Auf dem Hof von Karl-Heinz Reuther wurde Seuchen-Alarm gegeben – probeweise.

Alles wird gut: Unter Vollschutz übten am Samstag die Bergischen Veterinärämter am Dönberg den Ernstfall.
Alles wird gut: Unter Vollschutz übten am Samstag die Bergischen Veterinärämter am Dönberg den Ernstfall.

Alles wird gut: Unter Vollschutz übten am Samstag die Bergischen Veterinärämter am Dönberg den Ernstfall.

Andreas Fischer

Alles wird gut: Unter Vollschutz übten am Samstag die Bergischen Veterinärämter am Dönberg den Ernstfall.

Dönberg. Rinderwahn, Schweinepest, Vogelgrippe - Tierseuchen sind längst allgegenwärtig. Einzig positiver Nebeneffekt: Auch die Menschen, die für den Schutz vor solchen Seuchen zuständig sind, haben ihre Arbeit intensiviert. Das demonstrierten die Bergischen Veterinärämter am Wochenende in Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Polizei und dem Technischen Hilfswerk (THW).

"Der wirtschaftliche Schaden würde im dreistelligen Millionenbereich liegen."

Günter Brengelmann, Amtstierarzt

Das Szenario: Am Freitag entdeckt Bauer Karl-Heinz Reuther Bläschenbildung auf der Zunge einiger seiner Bullen. Auf dem Hof im beschaulichen Dönberg ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Bereits am Samstagmorgen hat die Feuerwehr das Gebiet um den Hof weiträumig abgesperrt. Zuvor hat das zuständige Veterinäramt Sicherheitszonen festgelegt und die furchtbare Anweisung gegeben: Alle Tiere im Umkreis von drei Kilometern müssen sofort getötet werden. Dabei darf kein Blut fließen, denn sonst könnten die Erreger weiter verbreitet werden.

Dann schreiten die Helfer zur Tat: Obwohl die Maul- und Klauenseuche für Menschen nicht gefährlich ist, tragen sie futuristisch anmutende Schutzanzüge. Damit ausgestattet, treiben sie einen Bullen nach dem anderen durch enge Gatter auf einen Hänger. Dort wird der Elektroschocker eingesetzt - ein schneller, unblutiger Tod. So ergeht es jedem einzelnen der 150 Mastbullen von Bauer Reuther. "In der Regel sind innerhalb von 24 Stunden alle betroffenen Tiere tot", sagt Günter Brengelmann vom Wuppertaler Veterinäramt.

Damit ist die Arbeit der etwa 100 Helfer aber noch lange nicht getan: Nach der Entnahme von Blutproben kommt das THW zum Einsatz. Jeder Helfer muss sich bis auf die Unterhose ausziehen und wird in einer speziellen Anlage dekontaminiert. Auch der eingesetzte Hänger muss durch eine Fahrzeug-Dekontaminations-Anlage.

Brengelmann wird der Vorgang noch länger beschäftigen. Die Blutproben werden mit Umweg über das Bundesministerium nach Brüssel zur Europäischen Union verschickt. Dort wird über das weitere Vorgehen entschieden. Brengelmann: "Die haben jeden Bullen in Europa in ihrer Datenbank. So kann man jedes Stück Fleisch im Supermarkt bis auf den Geburtsort des Tieres zurückverfolgen."

Die Maul- und Klauenseuche kann in Einzelfällen zwar auf den Menschen übertragen werden, selbst dann treten aber meistens keine Krankheitssymptome auf.

Eine Ansteckung durch Fleischverzehr ist nicht möglich, weil der Erreger von der menschlichen Magensäure komplett zerstört wird.

Die gute Nachricht: In Wirklichkeit erfreuen sich natürlich alle Bullen auch heute noch bester Gesundheit, denn die Tötung der Tiere wurde bei der Übung nur simuliert. Brengelmann rechnet vor: "Der wirtschaftliche Schaden einer solchen Seuche würde im dreistelligen Millionenbereich liegen."

Laut Bauer Reuther hielt sich der Stress für die Tiere während der Übung in Grenzen. Das Pferd der Tochter von Bauer Reuther hätte übrigens auch im Ernstfall überlebt - wie für Menschen ist die Maul- und Klauenseuche für Pferde ungefährlich.

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