Die Stiftung will mit Vorurteilen aufräumen.

uellendahl
Thomas Schütze, Nancy, Virginia und Jennifer Alke beim Tag der offenen Tür im Kinderheim.

Thomas Schütze, Nancy, Virginia und Jennifer Alke beim Tag der offenen Tür im Kinderheim.

A. Fischer

Thomas Schütze, Nancy, Virginia und Jennifer Alke beim Tag der offenen Tür im Kinderheim.

Uellendahl. Es sieht von außen ganz normal aus. Das Haus Nummer 47 am Röttgen. Zwei hohe Büsche säumen das Eingangstor, ein kleiner Weg führt zur Haustür. Diese steht weit offen. Die Wohngruppe Magdalena ist vor zirka einem halben Jahr an den Uellendahl gezogen. Acht Kinder wohnen in dem Haus der katholischen Stiftung Kinderhaus St. Michael. Ihre Eltern können sich nicht mehr um sie kümmern, sechs Betreuer haben diese Aufgabe übernommen. „Unser Motto lautet: Zusammenleben auf Zeit“, sagt der Leiter der Stiftung, Reiner Massow.

Er möchte mit Vorurteilen aufräumen. „Wenn Leute das Wort ,Kinderheim´ hören, dann denken sie sofort an Waisen und an ein trauriges, karges Gebäude.“ Und das ist es definitiv nicht. Geschrei ist im Flur zu hören. Die Kinder sind gerade aus der Schule gekommen. Abreagieren geht nun mal am besten beim Fangen spielen im Treppenhaus. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer. Mädchen und Jungen leben hier. Sie sind alle zwischen sechs und 14 Jahre alt.

Einrichtung hat die Nachbarn eingeladen

Heute ist allerdings etwas anders. Um sie herum stehen viele Erwachsene, die neugierig die Räume erkunden. Die Stiftung hat alle Nachbarn zum Kennenlernen eingeladen. „Klar waren einige, als wir hier hinzogen, etwas skeptisch. Dafür habe ich heute umso mehr positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Massow.

Unter den Besuchern ist auch die alte Hausbesitzerin Annemarie Schmidt. „Das Haus war für zwei Personen viel zu groß. Da haben wir verkauft“, sagt sie. Es fällt ihr schwer, die alten Räume so verändert zu sehen. 20 Jahre hat sie dort gewohnt. „Dafür ist es für ein super Projekt.“

Eine Elfjährige hat ihr alles im Haus gezeigt. Die Kinder sind stolz auf ihr neues Zuhause: „Manchmal finde ich es wirklich toll hier“, sagt die Elfjährige. Natürlich hegt jedes Kind im Innersten den Wunsch, endlich wieder zu seiner Familien zu dürfen. „Das Thema ist bei uns Alltag. Die Aufgabe von uns Betreuern ist es aber auch, den Kindern nichts vorzumachen“, sagt Erzieher Christian Pletz. Oft haben die Eltern psychische Probleme, sind drogensüchtig oder einfach nur überfordert. „Die Kinder stehen aber im regelmäßigen Kontakt mit ihren Eltern“, sagt Massow.

Geregelter Tagesablauf ist wichtig

Die Stiftung Kinderhaus St. Michael hat seine Heime seit 1999 dezentralisiert. Das heißt, es gibt mehrere Wohngruppen in verschiedenen Stadtteilen. So können die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, in dieselbe Schule gehen, die gleichen Freunde treffen und unabhängig von den anderen Mitbewohnern ihren Nachmittag gestalten. Zirka 50 Kinder leben in fünf verschiedenen Häusern.
 

Im Haus 47 am Röttgen finden die Kinder Halt, haben einen geregelten Tagesablauf mit gemeinsamen Esszeiten und Aufgaben im Haushalt. Regeln und Tagespläne hängen in der Küche. „Die haben wir zusammen aufgestellt“, sagt ein Neunjähriger. „Wer sich nicht dran hält, muss ins Zimmer“, erklärt er. Eigentlich läuft es im Kinderheim genauso wie in den meisten Familien in Wuppertal ab. Es gibt mal Streit und mal halten alle zusammen, es wird abends gemeinsam auf der Couch Fernsehen geguckt oder es werden Brettspiele gespielt, die Jüngeren müssen früher ins Bett als die Älteren und jeder hat sein eigenes Zubettgeh-Ritual. Aber jedes Kind hat immer die Hoffnung, dass irgendwann die eigene Mutter die Gutenacht-Geschichte vorlesen kann.

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