Stadtführer Frank Khan erklärte die baulichen Schätze. In das Staunen über die Architektur mischten sich auch kritische Töne.

Stuckverzierte Fassaden faszinierten die Teilnehmer des Rundgangs.
Stuckverzierte Fassaden faszinierten die Teilnehmer des Rundgangs.

Stuckverzierte Fassaden faszinierten die Teilnehmer des Rundgangs.

Stefen Fries

Stuckverzierte Fassaden faszinierten die Teilnehmer des Rundgangs.

Brill. Die rund 25 Teilnehmer an der rund dreistündigen Wanderung am Silvestertag kommen aus Ronsdorf, Vohwinkel, Elberfeld und direkt aus dem Viertel. Darunter auch einige Wiederholungstäter: „Wir haben die Führung schon einmal mitgemacht“, sagt ein Ehepaar, „aber nicht alles behalten.“ Andere sind auf den Spuren ihrer Kindheit unterwegs oder einfach neugierig darauf, ihre Stadt neu zu entdecken.

„Seinen Namen hat das Briller Viertel vom Briller Bach“, erklärt Frank Khan. Dieser ist allerdings längst kanalisiert und nicht mehr zu sehen. „Alle paar Jahre macht er sich bemerkbar, indem er einige Keller unter Wasser setzt.“

Der Rundgang führt die Truppe von der Roonstraße über Viktoriastraße und Sadowastraße zur Briller Höhe und über Am Buschhäuschen und Bismarckstraße wieder zurück. Überall gibt es etwas zu entdecken.

„Fabrikanten, Bankiers, Unternehmer und Militärangehörige bauten hier ab 1860 in den unterschiedlichsten Architekturstilen“, erklärt Frank Khan. Kunstvolle Jugendstiltüren, stuckverzierte Fassaden, turmartige Erker und liebevoll gepflegte Gärten lassen die Teilnehmer von opulenten Eingangshallen, edlen Treppenhäusern und Innenhöfen mit Springbrunnen träumen. Wehmütige Seufzer mischen sich in das Staunen.

„Schade, dass nicht das ganze Viertel unter Denkmalschutz gestellt wird“, ist die einhellige Meinung der Teilnehmer. Einer der Wanderer weiß: „Die Forderung gibt es schon viele Jahre, aber es passiert einfach nichts.“ Frank Khan bestätigt: „Früher gab es überall große Gärten und kleine Parks. Mit der Zeit wurde die Unterhaltung der Grundstücke und der Häuser für die Eigentümer wohl zu teuer. Die Grundstücke wurden geteilt und die Lücken neu bebaut.“

Eines dieser Beispiele ist auf der Briller Höhe zu begutachten. „Die ehemaligen Villen mit den Hausnummern 6 und 8 wurden bei Nacht und Nebel abgerissen und an deren Stelle steht heute die Parkresidenz“, so Khan. Ein terrassenartiger Bau, der den Bewohnern zwar einen wunderbaren Blick über das Tal der Wupper bietet, aber baulich nicht zum Rest des Viertels passt. Inzwischen gibt es weitere Pläne für moderne Bauten zwischen den Villen.

„Neubauten müssen zwar mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden“, wirft eine Teilnehmerin ein, „aber die lässt den Bauherren und Investoren einen recht großen Spielraum. Das gefällt nicht allen Bewohnern des Viertels.“

„Die Parks verschwinden nach und nach“, bedauert ein anderer Bürger, „das zerstört den Charakter des ganzen Viertels.“

Frank Khan erinnert sich, dass „es in Barmen einst ein ähnliches Villenviertel gab. Es fiel im Krieg den Bomben zum Opfer. Die Barmer bedauern das bis heute.“

Das Briller Viertel – mit etwa 250 denkmalgeschützten Villen auf 1,2 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Villenviertel Deutschlands – hat bei diesem Rundgang längst nicht alle seine Geheimnisse offenbart.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer