Der Stadtteil sorgt sich um seine Jugend – und will mehr Angebote.

cronenberg
Anwohner, Polizei und Politiker diskutierten am WZ-Mobil.

Anwohner, Polizei und Politiker diskutierten am WZ-Mobil.

Uwe Schinkel

Anwohner, Polizei und Politiker diskutierten am WZ-Mobil.

Cronenberg. Betrunkene Jugendliche, gestohlene Gedenktafeln – Cronenberg hat die selben Probleme wie viele andere Stadtteile. Auch hier wird der Ruf nach mehr Polizeipräsenz und mehr Angeboten, bei denen die Jugendlichen ihre Zeit friedlich verbringen können, laut. In der Bezirksvertretung hat die Cronenberger CDU jetzt zusätzlich einen Streetworker für den Stadtteil gefordert. Auch am WZ-Mobil wurden mögliche Lösungen für den Umgang mit Jugendlichen diskutiert.

Das Jugendhaus zieht nur Kinder an, Jugendliche bleiben lieber unter sich

Die größte Jugendeinrichtung in Cronenberg ist das Jugendhaus Händelerstraße. Aktuell läuft dort das Ferienprogramm, 27 Kinder werden dort täglich beschäftigt. Doch die sind alle zwischen sechs und 14 Jahre alt: „Die Älteren erreichen wir nicht“, sagt die Vorsitzende Annegret Büchel. Dabei hat das Jugendhaus schon spezielle Programme aufgelegt, um die Jugendlichen anzusprechen, etwa einen Profi-Billardspieler engagiert und ein Internet-Café eingerichtet. Trotzdem kamen nur sehr wenige zu den Abenden im Jugendhaus.

Ein Grund dafür könnte sein, dass in allen städtischen Jugendeinrichtungen Alkohol und Zigaretten streng verboten sind. „Außerdem stehen die Jugendlichen bei uns unter Beobachtung, genau das wollen sie nicht. Deshalb suchen sie sich lieber Ecken, an die sie sich zurückziehen können; alleine sind“, sagt Maik Grünwald vom Jugendhaus.

„Die Jugendlichen müssen sich ja auch treffen können. Die Stadt muss eine Plattform für sie schaffen“, zeigt Ursula Abé, die für die SPD in der Bezirksvertretung sitzt, Verständnis.

Polizei sieht sich in Cronenberg gut aufgestellt

Michael Schmidt, Leiter der auch für Cronenberg zuständigen Polizeiwache Elberfeld, relativiert die Probleme am WZ-Mobil: „Ich will natürlich weder Vandalismus noch Diebstahl beschönigen, aber wir haben in der Elberfelder Innenstadt oder im Sommer auf der Hardt ganz andere Probleme – in Cronenberg ist die Welt dagegen noch in Ordnung.“ Dem Ruf nach mehr Polizeipräsenz kann er nicht folgen: „Wir sind – gemessen an der Einwohnerzahl – in Cronenberg sehr gut aufgestellt.“

„Ich wohne erst seit einer Woche hier in Cronenberg und finde das Problem sehr traurig. Cronenberg bekommt dadurch einen negativen Anstrich.“
Vera Drees, Anwohnerin

„Aktuell erreichen wir die älteren Jugendlichen nicht. Sie können aber jederzeit Wünsche in unseren Briefkasten einwerfen. Wir werden darauf eingehen.“
Annegret Büchel, Jugendhaus

„SPD und CDU haben im Rat bestimmt, dass bis 2014 weitere zwölf Stellen im Ressort Kinder, Jugend und Familie abgebaut werden. Wenn dann ausgerechnet die CDU nach einem Streetworker ruft, ist das Doppelzüngigkeit“, sagte Peter Vorsteher von den Grünen am WZ-Mobil. Generell sei die Bezirksvertretung aber fraktionsübergreifend bereit, Geld in Jugendprojekte zu investieren.
 

Der Bezirkspolizist Manfred Hakenbeck der Polizeiwache Cronenberg ist vor Ort, wenn es Probleme mit Jugendlichen gibt. „Ich kann nur raten, unsere Polizeistelle anzurufen, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Wir versuchen, das Gespräch mit den Jugendlichen vor Ort zu führen. Es muss ja nicht zu Verboten kommen, aber wenigstens der Müll sollte mitgenommen werden“, sagt der Polizist.

Das Müll-Problem besteht auch an der Fliegerwiese in Hintersudberg, die im Sommer oft von Jugendgruppen aufgesucht wird. „Das Problem ist, dass wir die Jugendlichen oft gar nicht kennen. Viele kommen aus Remscheid, weil man von der Fliegerwiese einen tollen Blick auf die Stadt hat. Für uns ist es sehr schwer, mit ihnen in Kontakt zu treten“, sagt Peter Vorsteher (Grüne).

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