinterher. Nur noch im Internet, etwa bei Google Street View, könne man sehen, wie schön es mal am Rädchen gewesen sei.

Von der Vermarktung her sei das Rädchen zwar ein Erfolgsmodell, sagt Haimo Bullmann, der auch die Rolle von Politik und Sparkasse bei der Durchsetzung der Planung kritisch hinterfragt hat (die WZ berichtete). Darauf geht auch Martina Enskat ein. „In welches Wespennest hat Herr Bullmann denn da gestochen? Die Reaktionen auf seine Äußerungen sind ja sehr interessant. Wegen einer Vermutung werden Anwälte eingeschaltet, die Parteienvertreter gehen ab wie Raketen, da mag sich jeder seine eigene Meinung bilden.“

Beim Durchsetzen des Projekts sei „irgendwann irgendwo gemauschelt worden“, vermutet Bernd Dinges. Horst Wilke stimmt zu. Er fordert: „Sparkassen-Chef Peter Vaupel soll endlich alle Karten auf den Tisch legen. Ich bin mir sicher, dass die Stadt der Sparkasse einen Gefallen getan hat.“

„Ich wohne seit 37 Jahren hier. Nie wurde die grüne Wiese angetastet. Peter Vaupel soll endlich die Karten auf den Tisch legen. Ich bin mir sicher, dass die Stadt der
Sparkasse einen Gefallen getan hat.“

Horst Wilke

„Es muss damit gerechnet werden, dass gebaut wird. Aber doch nicht so. Die Hälfte der Häuser hätte gereicht, mit nur zwei Etagen, mehr im bergischen Stil und nicht derart dicht aneinander gereiht.“
Birgit Hoffmann

„Das paradoxe ist ja, dass die Bewohner der neuen Häuser im Grünen wohnen wollen, dafür wurde dann aber Natur zerstört. Vor dem Baubeginn konnten wir immer Rehe auf der Wiese beobachten. Jetzt nicht mehr.“
Thorsten Kappe

Auch neue Eigentümer der Wohnungen am Rädchen sind zum WZ-Mobil gekommen. Die vorangegangenen Proteste der Anwohner können sie nachvollziehen. Allerdings, gibt ein Herr zu bedenken, müsse man durchaus mit einer Bebauung rechnen, „wenn es sich nicht gerade um ein Naturschutzgebiet handelt“. Während er und seine Frau „von außerhalb“ zugezogen sind, hat eine der neuen Eigentümerinnen die Proteste von Anfang an mitbekommen. „Ich bin in Ronsdorf aufgewachsen, kenne auch noch die Zeiten, als es hier nur Wiesen gab.“ Die „alten“ Anwohner am Rädchen hätten gerade auch während der Bauphase einiges mitmachen müssen, die Verärgerung könne sie verstehen. „Es ist aber jetzt schön hier geworden und wir fühlen uns wohl.“ Jetzt hoffe man auf eine gute Nachbarschaft.

Harald Auer, dem ein Stück vom angrenzenden Bachtal gehört, befürchtet, dass die Tiefgarage Einfluss auf den Bach unterhalb der Wiese haben könnte. „Es wird sich noch herausstellen, ob da bald noch Wasser fließt.“

Vorwurf: Es hätte viele Alternativen für Baugrundstücke gegeben

Kurt Bergert (86) ist gebürtiger Ronsdorfer und wohnt gerne in der „Gartenstadt Ronsdorf“. „Es stehen so viele Häuser leer. Warum muss man da neu bauen?“

Petra Nußbaum wohnt seit 30 Jahren am Rädchen und fühlt sich mittlerweile ziemlich ohnmächtig. „Wir haben alles ausgenutzt, waren vor Gericht, haben Unterschriften gesammelt.“ Sie ärgert, dass gegen den Bürgerwillen entschieden worden ist. „Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, wegzuziehen.“

Heidi Puth ist eine der Anwohnerinnen, die vergeblich geklagt hatte. Der Straßenverlauf sei durch die Häuser endgültig verfestigt, ärgert sie sich. „Wir wollten unser Eigentum zurück, das bekommen wir nie wieder.“

„Unser Landverbrauch ist viel zu hoch“, klagt Hobby-Landwirtin Sabine Maurer. Noch störe das keinen, aber das werde sich ändern. Für eine Bebauung hätte es auch in Wuppertal andere Flächen gegeben.

„Es wird so oft gesagt, Wuppertal ist eine hässliche Stadt. Dabei gibt es doch so viele schöne Ecken“, sagt Heike Kleffmann. Das Rädchen sei eine davon gewesen. „Aber wenn wir unseren Besuchern zeigen, wie es hier aussieht, kann keiner verstehen, wieso hier gebaut werden durfte.

Ein Remscheider WZ-Mobil-Besucher weist darauf hin, dass auch in Lüttringhausen gegen das Bauprojekt protestiert worden war. „Leider auch ohne Erfolg.“

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