Ein 1953 in Elberfeld entdeckter Baumsarg wurde jetzt neu untersucht. Das Ergebnis gibt Aufschluss über die Siedlung im Mittelalter.

Jörg Scheidt freut sich über die Details, die bei der Untersuchung zum Vorschein kamen. Foto: Anna Schwartz
Jörg Scheidt freut sich über die Details, die bei der Untersuchung zum Vorschein kamen. Foto: Anna Schwartz

Jörg Scheidt freut sich über die Details, die bei der Untersuchung zum Vorschein kamen. Foto: Anna Schwartz

Jörg Scheidt freut sich über die Details, die bei der Untersuchung zum Vorschein kamen. Foto: Anna Schwartz

Elberfeld. Wuppertals Geschichte hat mehr zu bieten als Industriekultur und Schwebebahn? Tatsächlich ist wohl vielen Bürgern unbekannt, dass das Tal der Wupper bereits im frühen Mittelalter besiedelt war. Das belegen Funde, die immer wieder bei Bauarbeiten zutage kommen.

Die erste Entdeckung war der Rest eines Baumsarges, der 1953 bei Ausgrabungen des Rheinischen Landesmuseums Bonn in der Citykirche Elberfeld entdeckt wurde. Damals vermutete ProfessorHermann Hinz, dass der Sarg aus dem frühen Mittelalter stamme und eine Besiedelung im Raum Elberfelds bestätige. Doch er glaubte auch, dass die Siedlung nicht vor 955 nach Christus errichtet worden war. Um diese Annahmen zu überprüfen, leitete die Abteilung Wuppertal des Bergischen Geschichtsvereins zusammen mit dem Archäologen Jörg Scheidt Untersuchungen ein und ließ den Sarg an der Universität Köln datieren.

Dort wurde der Baumsarg mit Hilfe einer Methode der Holzalterbestimmung (Dendrochronologie) analysiert. Die Datierung des Baumsarges ergab ein Datum von 931 nach Christus – plus oder minus zehn Jahre. Also in der Zeit von Otto dem Großen.

Weitreichende Rückschlüsse auf Besiedelung Elberfelds

Jörg Scheidt, Spezialist für Bioarchäologie und Bestattungen, zeigt sich sehr erfreut: „Wir können mit diesem Ergebnis beweisen, dass Elberfeld bereits vor dem Jahr 955 besiedelt war.“ Der Baumsarg lasse außerdem Rückschlüsse auf die damalige Siedlung rund um die Citykirche ziehen. Da diese Art der Bestattung im frühen Mittelalter nur der Elite vorbehalten war, liege die Vermutung nahe, dass sich neben der Kirche noch ein Herrenhof mit Hofstellen befand, erklärte Scheidt. Auf die ungefähre Bewohnerdichte des mittelalterlichen Elberfelds verweist die Größe der Citykirche. „Schon damals gab es die Kirche. Sie bot Platz für etwa 100 Menschen. Deswegen können wir damit rechnen, dass es auch einige Bauern in der Umgebung gab“, erklärt Scheidt.

Doch werde man die genaue Anzahl an Bewohnern nicht herausfinden können, da keine Schriften aus dieser Zeit vorhanden seien. Zudem sei eine detailliertere Auskunft über frühmittelalterliche Siedlungen im Wuppergebiet nur mittels weiterer Ausgrabungen möglich, erklärt der Archäologe.

Weitere Holzsärge werden neben der Kirche vermutet

Für diese Methode der Holzaltersbestimmung werden die Längenunterschiede der Baumringe in Jahrringkurven zentralisiert. Verglichen werden Bäume der gleichen Art und derselben Region. Holzstücke aus allen Jahren können mit dieser Methode analysiert werden. Nach der Auszählung werden die Graphen der Jahrringe auf Übereinstimmungen überprüft. Nach der Verknüpfung identischer Stellen entsteht eine längere Zeitspanne. Mit Wiederholungen des Verfahrens lassen sich dann ganze Zeitstränge für jeweils unterschiedliche Baumarten zusammentragen.

Das Historische Zentrum ( Engelsstraße 10) hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Derzeit ist das Engelshaus wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, das Museum für Frühindustrialisierung steht aber weiterhin für Besucher offen.

Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 4 Euro, für Jugendliche bis 16 Jahre 2 Euro, für Kinder bis 7 Jahre ist der Eintritt frei. Führungen für Gruppen kosten 40 Euro und erfordern eine Anmeldung unter der Telefonnummer 563 4375.
www.historisches-zentrum-wuppertal.de
 

Auch wenn an der Citykirche noch weitere Holzsärge vermutet werden, gestalten sich weitere Ausgrabungen aber schwierig. Denn die Stadt Wuppertal gestattet archäologische Ausgrabungen nur dann, wenn die vermuteten Fundstellen gefährdet sein könnten.

Dennoch verbuchen Jörg Scheidt und der Bergische Geschichtsverein diese Datierung als Erfolg. „Die Abteilung Wuppertal kann so aufzeigen, dass die Stadt mehr zu bieten hat als Industriekultur und Schwebebahn“, sagt Heiko Schnickmann, Schriftführer des Bergischen Geschichtsvereins in Wuppertal.

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