Das ehemalige Markant-Haus an der Neumarktstraße zeigt sich jetzt mit seiner alten Fassade. Das weckt Erinnerungen.

Befreit: So sieht das ehemalige Markant-Möbelhaus ohne die tristen Fassadenbleche aus.
Befreit: So sieht das ehemalige Markant-Möbelhaus ohne die tristen Fassadenbleche aus.

Befreit: So sieht das ehemalige Markant-Möbelhaus ohne die tristen Fassadenbleche aus.

Andreas Fischer

Befreit: So sieht das ehemalige Markant-Möbelhaus ohne die tristen Fassadenbleche aus.

Elberfeld. Auf die Verpackung kommt es an. Was dieser Spruch auch bedeuten kann, lässt sich in der Elberfelder Innenstadt eindruckvoll feststellen. Denn dort wurde gerade eine Riesen-Verpackung entfernt, genauer: die Verkleidung des ehemaligen Markant-Möbelhauses an der Neumarktstraße. Der neue Eigentümer hat die historische Bausubstanz des rund 100 Jahre alten Hauses zurück ans Tageslicht gebracht.

Gut 100 Jahre alte Bausubstanz – im Krieg stark beschädigt

„Wie schön, dass jetzt wieder die Originalfassade zu sehen ist“, sagt Hans Jürgen Vitenius begeistert. Den stellvertretenden Elberfelder Bezirksbürgermeister freut diese Entwicklung sehr, „denn wir haben in der Bezirksvertretung immer darum gekämpft, dass dieses Haus sein Blech-Aussehen einmal verlieren würde.“

Für den SPD-Politiker hat der Bau eine ganz besondere Bedeutung: An der Neumarktstraße residierte vor mehr als 50 Jahren die örtliche Allianz-Bezirksdirektion. „Dort habe ich ab 1957 meine Lehrzeit absolviert“, berichtet Vitenius. Stark beschädigt, aber nicht zerstört, hatte das Gebäude den Krieg überstanden: „Ich erinnere mich noch gut an den ausgeglühten Aufzugschacht.“

Die oberen Etagen seien gesperrt gewesen, auf der ersten und zweiten Etage hatte die Allianz ihre Räume. Im Erdgeschoss seien schon damals Läden gewesen, „und dann gab es noch den Keller, in dem sich unsere Akten befanden.“ Der sei damals nicht ganz rattenfrei gewesen, „so dass einem ab und zu ein kleines Viechlein über die Beine lief“, sagt Hans Jürgen Vitenius und lacht bei dem Gedanken an die Zeit. „Für uns Lehrlinge war es immer eine interessante Aufgabe, die jungen Damen zu beschützen, wenn sie in den Keller mussten, um Akten zu holen. Da haben wir uns gern angeboten.“

Im Besitz der Allianz habe sich das Haus lange noch befunden, auch Anfang der 1970er Jahre. „Kurz darauf wurde dann die – damals hochmoderne - Entscheidung getroffen, ein ganz tolles Geschäftshaus aus dem Gebäude zu machen“, sagt Vitenius. Mit einem zeitgemäßen Antlitz: Vor 40 Jahren seien historische Fassaden kaum mehr gewürdigt und vielfach abgeschlagen worden.

Fassadenbleche ersetzten die historische Fassade

Vermutet wird, dass das Haus in ähnlicher Zeit wie auch der Kaufhof – damals Kaufhaus Tietz (1911/1912) – gebaut wurde, kurz nach der Jahrhundertwende.

Nach WZ Informationen hatte der Eigentümer, ein russischer Investor, kurzzeitig geplant, in die oberen Geschosse Spielhallen-Atmosphäre einziehen zu lassen. Doch davon wurde hat offenbar mittlerweile Abstand genommen.

Das Gebäude steht nach Auskunft der Stadt nicht unter Denkmalschutz. Eine Unterschutzstellung der Fassade wäre jedoch ein Vorschlag und könnte auch dem neuen Eigentümer Vorteile bringen, sagt der ehemalige Elbefelder Bezirksvertreter Dirk-Henrik Hülper, der sich schon vor Jahren immer wieder für das Thema engagiert hat.

Oder es wurden Verkleidungen vorgesetzt. Und so waren fortan die Außenmauern des Hauses an der Neumarkstraße unter der bekannten Blech-Optik verborgen.

Vor einigen Monaten seien die Umbaupläne in der Bezirksvertretung (BV) Elberfeld vorgestellt worden, sagt Hans Jürgen Vitenius, den besonders freut, dass Architekt und Investor durch alte Fotos, Zeichnungen und Bauskizzen „angespornt“ werden konnten, die Verkleidung abzunehmen. Mittlerweile sind etliche neue Fenster eingebaut, das Haus hat einen ockerfarbenen Anstrich erhalten und fügt sich völlig neu ins Straßenbild ein.

Auch die Stadt freut sich über den Umbau in der Innenstadt

Auch bei der Stadt sieht man die Rückverwandlung positiv: „Es ist städtebauliches Aha-Erlebnis“, sagt Baudezernent Frank Meyer (SPD) zum Umbau. Der neue Eigentümer habe eine „behutsame, profunde Herangehensweise“ gezeigt: „Bei dem Objekt handelt es sich um ein stadtbildprägendes Gebäude. Wir hoffen daher, dass weiterhin so professionell, wie es jetzt den Anschein hat, mit der historischen Bausubstanz umgegangen wird – auch was das Erdgeschoss angeht.“ Dort, an der langen Schaufensterfront, erinnert an die alten Zeiten nur noch der Werbeschriftzug des Möbelhauses – buchstäblich markant.

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