Anwohner machten im Rahmen des autofreien Tags auf Eltern-Taxis aufmerksam.

Christine Beck verteilte kleine Hubschrauber an die Eltern. Eine Anlehnung an sogenannte Helikopter-Eltern.
Christine Beck verteilte kleine Hubschrauber an die Eltern. Eine Anlehnung an sogenannte Helikopter-Eltern.

Christine Beck verteilte kleine Hubschrauber an die Eltern. Eine Anlehnung an sogenannte Helikopter-Eltern.

Stefan Fries

Christine Beck verteilte kleine Hubschrauber an die Eltern. Eine Anlehnung an sogenannte Helikopter-Eltern.

Ölberg. „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ prangte es auf einem riesigen Spruchband vor dem St.-Anna-Gymnasium auf dem Ölberg. Aufgebrachte Anwohner, hier Hannes Mayer, Udo Sträßer und Martin Kurandt, hielten es und wollten damit die zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr anrollenden „Eltern-Taxis“ auf ihre Situation aufmerksam machen und darauf hinweisen, dass es für ihre Sprösslinge möglicherweise besser wäre, den Weg zur Schule zu Fuß zurückzulegen.

Die dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zugeschriebene Weisheit steht über der Aktion, die sie ins Leben gerufen haben, weil der alltägliche morgendliche Lärm, die Auspuffgase und die sich durch die engen Straßen quälenden Staus für die Anwohner von Marien-, Dorotheen-, Charlotten- und Hedwigstraße kaum noch zu ertragen sind.

„98 Autos habe ich am Mittwoch in der halben Stunde vor acht Uhr gezählt“, so Uwe Peter, der – wie auch seine Mitstreiter – am eigentlich „internationalen autofreien Tag“ sah, wie die Eltern ihre Kinder möglichst bis vor das Schultor brachten, dort anhielten und mit Sorge sahen, wie die Schüler dann achtlos über die Straße rannten. Ohne dabei auf die folgenden „Helikopter-Eltern“ zu achten, die ihrerseits mitten auf der Straße abbremsten, um ihr Kind heraus zu lassen. „Im Grunde gefährden die Eltern auf diese Weise ihre Kinder sogar“, so Thomas Weyland, der zusammen mit den Anwohnern fordert, dass ab dem Otto-Böhne-Platz nur noch Tempo 20 zugelassen und kontrolliert werden solle.

Und die Reaktionen der Mamas und Papas? „Das ist aber ganz süß“, so eine Mutter, als ihr ein Spielzeug-Hubschrauber als Anspielung auf die „Helikopter-Eltern“ überreicht wurde. Das vorbereitete Flugblatt? „Das nehme ich mal zur Kenntnis“, lautete noch der verständnisvollste Kommentar. „Viele haben es einfach zusammen geknüllt und nach hinten geworden“, berichtete Christine Beck und erzählte von einer Mutter, die sich „über diese Unverschämtheit“ beim Direktor des St-Anna-Gymnasiums beschweren wolle. Sie habe beim Anhalten niemanden behindert oder gefährdet. Eine Ansicht, die nahezu alle Autofahrer vor dem Gymnasium für sich in Anspruch nahmen. „Mein Sohn hat keine Lust, den einen Kilometer zur Schule zu gehen, deshalb fahre ich ihn jeden Morgen“, gab eine Mutter zu.

Die Schule war nicht in die Aktion eingebunden

Ein Mangel bei der Aktion am autofreien Tag war die Tatsache, dass die Schule nicht mit eingebunden wurde. „Bei der letzten Direktoren-Konferenz habe ich unsere Ansicht zu den Eltern-Taxis zum Ausdruck gebracht. Aber da war leider niemand vom St-Anna-Gymnasium dabei“, erklärte Mitinitiator Tobias M. Freitag. Was dann auch erklärt, das von den angesprochenen Schülern niemand von der „Helikopter-Initiative“ wusste und der junge Daniel meinte: „An die Anwohner habe ich überhaupt nicht gedacht.“

Dass sich etwas ändert, daran glaubt von den Bewohnern der am meisten frequentierten Straßen kaum jemand. „Wir müssen versuchen, über die Kinder das Bewusstsein für Fußwege, Busse und Bahnen zu wecken“, war die allgemeine Ansicht, und Tischlermeister Martin Kurandt meinte: „Ich werde wohl auch in Zukunft vor acht Uhr keine Termine wahrnehmen können, weil ich einfach nicht aus der Garage heraus komme.“

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