Die WZ hat mit Hannelore Steinmeier eine Runde im Neunsitzer gedreht.

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Hannelore Steinmeier steuert gerne den Bürgerbus.

Hannelore Steinmeier steuert gerne den Bürgerbus.

Uwe Schinkel

Hannelore Steinmeier steuert gerne den Bürgerbus.

Cronenberg. Der erste Blick ins Innere ist noch leicht skeptisch, weicht dann aber schnell einem Lächeln. „Ach, hallo Hannelore“, ruft Helene Thimm. „Nimmst du mich mit?“ Als die 80-Jährige auf dem Fahrersitz Hannelore Steinmeier, eine Freundin ihrer Tochter, erspäht, steht für sie fest: „Jetzt mach’ ich mal ’ne Runde. Sonst komm’ ich ja so nicht rum.“ Sie will bei ihrer spontanen Bürgerbus-Premiere einfach mal Cronenberg kennenlernen – Sightseeing der anderen Art.

„Hier war ich noch gar nicht.“

Helene Thimm, Fahrgast des Dörper Bürgerbusses.

„Das machen einige so“, sagt Hannelore Steinmeier, während sie den Neunsitzer sicher durch die Straßen lenkt. Noch sind die breit, Gegenverkehr ist kein Problem. „Warten sie ab, das kommt noch“, kündigt die ehemalige Buchhalterin an. Seit dem Start des Dörper Busses im Oktober 2009 sitzt sie mindestens einmal die Woche hinter dem Steuer, „weil ich als Rentnerin etwas für Cronenberg tun wollte.“

Aus dem Radio dudeln Schlager, Helene Thimm – noch der einzige Fahrgast – schaut derweil neugierig nach draußen, während es auf einer ersten Schleife Richtung Hülsen und Kuchhausen geht. „Hier war ich noch gar nicht.“ Schöne Häuschen säumen den Weg, dafür wird die Straße merklich enger.

Die typischen Ziele: Zum Einkaufen oder zum Arzt

„Viele Autofahrer wissen nicht, dass der Bürgerbus eigentlich nicht rückwärts fahren soll“, sagt Steinmeier, als sie um eine enge Kurve biegt. Wie auf Kommando kommt ein Auto entgegen. Platz für zwei gibt’s nicht, doch die Fahrerin des Kleinwagens setzt selbst rückwärts in eine Lücke. Freie Fahrt für den Dörper Bus, doch Hannelore Steinmeier weiß: „Das ist leider nicht immer so.“

Die nächsten Schleifen führen den Bus nach Hensges Neuhaus und ans Ende der Friedensstraße. Zwei Damen steigen zu. Zum Arzt oder zum Einkauf müssen sie. Typische Ziele, die ohne den Bürgerbus gerade für Senioren schwer erreichbar wären. Die Haltestellen der regulären Busse liegen oft weit entfernt, was ein paar Stationen weiter an der Kohlfurth besonders deutlich wird. „Sie sehen ja, wie dünn besiedelt das hier ist“, sagt Stammkundin Edith Wistuba, die an der Alte Schule einsteigt.

Bevor der Bürgerbus morgens um 7.55 Uhr seine reguläre Route fährt, steht noch eine Extra-Tour an: Sieben Grundschüler werden täglich zur Schule gebracht.

„Jetzt geht es nach Sudberg“, kündigt Steinmeier wenig später an. Thimm, mittlerweile wieder der einzige Fahrgast, ist fasziniert. „Ich wusste gar nicht, dass Cronenberg so groß ist. Aber da habe ich jetzt was zu Hause zu erzählen“, freut sich die gebürtige Leipzigerin. An der äußersten Haltestelle Hintersudberg wartet schon Petra De Boni (50). „Als ich das erste Mal mit dem Bus gefahren bin, kannte ich die andere Seite von Cronenberg gar nicht“, erinnert sie sich.

Steinmeier ist froh über jeden Fahrgast. „Sonst wird’s auch mal langweilig.“ Einen neuen Bürgerbus-Fan hat sie auf jeden Fall gefunden. „Die Tour mach’ ich demnächst nochmal“, ist Passagierin Thimm sicher.

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