Ein möglicher Umweg soll Anwohner schonen – die Gegner des Projekts überzeugt das aber gar nicht.

Südhöhen. „Wir haben mit unseren Bemühungen viel Anklang gefunden und wollen keine Konflikte“ stellt Peter Vorsteher (Bündnis 90/ Die Grünen), Wortführer der Initiative „Pro Seilbahn“, klar. Er verweist auf den Vortrag, den Thomas Hahnel-Müller (CDU) zum Thema „Seilbahn“ Ende Juni in der IHK gehalten hat; darin ging es unter anderem um die angeprangerte, relativ niedrige Fahrt über Wohngebiete, vornehmlich über die Neubauten an der Cläre-Bläser-Straße. Laut dem als „Seilbahn-Papst“ geltenden Geologen und Verkehrsexperten Prof. Heiner Monheim ist durch eine Krümmung der Trasse um zwölf Grad eine Umfahrung des Gebietes Cläre-Bläser-Straße technisch möglich, womit die Störung der Privatsphäre und der drohende Wertverlust der dortigen Immobilien praktisch vom Tisch wären.

Axel Sindram (Pro Seilbahn) hofft, dass die Industrie es schafft, bei einer Abweichung von zwölf Grad ohne zusätzliche Stütze auszukommen, was bei sieben Grad Abweichung nicht ginge – ein Argument, das die Bürger-Initiative „Seilbahnfreies Wuppertal“ nicht gelten lässt, und ihr Sprecher, Professor Marc Gennat, entgegnet: „Warum sollte die Cläre-Bläser-Straße umgangen werden? Die ist genauso viel oder wenig schützenswert wie die restliche Südstadt. Das Ingenieurbüro Schweiger hatte große Schwierigkeiten, überhaupt eine Linienführung zu finden, die realisierbar ist.“ Laut WSW gebe es de facto keine anderen Strecken. Erneut stellt Gennat die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Seilbahn-Projekts. „Durch die Umfahrung werden weder weniger Einwohner der Südstadt belästigt, nur eben andere, noch werden weniger Busse eingespart oder hierdurch die Reisezeit verkürzt.“

Dann geht Marc Gennat mit der ÖPNV-Expertise von Vorsteher und Hahnel-Müller ins Gericht und weist darauf hin, dass die WSW Kürzungen im Busverkehr zum Hahnerberg (Linie 603) und nach Cronenberg (CE65 tagsüber) vorgenommen haben, was nicht geschehen wäre, wenn größere Nachfrage vorhanden gewesen sei. „Weshalb die Nachfrage plötzlich um ein Vielfaches steige, wurde nicht erklärt.“

Nach wie vor fragt man sich bei der Initiative „Seilbahnfreies Wuppertal“, warum eine Seilbahn im konkreten Fall sinnvoll sei. „Diese Frage stellen wir seit Mai 2015 den Befürwortern und Projektverantwortlichen. Weder Fahrgastzahlen, noch Betriebskosten, rechtliche Risiken, touristische Potenziale, ökologische Effekte und energetische Bewertungen wurden näher erläutert.“

Klar ist: Tierschutz ist ein Haken

Auch der Vorteil für die Studierenden, die mit einem schnellen und zuverlässigen Verkehrsmittel von der Talstation Döppersberg zur Uni und wieder zurück gelangen würden, lässt man bei „Seilbahnfreies Wuppertal“ nicht gelten: „Die Reduzierung der Fahrzeit würde etwa bei einer Minute liegen.“

Nicht ganz auf einer Linie ist man bei „Pro Seilbahn“ in Sachen Stütze 5 im Quellgebiet Hatzenbecker Bach. „Dort darf es keine Stütze geben“, so Peter Vorsteher als Parteimitglied der Grünen, womit er der gleichen Meinung wie die Seilbahngegner ist, die auf dort lebende Amphibien, Rehwild, Füchse, Fledermäuse, Eulen und Käuze hinweisen, deren Heimat empfindlich gestört würde. „Da muss versucht werden, mit den Eigentümern der umliegenden Gebiete eine Übereinkunft zu finden, die Stütze dort aufzustellen“, sagt Vorsteher, wohl wissend, dass man mit diesen Wünschen bei den Grundstückseigentümern auf wenig Gegenliebe stoße.

Auch den kühnen Gedanken, die Seilbahn eventuell bis nach Cronenberg zum dort größten Arbeitgeber Knipex und zum Ortskern zu verlängern und damit gleichzeitig die City Cronenbergs zu erschließen, hatte Hahnel-Müller aufgegriffen, wies aber darauf hin, dass hier erst einmal gewissenhafte Prüfungen erforderlich seien.

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