Das Ehepaar Scherff wohnt in „Krings Ecke“ – und mag es, mitten im Cronenberger Zentrum zu leben.

Krings Ecke, Cronenberg, Hauptstraße
In den 1990-er Jahren wurde Krings Ecke aufwändig saniert.

In den 1990-er Jahren wurde Krings Ecke aufwändig saniert.

Urgemütlich ist es bei Angelika und Dieter Scherff im Wohnzimmer – und zentraler als die beiden kann man in Cronenberg kaum wohnen. Fotos (2): Andreas Fischer

Im Ladenlokal im Erdgeschoss ist noch eine alte Ofenplatte erhalten geblieben.

Ansicht von 1957

Sammlung Hartmut Schmahl, Bild 1 von 4

In den 1990-er Jahren wurde Krings Ecke aufwändig saniert.

Cronenberg. An diesem Haus kommt in Cronenberg jeder vorbei – und „Krings Ecke“ dürfte die meist fotografierte im „Dorp“ sein. Dieter und Angelika Scherff genießen die Aussicht, die sonst kaum jemand hat – nämlich aus dem historischen Gebäude raus auf die Kreuzung. „Zentraler geht’s nicht“, sagt Dieter Scherff. Das Fenster auf, und man könne mit den Cronenbergern klönen.

Serie: Leben im Denkmal (18)

„Das hab ich mir immer gewünscht“, sagt der 67-Jährige. „Als jemand, der in Cronenberg aufgewachsen ist, hätte ich aber nie gedacht, dass das Haus einmal zum Verkauf stehen würde.“ Als es dann doch einmal soweit war, griff Scherff zu. Zunächst beherbergte das 1705 gebaute Haus Scherffs Firma, seit 2007 ist es ausschließlich Wohnhaus für das Ehepaar Scherff. „Anfangs habe ich mich schon schwer getan“, räumt Angelika Scherff ein. Arbeiten und Wohnen, da gebe es schon einen Unterschied, sagt die gebürtige Düsseldorferin, die sich erst daran gewöhnen musste, dass die Decken niedrig sind und keine Ecke grade ist. „90 Grad Winkel gibt’s hier nicht“, erklärt ihr Mann. Dafür sei es aber „urgemütlich“, sind sich beide einig.

Das Haus stammt womöglich sogar aus dem 17. Jahrhundert

Der Hausherr interessiert sich sehr für die Historie des Gebäudes. Es gebe sogar Stimmen, die das Haus für noch älter halten und zwar aus dem 17. Jahrhundert. „Das lässt sich aber nicht mehr beweisen, weil alle Unterlagen im Zweiten Weltkrieg verbrannt sind“, erklärt Dieter Scherff. Auch lässt sich nicht mehr nachvollziehen, warum das Haus im Erdgeschoss weniger Grundfläche hat, als in den oberen Etagen. „Das war früher üblich aufgrund des Steuergesetzes, wo die Steuer nur nach der dann kleineren Grundfläche berechnet wurde.“ Das Gesetz sei zur Bauzeit des Hauses aber gar nicht mehr in Kraft gewesen, so Scherff.

Zu den insgesamt gut 175 Quadratmeter Wohnfläche kommen noch gut 75 Quadratmeter im Ladenlokal, in dem eine alte Ofenplatte erhalten geblieben ist.

Sanierung kostete in den 1990er Jahren über eine Million DM

Viel Lob haben die Scherffs für Vorbesitzer Michael Fest übrig. „Ihm ist es zu verdanken, dass das Haus noch steht.“ Etwa eine Million DM kostete die aufwändige Sanierung in den 1990er Jahren. „Er hat das exzellent gemacht.“

Die Bezeichnung Krings Ecke geht auf den SPD-Politiker Richard Kring (1872-1951) zurück, der lange in dem Haus lebte und dort auch ein Schuhgeschäft betrieb, in dem sich die Cronenberger zum Klönen trafen.

Früher hatte die SPD im Haus auch ihr Parteibüro. Dieter Scherff erinnert sich noch schmunzelnd daran, als dort ein Modell ausgestellt war, wie der Burgholz-Tunnel einmal aussehen sollte. „Es kamen so viele Leute, dass ich zwischenzeitlich Angst hatte, dass die Etage einstürzt.“

Vier Etagen gibt es insgesamt. „Bis zu 24 Personen auf einmal haben hier früher gelebt“, weiß Dieter Scherff. Doch das Haus wurde entkernt, statt vieler kleiner Zimmer gibt es jetzt große, aber immer noch gemütliche Räume. Hier und da blitzt im Haus aber auch noch Historisches auf, etwa ein alter Holzbalken, der aus der Wand ragt, oder unter dem Dach der alte Kamin.

Nur eins ist im Laufe der Zeit verloren gegangen: die original „Klöntür“. Die ließ sich teilen, so konnten sich Bewohner schön aufstützen und klönen. Auch „Krings Ecke“ hatte so ein bergisches Original. „Leider musste die Tür einmal renoviert werden, und kein Mensch weiß mehr, wo sie geblieben ist“, sagt Dieter Scherff.

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