Warum das Amtsgericht darüber entscheiden muss, ob die Wohnung einer alten Dame demnächst wieder beheizt und mit Wasser versorgt werden muss.

wza_1313x1500_431019.jpeg
Eiszapfen am Wasserhahn: Fatma Bingöls Wohnung wird weder beheizt, noch gibt es fließend Wasser.

Eiszapfen am Wasserhahn: Fatma Bingöls Wohnung wird weder beheizt, noch gibt es fließend Wasser.

Eiszapfen am Wasserhahn: Fatma Bingöls Wohnung wird weder beheizt, noch gibt es fließend Wasser.

privat, Bild 1 von 2

Eiszapfen am Wasserhahn: Fatma Bingöls Wohnung wird weder beheizt, noch gibt es fließend Wasser.

Elberfeld. Fatma Bingöl hat noch die guten alten Zeiten miterlebt. Damals vor fast 20 Jahren hat sie bei der Firma Elba gearbeitet und von ihrem Arbeitgeber eine Betriebswohnung bekommen. Auch als Elba unter Insolvenzverwaltung gestellt wurde, wohnte Fatma Bingöl weiter im zweiten Stock jenes Mehrfamilienhauses an der Friedrich-Ebert-Straße. Zuletzt wohnte sie allein im Haus - eine ganz normale Mieterin.

Das geht seit einigen Wochen nicht mehr. Fatma Bingöl sagt: "Es ist zu kalt in meiner Wohnung", und zeigt dabei auf einen Eiszapfen, der sich am Wasserhahn in ihrem kleinen Badezimmer gebildet hat. Mittlerweile wird die 70-Jährige von Rechtsanwalt Christian Hörning vertreten. Der sagt: "Meiner Mandantin wurde erst die Heizung, dann das Wasser abgestellt." Ohne Heizung, bei den aktuellen Minustemperaturen? Seine Mandantin habe stets ihre Miete gezahlt, sagt Hörning.

Die WZ fragte beim Amtsgericht nach. Dort ist der Fall bekannt. Rechtsanwalt Hörning hat mittlerweile zwei einstweilige Verfügungsverfahren auf den Weg gebracht, damit Heizung und Wasser wieder angestellt werden. An der Situation in der Wohnung habe sich jedoch nichts geändert, sagt er.

Einstweilige Verfügung gegen Unternehmer vom Arrenberg

Die beiden Verfahren richten sich gegen den nicht nur am benachbarten Arrenberg bekannten Investor Bodo Küpper. Der wollte sich auf WZ-Anfrage allerdings nicht konkret zu dem Streit äußern. Er verweist auf eine Gerichtsverhandlung am 21.Januar. Dieser Termin ist nötig geworden, weil Küpper mittlerweile beiden einstweiligen Verfügung widersprochen hat, wie das Amtsgericht bestätigt. Dort wird dann wohl auch bei besagtem Termin entschieden, wer Recht bekommt.

Die Fronten sind offenbar verhärtet. Rechtsanwalt Hörning: "Ich habe es in meiner langjährigen Berufspraxis noch nicht erlebt, dass einstweilige Verfügungen in dieser Weise missachtet werden."

Den Stopp der Wasserzufuhr erklären die Anwälte Küppers damit, dass mehrere Rohre des Wassernetzwerkes, die das betroffenen Grundstück versorgen sollen, beschädigt seien. Um zu verhindern, dass Wasser ins Gebäude eindringt, seien die Hauptzuleitungen für das gesamte Gelände gesperrt worden. Wegen der zu erwartenden Schäden werde auf absehbare Zeit das Wasser nicht mehr angestellt.

Angesichts des Tauwetters fürchtet Anwalt Hörning, dass die Wohnung seiner Mandantin in den nächsten Tagen unter Wasser gesetzt wird. Durch den Dauerfrost und fehlende Beheizung seien diverse Rohre in der Wohnung geplatzt.

Und: Bis zur Gerichtsverhandlung wird sich Fatima Bingöl wohl nicht mehr länger am Stück in ihrer Wohnung aufhalten können. Die 70-Jährige hat laut Rechtsanwalt Hörning Multiple Sklerose, schläft derzeit bei ihrer Familie. Sie sagt: "Da wird geheizt." Laut Hörning hat sie mittlerweile die Miete gemindert.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer