Bürger suchen nach Lösungen fürs Alter.

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"Wenn du heute auf meine Kinder aufpasst, erledige ich morgen den Einkauf für dich" - so könnte die Nachbarschaftshilfe aussehen.

"Wenn du heute auf meine Kinder aufpasst, erledige ich morgen den Einkauf für dich" - so könnte die Nachbarschaftshilfe aussehen.

dpa

"Wenn du heute auf meine Kinder aufpasst, erledige ich morgen den Einkauf für dich" - so könnte die Nachbarschaftshilfe aussehen.

Uellendahl. Nein, Falten bekommt er keine - aber dennoch hinterlässt die Zeit Spuren im Stadtbezirk Uellendahl-Katernberg. Der Stadtteil altert: 34 Prozent seiner Bewohner im Bezirk sind mehr als 60 Jahre alt. Zum Vergleich: Stadtweit liegt der Durchschnitt bei 26,5Prozent. Wenn jeder Dritte zur Generation 60 plus gehört, sollte eine Frage auf der höchsten Dringlichkeitsstufe der politischen Agenda stehen: Wie bleiben die Bewohner "aktiv im Alter", um in Zukunft ein zufriedenes, gesundes und selbstbestimmtes Leben zu führen?

Das städtische Ressort für Soziales unter Federführung von Marianne Krautmacher hat dafür ein lokales Bürgerforum ins Leben gerufen. Am Samstag präsentierten die Arbeitsgruppen im Gemeindezentrum am Röttgen die bisherigen Ergebnisse.

"Es droht die Altersvereinsamung."

Arno von der Beeck, Teilnehmer des Bürgerforums.

Die rund 40 Teilnehmer, die in der Mehrheit nach eigenem Bekunden "eingefleischte Uellendahler" sind, kennen die Probleme im Stadtbezirk. Ihre wichtigsten Vorschläge sind die Einrichtung einer Anlaufstelle für Hilfen im Alltag und eines Bürgertreffs.

"Wenn du heute auf meine Kinder aufpasst, erledige ich morgen den Einkauf für dich" - das könnte nach Meinung von Arno von der Beeck ein Angebot der Nachbarschaftshilfe sein. Wenn er selbst auch auf dem Dönberg wohnt, hat ihn der Modellcharakter des Bürgerforums zur Teilnahme motiviert.

Bezirksaltenrat soll den Senioren
mehr politisches Gewicht geben

Die Arbeitsgruppe, welcher er angehört, will den Tauschgedanken in einem Netzwerk in den Vordergrund rücken. Von Unterstützung bei Behördengängen, im Haushalt oder Garten bis hin zum Fahrservice sei alles denkbar. Aber auch ein Anruf oder Besuch bei der älteren Nachbarin nebenan gehört, so von der Beeck, dazu. Schließlich handelt es sich bei der Hälfte der Haushalte im Stadtbezirk um Singelehaushalte - in acht Prozent von ihnen leben Personen im Alter von über 80 Jahren. "Es droht die Altersvereinsamung", sagt von der Beeck.

70 Teilnehmer mit 113 Ideen in fünf Themenfeldern trafen sich im vergangenen Jahr zum ersten lokalen Bürgerforum Uellendahl unter dem Titel "Wie wollen wir in Zukunft leben?" Von diesem Zeitpunkt an arbeiteten 20 Interessierte in drei Arbeitsgruppen. Dabei kamen rund 400 Arbeitsstunden zusammen.

Das lokale Bürgerforum soll die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung an Prozessen der Alten- und Sozialplanung bieten. Dabei handelt es sich um Projekte, die in Eigeninitiative durchgeführt werden sollen, um die Wohn- und Lebenssituation im Stadtteil zu verbessern.

Das Bürgerforum lädt Interessierte für den 6. März, 15 Uhr, zum Arbeitstreffen ins Gemeindezentrum, Röttgen 102, ein. Die Teilnehmer suchen weitere ehrenamtliche Mitstreiter und Sponsoren.

Ältere Menschen sollen auch verstärkt politisch Gehör finden - das meinen Volker Rösener und Karl-Eberhard Wilhelm. Daher sind sie für die Wahl eines Bezirksaltenrates, welcher mit anderen Institutionen wie etwa der Bezirksvertretung (BV) zusammenarbeiten, aber parteipolitisch unabhängig sein soll.

Ein Bürgertreff - vermutlich im Schwesternheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Domagkweg - soll zudem die Identifikation im Stadtteil stärken. Von Vorträgen über die Geschichte Uellendahls über Spielenachmittage und Erzählcafés bis hin zu Ausflügen und Festen reicht die Vorstellung der Beteiligten. "Das Angebot von Bildung, Kultur und Sport soll aufrecht erhalten und ausgebaut werden", sagt Wolfgang Nicke, der selbst seit mehr als 50 Jahren am Uellendahl wohnt.

Eines wissen die Partner genau: Ohne enge Zusammenarbeit wird es in Zukunft schwierig - vor allem wenn die Infrastruktur für alte Menschen in der armen Stadt Wuppertal noch weiter eingeschränkt wird.

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