Am Volkstrauertag gibt es eine Führung durch die Anlage, die aktuell von Dieben verschandelt wurde.

Am Volkstrauertag gibt es eine Führung durch die Anlage, die aktuell von Dieben verschandelt wurde.
Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Friedrichsberg. Passend zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag lädt „ Wuppertals Grüne Anlagen“ zu einer Besichtigung des Ehrenfriedhofes Elberfeld oberhalb des Königshöher Weges von 11 bis 12.30 Uhr ein. Die Führung übernimmt die freiberuflich/ehrenamtliche Malerin, Historikerin und Kuratorin im Engelshaus, Heike Ising-Alms. Die vielseitige Künstlerin erwartet die Besucher an der Treppe, die zu der während des ersten Weltkrieges errichteten rautenförmigen weitläufigen Anlage führt.

1914 kaufte die Stadt Elberfeld das Grundstück am Kiesberg

Der 1. Weltkrieg (1914-1918) forderte wegen der eingesetzten modernen Kriegstechnik mit automatischen und Massenvernichtungswaffen wie Minen, Giftgas, Handgranaten und Maschinengewehren zahllose Tote in den Schützengräben, in der Luft und auf See. Neun Millionen Soldaten und sechs Millionen Zivilisten starben. Und schon in den ersten fünf Kriegsmonaten waren 142 000 Tote zu beklagen. Junge Menschen, die ein halbes Jahr vorher noch voller Siegeseuphorie freiwillig „zu den Waffen geeilt“ waren. Verstümmelt und bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt waren sie oft schon auf den Schlachtfeldern notdürftig verscharrt worden. Was in der Bevölkerung den Wunsch entstehen ließ, den „für Volk und Vaterland Gefallenen“ eine würdige Grabstätte zu geben.

Am Volkstrauertag gibt es eine Führung durch die Anlage, die aktuell von Dieben verschandelt wurde.
Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

Alle Gräber haben die Form des Eisernen Kreuzes – eine einheitliche Optik.

„Schon im Oktober 1914 kaufte die Stadt Elberfeld auf Antrag zahlreicher Bürger ein bewaldetes Grundstück am Kiesberg in der Größe von knapp 9000 Quadratmetern“, berichtet Heike Ising-Alms und bezieht sich dabei auf das im Köndgen-Verlag erschienene Buch „Wuppertals grüne Anlagen“. Das Areal lag oberhalb des 1913 anlässlich des zum hundertsten Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig errichteten Obelisken. Die bisherigen Eigentümer des Grundstücks, die Erben der Firma Paulmann und Kellermann, gewährten einen Vorzugspreis, und viele Bürger und Hinterbliebene unterstützen das Projekt großzügig.

Der Geheime Kommerzienrat August von der Heydt stiftete anlässlich der Verleihung des Eisernen Kreuzes an seinen Sohn Eduard 1000 Reichsmark. So konnten schon im Dezember 1914 die ersten Bestattungen stattfinden. Die damals führende Fachzeitschrift für Friedhofsgestaltung „Die Gartenwelt“ ermutigte Landschaftsarchitekten Begräbnisstätten zu schaffen, die den Gefallenen eine würdige letzte Ruhestätte verschafften. Wiesen- und Waldgrundstücke, so wie die am Kiesberg waren hier die geeigneten Plätze, wobei mit den „urdeutschen“ Eichen bewachsene Waldstücke für Toten- und Soldatenhaine als besonders würdig angesehen wurden. „Tod und Erneuerung in der Natur verwiesen auf Elementarkräfte, die auch den Soldaten zugesprochen wurden“, hieß es im damals üblichen Pathos.

Die Planung und deren Verwirklichung auf dem bewaldeten, steil ansteigenden Grundstück erfolgten ohne bürokratische Hindernisse, so dass zunächst 150 Grabstätten geschaffen und dann auf 566 Gräber erweitert werden konnten, wie „Wuppertals Grüne Anlagen“ berichtet. Bemerkenswert hierbei, dass alle Gräber gleich gestaltet wurden. Unter einem schlichten Grabstein in der Form des Eisernen Kreuzes reihten sich die letzten Ruhestätten unabhängig vom militärischen Rang des Gefallenen aneinander. Ihre letzte Ruhestätte finden auf dem Elberfelder Ehrenfriedhof auch sieben Soldaten aus Osteuropa und die Elberfelder Opfer des Kapp-Putsches von 1920.

Vorsorglich weist die Führungsleiterin Heike Ising-Alms darauf hin, dass der Aufstieg über die Treppe zum Ehrenfriedhof in Elberfeld vom Königshöher Weg aus recht beschwerlich und für Rollstuhlfahrer nicht geeignet ist. „Auch alte und kranke Menschen dürften dabei überfordert sein.“

1926 wurde ein Kriegerdenkmal aufgestellt, was angesichts des verlorenen Krieges zu heftigen Diskussionen führte. Hier wurde schließlich dem Vorschlag des in Elberfeld geborenen Architekten Rudolph Jacobs und des Bildhauers Wilhelm Rex der Vorzug gegeben, der auf dem höchsten Punkt des Friedhofes verwirklicht wurde. In sieben offenen Nischen wurden an den Wänden die Namen von 4704 gefallenen Soldaten auf 14 Bronzetafeln festgehalten. Bedauerlicherweise wurden sieben von ihnen kürzlich die Opfer von blinder Profitgier. Sie wurden heraus geschnitten und abtransportiert. „Die Diebe bekommen dafür doch nur den Schrottpreis und zerstören dafür das Andenken an Tausende Soldaten“, zeigt sich Heike Ising-Alms, die am Sonntag über den Friedhof führt, fassungslos. Die übrig gebliebenen Bronzetafeln werden in Kürze demontiert und eingelagert, wie wir von der beauftragten Metallbaufirma erfuhren. „Diese Anlage wird von der Stadt Wuppertal unterhalten und ist dem Schutz der Bevölkerung anvertraut“, lautet die Aufschrift am Eingang des Ehrenfriedhofes. Eine Mahnung, die den skrupellosen Metalldieben offensichtlich gleichgültig war.

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