Beate Haßler erklärt bei einem abendlichen Spaziergang die Geschichte von Deutschlands erstem Volksgarten.

Stadtführung
Stadtführerin Beate Haßler geleitete am Wochenende als Nachtwächterin erstmals Interessierte über die Hardt.

Stadtführerin Beate Haßler geleitete am Wochenende als Nachtwächterin erstmals Interessierte über die Hardt.

Andreas Fischer

Stadtführerin Beate Haßler geleitete am Wochenende als Nachtwächterin erstmals Interessierte über die Hardt.

Elberfeld. „Leute, lasst euch sagen, die Uhr hat acht geschlagen. Habt acht auf Feuer und auf Licht, dass unser Stadt kein Leid geschieht.“ So altertümlich erscholl es am vergangenen Samstagabend am Bismarckturm auf der Hardt.

„Die Hardt ist einer der ältesten Volksgärten Deutschlands“, erzählt Stadtführerin Beate Haßler von der Wuppertal Touristik. Knapp zwei Stunden lang ging es bei trockenem, kalten Wetter von der ‘neuen’ Hardt am Bismarckturm über die Reichsallee hinunter in die ‘alte’ Hardt mit ihren einmaligen Ausblicken über Wuppertal.

1807 riet der Arzt Dr. Diemel dem Rat der Stadt Elberfeld, hier eine Erholungsanlage für die Arbeiter zu errichten“, so Haßler. Kurz darauf wird deutlich, was sie meint: Von einer Aussichtsterrasse blickt man direkt auf den Ostersbaum, eines der ehemaligen Arbeiterquartiere der Stadt. Ab 1880 übernahm Heinrich Siesmayer, der auch den Zoo konzipiert hat, die Planung der Hardtanlagen und gestaltete sie bis zum Elisenturm. Im zweiten Weltkrieg wurde die Hardt dann weitestgehend zerstört. Erst 1954 kam es im Rahmen des Stadtjubliäums zur Wiedereröffnung.

„Es sollte möglichst viele Stellen geben, an denen man sich über die Stadt erhebt“, erklärt die Stadtführerin und deutet auf das sich am anderen Ende des Tals erstreckende Briller Viertel.

Am Westende der Stadt, über der Nordstadt, färbt sich der Himmel rosarot, es herrscht zur Führung passende Abendstimmung. Im Tal fährt die Schwebebahn vorbei - ihr Quietschen ist noch auf der Hardt zu hören. „Manche sagen, die Wuppertaler hätten ihre Straßenbahn zum Trocknen aufgehängt“, so Haßler. Im Café Elise bekommt die Gruppe ihre Nachtwächtersuppe des Abends – stärkend und vegetarisch mit Ausblick auf die Hardtanlagen.

„Um 1900 garantierte die Stadt Elberfeld jedem Arbeiter zwei Quadratmeter Wohnfläche. Das Tal war sehr eng und die Menschen brauchten eine Möglichkeit zur Erholung.“

Zum Abschluss geht es auf den Elisenturm hinauf. Während Haßler noch einmal die verschiedenen Stadtteile und wichtigen Gebäude aufzeigt, erstreckt sich zu Füßen der Gruppe die Stadt in abendlicher Pracht - eine ganz andere Sicht auf die Stadt, so wie sie nur von Wuppertals grünem Herzen aus gesehen werden kann.

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