Bei der Aktion „Utopia findet Stadt“ zeigten die Aktivisten mit einigen Ständen auf dem verkannten Platz, was alles möglich ist.

Bei der Aktion „Utopia findet Stadt“ zeigten die Aktivisten mit einigen Ständen auf dem verkannten Platz, was alles möglich ist.
Die Foodsharer Daniela Aaleth, Felix Buchborn, Nico Holm und Christine Riesner kochten am Samstag nicht nur ihr eigenes Süppchen.

Die Foodsharer Daniela Aaleth, Felix Buchborn, Nico Holm und Christine Riesner kochten am Samstag nicht nur ihr eigenes Süppchen.

Stefan Fries

Die Foodsharer Daniela Aaleth, Felix Buchborn, Nico Holm und Christine Riesner kochten am Samstag nicht nur ihr eigenes Süppchen.

Karlsplatz. Der Karlsplatz mag für viele nur eine Station auf dem Weg in die Elberfelder Nordstadt sein. Der Karlsplatz hat Potential, sagen dagegen die Leute von Utopiastadt. Bei ihrer Aktion „Utopia findet Stadt“ zeigte sich, was hier alles möglich ist. Am vergangenen Samstag bauten die Utopisten auf dem bisher verkannten Platz ihre Stände auf und suchten das Gespräch mit den Passanten.

Beim Radverleih-Stand konnte man sich das Lastenfahrrad „Fienchen“ ausleihen und damit eine Runde drehen. Wer sich fürs „urbane Gärtnern“ interessierte, konnte sich am „Pflanztisch“ – einem mit Erde und Blumen-Samen gefüllten Holzkasten – selber einen Topf zum Mitnehmen füllen. Für lau bot das „Food Sharing“-Team leckere Suppen an. Das passte auch zum unbeständigen Wetter.

Jeder, der an den Ständen stehenblieb, konnte Vorschläge zur Weiterentwicklung von Karlsplatz und Umgebung machen. „Man muss so einen Platz viel mehr nutzen“, sagte Utopist Christian Hampe. Schließlich brauche es solche Orte, um sich in einem Viertel auszutauschen. Zukunftsideen konnten Besucher auf eine mannshohe Stadtteilkarte schreiben. Auf der Skizze las man unter anderem „Tische und Bänke“ und „Wochen-Floh-Kunst-Markt“. „Flaniermeile“ hatte jemand in Großbuchstaben neben die „Nord-Süd-Achse“ geschrieben – also die Straße, die sich am Platz vorbei bis hinauf zur Kreuzkirche zieht.

„Ich bin für solche Aktionen immer zu haben“, sagte Besucherin Gustina Pohlmann. Überhaupt sah sie das Engagement von Utopiastadt positiv. „Wir vertrauen auf diese Entwicklung. Mal schauen, was passiert.“ Die Utopisten dachten die gesammelten Ideen weiter. „Gastronomie ist wichtig“, fand David J. Becher. Ihm fiel als positives Beispiel für Quartiersentwicklung der Barmer Rathausplatz ein. Allein die Leute, die dort vor Café und Eisdiele sitzen, hätten viel Leben hineingebracht.

Neben Becher war auch Leah Blank gut darin, mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Die Kulturpädagogik-Studentin hatte zusammen mit Niklas Brandau vom Utopiastadt- Verein den Aktionstag organisiert. „Das ist das Abschlussprojekt meines Praxissemesters“, erklärte sie.

„Food Sharer“ möchten in Barmen einen Kühlschrank aufstellen

Wer beim „Utopiastadtgarten“ mitmachen möchte, kann zum Teamtreffen gehen, das es jeden Mittwoch um 19 Uhr im Café Hutmacher gibt.

Während Blank das Motto „Utopia findet Stadt“ mit Klebebändern auf einer Lastwagenplane anbrachte, bastelte Brandau mit jungen und alten Besuchern bunte Wegweiser. Sie zeigten interessante Orte in der Nähe des Karlsplatzes an und hingen – zumindest an diesem Samstag – an den Laternenpfählen gegenüber der Bushaltestelle. Der vierjährige Emil malte mit Unterstützung seiner Mutter „Schöner Spielplatz“ auf eines der Holzschilder. Damit war der Spielplatz am Platz der Republik gemeint. Der sei so schön, sagte Emils Mutter. „Das sollten die Familien noch mehr nutzen.“

So wie der Karlsplatz entwicklungsfähig ist, sind die Utopiastadt-Projekte, die sich dort vorstellten, auf Wachstum angelegt. Die Fläche für das „Urban Gardening“ rund um den Mirker Bahnhof soll erweitert werden.

Die „Food Sharer“ möchten bald auch in Oberbarmen einen Lebensmittel-Kühlschrank aufstellen, aus dem sich alle bedienen können. Das Lastenrad „Fienchen“ wiederum soll weitere Geschwister bekommen, erklärte Christoph Grothe von Fahrradstadt e.V., dem Kooperationspartner von Utopiastadt. Besucher Otto Tressin aus Sprockhövel war schon mit dem Original zufrieden. Das Fahrgefühl sei „ungewohnt, aber interessant“, sagte Tressin, nachdem er seine Runde gedreht hatte.

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