Stadtentwicklungsausschuss bringt Projekt trotzdem auf den Weg – Verwaltung will Offenlegung abwarten.

Zooviertel
Seit über einem Jahr laufen die Proteste gegen die geplante Bebauung an der Hindenburgstraße.

Seit über einem Jahr laufen die Proteste gegen die geplante Bebauung an der Hindenburgstraße.

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Seit über einem Jahr laufen die Proteste gegen die geplante Bebauung an der Hindenburgstraße.

Zooviertel. Das Projekt sorgt regelmäßig für Diskussionen. In einer turbulenten Sitzung sprachen sich noch in der November-Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Elberfeld-West die Politiker gegen das geplante Bauvorhaben an der Hindenburgstraße aus. Nicht gegen das Projekt als solches, wie Bezirksbürgermeisterin Christa Kühme betont. Unzufriedenheit herrsche aber über einige, nach Meinung der Lokalpolitiker längst noch nicht ausgereifte Punkte wie etwa die zu erwartende Verkehrsbelastung.

Der Stadtentwicklungsausschuss kam in der vergangenen Woche der Empfehlung der BV, die Vorlage abzulehnen, allerdings erwartungsgemäß nicht nach. Mit der Stimmenmehrheit von CDU und SPD wurde der Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Anfang 2013 soll die Offenlegung der Pläne erfolgen.

Dann können unter anderem auch betroffene Anwohner ihre Kritik einbringen. Bereits nach der BV-Sitzung seien, so Kühme, Bürger erneut mit Einwänden an die Verwaltung herangetreten.

Kaum ein Thema in der Diskussion war zuletzt allerdings der sogenannte Achtungsabstand: Ein EU-Urteil dazu aus dem vergangenen Jahr könnte Neubauvorhaben in der Nähe von „Störfallbetrieben“ – im Fall Hindenburgstraße Bayer – erschweren.

Auch nach dem Gutachten ist der Achtungsabstand noch zu gering

Das hatte dazu geführt, dass das Projekt erst einmal auf Eis lag, bis ein Gutachten dazu erstellt wurde. „Das Gutachten wird ebenfalls mit den Plänen offengelegt werden“, erklärt Marc Walter, Abteilungsleiter im Ressort Bauen und Wohnen der Stadt. Das Ergebnis ist aber schon bekannt. „Das Gutachten empfiehlt keine Bebauung“, räumt Walter ein.

Wolf Neudahm vom Projektträger Pro Objekt hatte die Pläne in der November-Sitzung der Bezirksvertretung vorgestellt. Auf Grundstücken der evangelischen Kirchengemeinde Sonnborn und der Stadt sollen an der Hindenburgstraße 26 entstehen.

Ursprünglich waren sogar 30 bis 35 Wohneinheiten auf dem Areal geplant. Trotz der „Abspeckung“ sahen einige Lokalpolitiker das Projekt immer noch als zu massiv an. Auch einige Anwohner meldeten sich in der Sitzung lautstark zu Wort.

Warum dann trotzdem die Offenlegung? Man habe abwägen müssen, so Walter. Würde streng nach dem EU-Urteil verfahren, dürfte im Umkreis von 1,5 Kilometern rund um Störfallbetriebe – in Wuppertal gibt es gut ein Dutzend – nicht gebaut werden. Damit wäre in Wuppertal baulich so gut wie nichts mehr möglich.

Das Gutachten des Tüv Nord kommt zu einer nicht ganz so drastischen Einschätzung. Der Achtungsabstand liege demnach – abhängig von den behandelten Stoffen im Werk – „nur“ bei etwa 800 Metern rund um Bayer – was den betreffenden Bereich der Hindenburgstraße allerdings immer noch mit einschließt. Deshalb, so Walter, könne das Gutachten auch gar keine Bebauung empfehlen.

In gehobenen Wohnlagen fehlen in der Stadt aber gute Wohnungen, so Walter, weshalb die Verwaltung das Projekt von Pro Objekt positiv sehe. Alternativ seien sonst nur noch Neubauten „im Grünen“ möglich.

Verwaltung räumt ein: Klagen seien möglich

Jetzt heiße es abwarten, so Walter, ob und welche Einwände während der Offenlegung eingehen und ob sie auch den Achtungsabstand betreffen. „Die Hindenburgstraße könnte ein Präzedenzfall werden.“

Im weiteren Verlauf des B-Plan-Verfahrens seien auch Klagen gegen das Projekt nicht ausgeschlossen, ist Walter ehrlich. Aber in anderen Städten habe es ähnliche Situationen gegeben – und Gerichte hätten für die betreffenden Projekte geurteilt. Darauf hofft im Zweifelsfall auch die Wuppertaler Verwaltung.

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