In der Werkstatt von Udo Orth wird die Uhr des Elberfelder Rathauses auf Vordermann gebracht.

Udo Orth mit einem der großen vergoldeten Zeiger. Fotos (2): Uwe Schinkel
Udo Orth mit einem der großen vergoldeten Zeiger. Fotos (2): Uwe Schinkel

Udo Orth mit einem der großen vergoldeten Zeiger. Fotos (2): Uwe Schinkel

Vorsichtig wird mit einem feinen Pinsel das Gold auf die Zeiger aufgetragen. Links im Bild: ein Blatt Gold.

Schinkel, Uwe (schin), Bild 1 von 2

Udo Orth mit einem der großen vergoldeten Zeiger. Fotos (2): Uwe Schinkel

Vohwinkel. Es ist ein Puzzle mit 200 Teilen. Vergoldeten Teilen. Fein säuberlich aufgereiht liegen sie in der Malerwerkstatt von Udo Orth. Römische Ziffern, kleine und große Ringe und verschiedene Zeiger – die größten gut zwei Meter lang – lassen erahnen, worum es geht. Orth bringt die Uhr des Elberfelder Rathauses wieder auf Vordermann. Um das Uhrwerk kümmert sich ein Betrieb aus Remscheid, doch die Vergoldung der Einzelteile übernimmt der Vohwinkeler Traditionsbetrieb. „Das ist auch für uns etwas Besonderes“, sagt der Meister, der das Geschäft in dritter Generation betreibt.

„Das ist ein Schatz, der freigelegt werden musste.“

Udo Orth

Seit Jahren wird das Rathaus am Neumarkt saniert, derzeit ist der Turm an der Reihe. Die Teile der am 24. Oktober 1900 eingeweihten Uhr liegen seit Dezember bei Orth. „Das ist ein Schatz, der freigelegt werden musste“, sagt der Vohwinkeler mit einem Schmunzeln.

Denn nur durch Zufall war während der Arbeiten am Turm entdeckt worden, dass Zeiger & Co. ursprünglich einmal vergoldet gewesen waren. „Wann das Blattgold überstrichen wurde und wer das veranlasst hatte, lässt sich nicht mehr klären“, sagt Orth, der jetzt vor der für ihn reizvollen Aufgabe steht, die kupfernen Bestandteile wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen.

Vier Tische für die vier Himmelsrichtungen

Behutsam streicht er mit einem feinen Pinsel die hauchdünnen Goldblättchen á 23 ¾ Karat über die Zeiger und Ziffern. Ein paar Wochen wird er noch damit beschäftigt sein. Damit jedes der Teile später einmal wieder an seinem richtigen Platz landen wird, liegen sie getrennt auf vier Tischen – markiert mit einem „N“, „O“, „S“ oder „W“, den Himmelsrichtungenm, für die vier Seiten des Turms.

Bis die Uhr wieder über dem Neumarkt hängt, dauert es noch

Bis in die 1920er Jahre mussten übrigens Bedienstete des Rathauses regelmäßig in den Turm steigen, um die Uhr aufzuziehen. Erst ein Elektromotor änderte das. Bis die Einzelteile der Uhr allerdings wieder an ihrem ursprünglichen Platz, gut 55 Meter über dem Neumarkt hängen werden, wird es noch dauern.

Seit 2008 wird das Rathaus saniert. Derzeit steht der Turm auf dem Programm. Da kürzlich bei den Arbeiten festgestellt wurde, dass der marode Dachstuhl ab- und wieder neu aufgebaut werden muss, hat sich auch der Zeitplan für das Anbringen der Uhr geändert. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Im Vergleich zu den Gesamtkosten der Turmsanierung – gut 1,9 Millionen Euro – fallen die Kosten für die Vergoldung gering aus. Ein „Buch“ mit 300 „Blatt“ Gold kostet rund 400 Euro. Der Restaurator ist aber schon jetzt stolz auf sein Werk. „In dieser Größenordnung war das auch für uns etwas Neues“, sagt Orth über das Vergolden des „Metall-Puzzles“.

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