Die Taufe einer Treppe sorgt in Elberfeld mitunter für elektronische Verwirrung – ein Fall für die Politik.

dpa

Ostersbaum. Wirrwarr bringt es an den Tag. Die Wuppertaler Baustellen führen Autofahrer, die von der A 46 über die Saarstraße nach Elberfeld wollen, über Umleitungen zum Ziel. Wer glaubt, ein Navi könne das Problem schneller meistern, landet im Quartier Ostersbaum leicht mal in einer Sackgasse. Die Feststellung machen jedenfalls Ortsunkundige an der Straße Steinenfeld. Brisant wird die navigatorische Fehlleistung offenbar durch eine Treppen-Taufe.

Bereits im März 2008 hatte die Bezirksvertretung (BV) Elberfeld der Stiege zwischen Untersteinenfeld und Ewaldstraße den Namen Joseph-Norden-Treppe verliehen. Sie ehrte damit den 1870 geborenen Rabbiner der Elberfelder Synagoge, der 1943 im KZ Theresienstadt ums Leben kam.

Dass die Treppe nun mal lediglich eine fußläufige Verbindung zwischen unterem und oberem Teil der Straße Steinenfeld herstellt, ist Ortskundigen hinlänglich bekannt und hat etwa auch bei Rettungskräften niemals zur Verwirrung geführt.

Navigationsgeräte freilich sind mit der Aufgabe überfordert, seitdem die Treppe einen Namen trägt. Ergebnis ist, dass Autofahrer, die sklavisch den Anweisungen folgen, geradewegs zu den Stufen gelangen.

Bezirksbürgermeister Hans Jürgen Vitenius (SPD) wundert sich nicht über solche Pannen. Die Technik melde etwa auch, aus dem Burgholztunnel abzubiegen, um zur Kaisereiche zu gelangen. Da müsse der Autofahrer gelegentlich auch mal zusätzlich zum Navi seinen Verstand einschalten.

Am 5. März 2008 hat die Bezirksvertretung einstimmig beschlossen, die Treppe zwischen der Straße Untersteinenfeld und der Ewaldstraße nach Dr. Joseph Norden (1870 bis 1943) zu benennen. Der Elberfelder Rabbiner starb im KZ Theresienstadt.

Die Stadtverwaltung sieht das anders und legte der BV einen Plan vor, nach dem der untere Teil Steinenfeld einen neuen Namen erhalten soll. Ein alternativer Vorschlag besteht darin, den Platz an der Stuttbergstraße im unteren Bereich von Steinenfeld zu benennen, um damit eine Orientierungsmarke zu setzen.

Die BV sah dafür keinen akuten Handlungsbedarf und bat zunächst um Prüfung, ob denn Anwohner mit einer Umbenennung einverstanden seien. Immerhin müssten sie Briefbögen, Visitenkarten und andere Adresshinweise auf ihre Kosten korrigieren.

Lediglich die Elberfelder Grünen enthielten sich der Abstimmung. Sie nämlich sehen in der Benennung des Platzes die Möglichkeit, eine verdiente Frau zu ehren, eventuell eine Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus oder eine bekannte Schauspielerin.

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