Für die Hobbyschwimmer bleiben im Hallenbad am Röttgen nur wenige Stunden in der Woche. Die Stadt hat zu wenig Personal.

uellendahl
Viel los war beim WZ-Mobil vor dem Hallenbad Röttgen.

Viel los war beim WZ-Mobil vor dem Hallenbad Röttgen.

Andreas Fischer

Viel los war beim WZ-Mobil vor dem Hallenbad Röttgen.

Uellendahl. Die Bäder-Situation in Wuppertal ist prekär. Weil die Stadt sparen muss, wurden mehrere Bäder geschlossen – und teilweise von privaten Vereinen wieder eröffnet. Da sollte es eine gute Nachricht sein, dass das Hallenbad am Röttgen nach der Sanierung wieder geöffnet ist. Zumal das Bad mit 2,3 Millionen Euro aus dem Konjunktur-Paket II komplett erneuert und behindertengerecht umgebaut wurde. Doch weil die Stadt auch beim Personal sparen muss, ist das Hallenbad nur montags bis freitags von 6.45 bis 9 Uhr, sowie freitags von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Zu kurz, sagen die Besucher am WZ-Mobil.

Bei genauerer Betrachtung sind die Schwimmzeiten noch kürzer

„Warum konnten die Zeiten nicht so bleiben, wie sie waren?“, fragt Gisela Pils. „Wir sind früher immer um 11 Uhr schwimmen gegangen, jetzt ist um 8 Uhr Kassenschluss“. Dass die ohnehin schon stark eingeschränkten Öffnungszeiten bei genauerem Hinsehen noch kürzer sind, ist auch Walter Bruse aufgefallen: „Rein kommt man nur bis 8 Uhr. Aber das spielt keine Rolle, denn um halb 9 Uhr pfeift der Bademeister. Dann müssen alle aus dem Wasser, damit sie pünktlich das Gebäude verlassen.“ Ein zusätzliches Problem: Die neuen Schwimmzeiten kollidieren mit den Fahrtickets vieler Schwimmer. „Ich besitze ein Ticket 2000, das erst ab 9 Uhr gültig ist. Dieses Ticket ist deutlich günstiger, und bisher bin ich damit gut ausgekommen“, erklärt Kirsten Werth. Um ab und zu ins Schwimmbad zu können, will sie kein teureres Ticket kaufen. „Der Weg ist für die kurze zeit auch einfach zu lang“, sagt Edith Brand, die vom Dönberg zum Röttgen kommt.

Fazit: Ein schönes Bad, aber zu selten für die Öffentlichkeit nutzbar

Bei den knappen Zeiten am Freitag sehen viele Besucher die Gefahr, dass das Bad zu voll wird. „Viele Leute wenden sich an uns und beschweren sich über die Öffnungszeiten“, sagt auch Karl-Eberhard Wilhelm, Vorsitzender des Bürgervereins und des Bürgerforums Uellendahl. Gerade die ältere Generation sei betroffen. „Dabei hat die Uellendahl mit aufgebaut.“

Ellen Grob fügt an: „Auch die Kinder, die nicht Mitglied in einem Verein sind, wollen schwimmen gehen, Nicht alle Eltern haben ein Auto.“

Im Hinblick auf die vielen Kurse sagt Bärbel Hempel: „Ich finde das unverschämt, das soll doch ein Stadtbad sein und kein Reha-Bad.“

„Jetzt hat man uns auch noch das Schwimmbad Röttgen
genommen. Man hat ein ein Leben lang gearbeitet und ist früh aufgestanden. Das sehe ich jetzt aber nicht mehr ein.“
Helga Schlapa

„Ich bin ein fleißiger Schwimmer, bin seit Jahren hier
jeden Tag. Bei den knappen Öffnungszeiten befürchte ich jetzt , dass das Bad öfter zu voll sein wird, um noch Bahnen zu ziehen.“
Karl-Heinz Riewe

„Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt. Ich schwimme seit 1972 hier. Man merkt, dass seit den neuen Öffnungszeiten einige Besucher fehlen, weil sie zu den Zeiten nicht können.“
Margret Pauly

 72 Vollzeitkräfte arbeiten in den städtischen Bädern, darunter 31 Fachkräfte sprich Schwimmmeister. „Das ist aber schon die Minimalbesetzung“, betont Bernd Bever, städtischer Ressortleiter Bäder. Von den vier Schwimmmeistern am Röttgen, die auch die Kurse betreuen, sei nur einer in Vollzeit angestellt.
Bever signalisiert, dass man sich noch einmal Gedanken über die Öffnungszeiten machen will. Unter Umständen könnte in Zukunft donnerstag-abends anstatt bisher freitags geöffnet werden.

"Nun haben wir über Jahrzente treuen Privatschwimmer mit Unverständnis die immer wieder verschobene Öffnung des Bades hingenommen. Dann wurden unsere Erwartungen durch die Nachricht verstärkt, dass die Bezirksregierung die Mittel freigegeben habe, das  Aufsichtspersonal zu verstärken.

Das Ergebnis: Röttgen wird ein Schul- und Rehakursbad! Da sind also Millionen ausgegeben worden, und die eigentliche Zielgruppe, die Öffentlichkeit, vor allem die ältere, wird bis auf nur zwei Nutzungsstunden pro Tag ausgeschlossen. Schliesslich sind das die Steuerzahler!"

Hans Jürgen Schürhoff

 

"Wunderbar! Das Schwimbad ist wieder geöffnet.
Aber was denken sich de Verantwortlichen bei den Öffnungszeiten ?
Ständig wird geklagt,daß sich die Kinder zu wenig bewegen.
Das Bad liegt im Einzugsbreich wo viele Familien mit Kinder wohnen,die
nicht alle in einem Verein sind oder sein können. Auch die älteren Menschen bewegen sich gern im Wasser, zu jeder Zeit. Mit den angegebenen Öffnungszeiten ist das Bad aus meiner Sicht kaum rentabel und nur zum "Tod" verurteil. Wozu also diese Renovierung!"
Heidemarie Pfützner

"ich finde es ist eine Unverschämtheit, ein Stadtteilbad, von denen sowieso nicht mehr viele existieren, für 2,3 Millionen Euro zu sanieren, um es anschließend für die Öffentlichkeit kaum zugänglich zu machen. Die Öffnungszeiten sind ein Schlag ins Gesicht für die Bürger.
Das Bad wurde durch den Einbau eines Aufzugs ja sogar behindertengerecht gemacht. Für wen? Sollen die Schüler es etwas bequemer haben, ins Wasser zu kommen?
Dass sich die Vereine und Schulen über die Öffnung des Bades freuen, kann ich gut verstehen, aber man sollte auch an den "normalen" Badegast denken, der nicht zu den Frühschwimmern zählt."

Rolf Voss

 

Lob gab es dagegen für die Sanierung. „Das Bad ist sehr schön geworden: tolle Duschen und schöne Farben“, lobt Dagmar Lamster. Außerdem sei es am Röttgen viel familiärer als zum Beispiel in der Schwimmoper, sagt Robert Herbst. Auch Andreas Behrmann und Olena Klymenko, die ihre Kinder zum Vereinsschwimmen bringen, sind froh, wieder am Röttgen zu sein. „Wir können den Ärger der Normalschwimmer über die Öffnungszeiten aber verstehen“, sagen die beiden.

Waldemar Henning ist bei der Eröffnung 1974 dabei gewesen und hat seitdem regelmäßig das Stadtbad besucht: „Wir alle wünschen uns, dass die Öffnungszeiten geändert werden.“ Die Stadt verweist allerdings darauf, dass angesichts der angespannten Personallage nicht öfter geöffnet werden könne (siehe Kasten).

Antonio Liuni, Betreiber des in der Nachbarschaft des Bades ansässigen Zeitschriften-Ladens, sieht die Diskussion um das Hallenbad auch im Gesamtzusammenhang zum Quartier. Viele kleine Lädchen hätten bereits zumachen müssen. „In der Zeit der Sanierung gab es weitere Einnahmenverluste“, so Liuni. Wenn das Bad seltener öffne, gebe es auch weniger Laufkundschaft. „Früher war hier am Röttgen einfach mehr los“, sagt auch Anwohner Jürgen Markolf.

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