Blattläuse sind wichtige „Mitarbeiter“ der Uni.

Blattläuse sind wichtige „Mitarbeiter“ der Uni.
Hoch über den Dächern Wuppertals steht das Gewächshaus der Uni.

Hoch über den Dächern Wuppertals steht das Gewächshaus der Uni.

Gertrud Lohaus ist Professorin für Molekulare Pflanzenforschung.

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Hoch über den Dächern Wuppertals steht das Gewächshaus der Uni.

Grifflenberg. Gertrud Lohaus, Professorin für Molekulare Pflanzenforschung an der Bergischen Universität Wuppertal verfügt über einen Stab von acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, einer Reihe von Studierenden, aber auch einem ganzen Heer von kleinen grünen Mitarbeitern, die gleichfalls unentbehrlich sind: Blattläuse. Die leisten mit ihren Saugrüsseln eine filigrane Arbeit, die menschliche Helfer nie schaffen würden. Sie zapfen nämlich den Pflanzen auf dem Campus Grifflenberg den Nektar ab, der das Forschungsobjekt der Professorin bildet.

„Während man in menschliche Adern mit Hilfe einer Nadel problemlos hinein stechen kann, haben die Siebröhren in den Blättern Durchmesser von wenigen Mikrometern, das sind Tausendstel Millimeter“, erklärt die Botanikerin. „Da es kaum möglich ist, Spritzen oder Kapillaren mit solch dünnem Durchmesser zu produzieren, kommen uns die Blattläuse mit ihren dünnen Stechrüsseln zur Hilfe. Sie ernähren sich nämlich von dem Saft und saugen ihn aus den Siebröhren.“

Blattläuse sind wichtige „Mitarbeiter“ der Uni.
Hoch über den Dächern Wuppertals steht das Gewächshaus der Uni.

Hoch über den Dächern Wuppertals steht das Gewächshaus der Uni.

Gertrud Lohaus ist Professorin für Molekulare Pflanzenforschung.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Gertrud Lohaus ist Professorin für Molekulare Pflanzenforschung.

Nachdem die winzigen grünen Sauger bestens gesättigt von den Blättern abgepinselt worden sind, wird dann mittels eines Lasers der Rüssel von der Blattlaus getrennt und der Siebröhrenaft daraus gewonnen. Dabei handelt es sich um Größenordnungen von Mikro- (ein Millionstel) oder Nano- (ein Milliardstel) Kilogramm, die mittels Analyse-Geräten auf ihre Beschaffenheit, ihren Gehalt an Aminosäuren, organischen Säuren und Nektar überprüft werden. Das Forschungsprojekt heißt „Analyse der verschiedenen Regulationsebenen und -mechanismen der Nektarzusammensetzung.“

„Wenn die Kühltruhen mal ausfallen würden, dann wären wir aufgeschmissen.“
Gertrud Lohaus

Gelagert werden die wertvollen Proben in Tiefkühltruhen bei Temperaturen von minus 80 Grad. „Wenn die Kühltruhen mal ausfallen würden, dann wären wir aufgeschmissen“, gesteht Gertrud Lohaus. Die Pflanzen, meist Ananas- oder Tabakgewächse, stehen im gläsernen Gewächshaus auf dem 16. Stockwerk der Uni, hoch über den Dächern der Stadt.

Derzeit beträgt die erzeugte Temperatur angenehme 20 Grad. „Doch in den Sommermonaten haben wir hier schon mal 40 bis 50 Grad Hitze“, weist Gertrud Lohaus auf die dann erschwerten Arbeitsbedingungen hin.

Nektar und Ambrosia sind in der griechischen Mythologie die Speisen der Götter, biochemisch gesehen jedoch eine wässrige Lösung mit hohen Konzentrationen von verschiednen Zuckern, Aminosäuren und weiteren Inhaltsstoffen.

Solche erschwerten Bedingungen erfährt derzeit auch eine „Canistropis“, die im Dienste der Wissenschaft unter „Trockenstress“ gesetzt wurde und nun auf einem Extrabord im Gewächshaus trübselig vor sich hinwelkt und sehen muss, wie sie ihren Nektar produziert.

Fliegende Bestäuber sucht man vergebens

Der größte Teil der Arbeit wird von Doktoranden und Studierenden allerdings nicht hinter den Glaswänden, sondern eine oder zwei Etagen tiefer im Labor geleistet, wo der Gehalt der verschiedenen Zuckerarten wie Saccharose (Haushaltszucker), Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker) festgestellt wird. Die Ergebnisse daraus sind unter anderem wichtig, damit bestimmte ökologische Zusammenhänge erforscht werden können.

Der Nektar, poetisch auch Götterspeise genannt, enthält jedoch auch andere Bestandteile wie zum Beispiel Nikotin, eines der stärksten pflanzlichen Gifte. Das Nikotin wird von diversen Tabaksorten so dosiert, dass genau die jeweils richtigen „Bestäuber“, nämlich Fledermäuse, Nachtfalter oder Kolibris angelockt werden. Doch die Pflanzen im Gewächshaus auf Wuppertals Südhöhen können locken, soviel sie wollen, es nützt nichts. Die fliegenden Bestäuber sucht man leider, aus Sicht der ungeduldig wartenden Pflanzen, hoch über dem Campus Grifflenberg vergeblich.

„Wir beschränken uns hier in Wuppertal auf die pflanzliche Seite. Der tierische Teil wird von der Universität Göttingen bearbeitet“, sagt Gertrud Lohaus, die vor ihrem Engagement in Wuppertal an der Georg-August-Universität in Göttingen gearbeitet hat. Die einzigen tierischen Wesen, die die Ananas- und Tabakpflanzen hinter den Glasscheiben besuchen, sind die Blattläuse. Und die wollen nur stechen und saugen.

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