Bei den Tagen der Modellbahnen im Gemeindezentrum trafen sich Fans und Bastler zum Zeigen, Staunen und zur gegenseitigen Hilfe.

Bei den Tagen der Modellbahnen im Gemeindezentrum trafen sich Fans und Bastler zum Zeigen, Staunen und zur gegenseitigen Hilfe.
Ulli Kritzler gibt seine Leidenschaft an die Enkel Theo (li.) und Tom weiter. Werner Remy zeigt ein Modell, in das man fast einsteigen könnte.

Ulli Kritzler gibt seine Leidenschaft an die Enkel Theo (li.) und Tom weiter. Werner Remy zeigt ein Modell, in das man fast einsteigen könnte.

Ulli Kritzler gibt seine Leidenschaft an die Enkel Theo (li.) und Tom weiter. Werner Remy zeigt ein Modell, in das man fast einsteigen könnte.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Ulli Kritzler gibt seine Leidenschaft an die Enkel Theo (li.) und Tom weiter. Werner Remy zeigt ein Modell, in das man fast einsteigen könnte.

Cronenberg. Gleich zwei Lokomotiven der Canadian Pacific Railway ziehen den Güterzug. Mit Kohle und Öl beladene Waggons folgen der Doppel-Lok. Das Schlusslicht bildet ein signalroter Personalwagen der Bahngesellschaft Canadian National. Im wirklichen Leben wäre das ein ungewöhnlicher Zug. Bei den Modelleisenbahntagen im Cronenberger Gemeindezentrum Friedenskirche ist das ganz normal. Wenn Werner Remy seinen Zug – eine Handbreite hoch – stoppt und man sich die Loks genauer ansieht, wird es richtig interessant. Bei der vorderen ist die Schrift aufgedruckt, bei der hinteren ist jeder Buchstabe handgemalt. Eine Heidenarbeit.

Vor zwanzig Jahren brachte Remy die „Original“-Lok von einer Kanadareise mit. Zu Hause baute der Cronenberger das Modell mit eigenen Mitteln nach. Das war erst der Anfang. „Meine Modelle wurden von Mal zu Mal größer“, so der 72-Jährige.

Seine größte Lok Marke Eigenbau steht zwischen der Eingangstür und dem gut 170 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Dort können Modellbahnfans ein Wochenende lang Züge vom Mini-Miniformat bis zur Gartenbahn-Größe und die dazugehörigen Landschaften bestaunen. Schon am Samstagvormittag wuseln siebzig große und kleine Besucher durch den Saal.

1,30 Meter lang und 40 Zentimeter hoch ist Remys Nachbau einer Diesellok der Deutschen Bahn. Im Gehäuse aus Autoblech steckt die Elektronik eines Rollstuhls. Fahrtüchtigkeit bewies die Lok noch letztes Jahr beim Erntedankfest vor dem Emmaus-Zentrum, als Kinder und Erwachsene mitfahren durften.

Bei den Ribbes sind Vater und Sohn aktiv

„Sobald ein Anhänger leer war, war er direkt wieder besetzt“, berichtet Remy und lacht. „Kleine Kinder spielen gern, große noch viel lieber.“ Als Jugendlicher bastelte er an Flugzeugen und Schiffen herum. „Jetzt baue ich Sachen, die weder abstürzen noch untergehen können.“

Während der Canadian Pacific seine Runden dreht, stellt Martin Ribbe die Züge für seine Spur-N-Anlage zusammen. Durch Tunnel und Bergdorf fährt sogar ein Schienenbus – wie früher in echt auf der Sambatrasse.

Modellbahnbau bringt die Generationen zusammen. Auf jeden Fall bei den Ribbes. „Ich bin über meinen Sohn Clemens drangekommen“, sagt der Kantor der Evangelischen Gemeinde. Bei den 14. Cronenberger Modelleisenbahntagen ist Ribbe junior natürlich auch dabei. Der 23-jährige Student hat zusammen mit einem Freund einen Streckenabschnitt der 30-Meter-Modulanlage gestaltet, die den Saal in Form eines breiten U füllt.

Auf Clemens’ Anlage blinken bunte Lämpchen. Eine Miniatur-Band steht auf einer halbrunden Open-Air-Bühne. Fehlt nur noch das Dach – dann hätte man die Waldbühne auf der Hardt vor sich. Was aber wären die Modelleisenbahntage ohne den „Lokdoktor“? Matthias Peters hat seine Praxis im Untergeschoss eingerichtet. Mit Lötstift und Ölspritze rückt er kaputten Spielzeugloks auf den Leib. Im selben Raum ist die Bastelecke für Kinder. Eine Mutter und ihre zwei Söhne bauen hier eifrig an Modellhäusern.

Zu den Hilfesuchenden, die vor dem Operationstisch sitzen, gehört Gerald Palme. „Ich habe in der Zeitung vom Lokdoktor gelesen und meine alte Minitrix aus dem Schrank geholt, die ich als kleiner Junge bekommen habe. Die ist seit vielen Jahren nicht mehr auf der Schiene gewesen und will nicht mehr richtig laufen.“

Das alte Schätzchen wird vom Operateur aufgeschraubt und vorsichtig untersucht. Das Ölen der Räder bringt noch keinen Fortschritt. Ein Problem mit der Elektronik? Peters schlägt dem Minitrix-Besitzer vor, gleich nochmal in seiner Praxis vorbeizuschauen. Palme ist einverstanden und nimmt’s mit Humor. „Meine Lok ist noch im Fegefeuer.“

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