Die historische Orgel in St. Laurentius wird neu intoniert. Die Fachleute wollen den Klang des 18. Jahrhunderts rekonstruieren.

Elberfeld. Es klingt heute seltsam, entspricht aber historischen Gegebenheiten: Nordrhein-Westfalen hatte zu viel Geld. Ergebnis war, dass einst nicht nur fleißig gebaut, sondern auch das Erbe der Vergangenheit mehrfach überformt wurde - weitaus stärker als in anderen Regionen Deutschlands. Auch original erhaltene historische Orgeln sind in NRW kaum zu finden. Und wenn Elberfelds Gemeinde St. Laurentius darauf verweist, dass sie ein Instrument Jacob Engelbert Teschemachers aus dem Jahre 1767 besitzt, so muss sie der Ehrlichkeit halber einräumen, dass die Orgel nur im Kern ein Werk des renommierten Wuppertalers ist. Freilich arbeitet zurzeit die Firma Romanus Seifert aus Kevelaer daran, das wertvolle Instrument in seinen Originalzustand zurückzuversetzen und es völlig neu zu intonieren.

Die Orgel wird gestimmt, so könnte es einem leicht entfahren, aber was Bernd Reinartz und Andreas Saage aus Kevelaer leisten, wäre mit einer solchen Feststellung unzulänglich beschrieben. "Ich habe volles Vertrauen in die beiden", sagt Organist Roland Dopfer, der vor allem zu schätzen weiß, dass seine Orgelbauer zugleich studierte Musiker sind. "Da muss man seine Wünsche nicht lange erklären, vielmehr ist sofort klar, worum es geht."

Einem Laien dagegen erschließt sich die Welt der Orgelpfeifen nur durch behutsame Erläuterungen. Eine "neue Lunge" sei zunächst gebaut worden, erklärt Dopfer und meint den Keilbalg, den die Spezialisten aus Kevelaer konstruierten, um der Orgel wieder "organischen Atem" zuzuführen.

"Bei Teschemacher zeigt sich eine außergewöhnliche Qualität."

Andreas Saage, Orgelbauer

Was die Orgelpfeifen angeht, so hat sich nur ein Teil des historischen Bestandes erhalten, und auch er lediglich in veränderter Form. Die dunklen Pfeifen seien original, sagt Dopfer, und Saage ergänzt, dass der alte Orgelbaumeister sein Metier verstand. "Die Lötnähte werden noch heute von Hand gemacht. Bei Teschemacher zeigt sich eine außergewöhnliche Qualität."

Dennoch waren spätere Generationen mit dem Werk nicht zufrieden. Um die Musik des 19.Jahrhunderts spielen zu können, wurde zunächst versucht, durch diverse Kniffe das Klangvolumen des kleinen Instruments aufzublähen. Als sich dann im frühen 20. Jahrhundert ein kammermusikalisches Bild vom Barock ausprägte, verwendete man neue Kunstgriffe, um Komponisten wie Bach und Händel dezent spielen zu können. "Im Original belassene Instrumente sind aber sehr kräftig", sagt Dopfer. Er habe die Teschemacher-Orgel schon immer geschätzt, sei nun aber erstaunt, was noch alles in ihr stecke. So ist es Aufgabe der Spezialisten aus Kevelaer, sich auf die klanglichen Spuren Teschemachers zu begeben und den wahren Schatz der Orgel zu heben. Bei einer feierlichen Vesper am 6. September um 14.30 Uhr und ein weiteres Mal am 23. September um 20 Uhr im Rahmen der Wuppertaler Orgeltage wird die Stadt Gelegenheit haben, den neuen alten Klang zu genießen.

Teschemacher baute die Orgel 1767 für die evangelische Kirche in Wevelinghoven. Dort wurde sie nie aufgestellt, weil ein katholischer Geistlicher sein Veto einlegte. Bis 1869 stand das Instrument in Schwelm, dann bis 1969 in Dönberg, wo mehrfach Änderungen vorgenommen. Nach ersten Restaurierungen in den 80er Jahren wurde die Orgel 1986 in St. Laurentius eingeweiht. Wuppertal hatte sie zunächst für die Stadthalle vorgesehen, doch war für diese war sie zu klein.

Neben Klais in Bonn und zwei Konkurrenten im Osten ist Romanus Seifert heute die führende Orgelbaufirma Deutschlands. 2010 wird Seifert 125 Jahre alt, Einsatzorte sind u.a. der Dom zu Speyer und der Vatikan.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer