Werkzeuge und Messer, Fotos und Dokumente werden ab September neu präsentiert – als Museum für Nass-Knie-Schleiferei.

Werkzeuge und Messer, Fotos und Dokumente werden ab September neu präsentiert – als Museum für Nass-Knie-Schleiferei.
Reinhard Grätz, Georg Jürgens und Anka Dawid wollen bis September fertig sein.

Reinhard Grätz, Georg Jürgens und Anka Dawid wollen bis September fertig sein.

Der Kotten liegt im Kaltenbachtal. Archiv

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Reinhard Grätz, Georg Jürgens und Anka Dawid wollen bis September fertig sein.

Cronenberg. „Eigentlich haben wir natürlich zu viel Material“, seufzt Anka Dawid. Deshalb übernimmt die Kulturwissenschaftlerin aktuell oft die Rolle des „Aussortierers“ für den Förderverein Manuelskotten. Denn der ist derzeit dabei, die Ausstellung im oberen Geschoss des alten Schleiferkottens ansprechender und professioneller zu einem „Nass-Knie-Schleifer-Museum“ umzugestalten. Eröffnung soll im September sein.

Die neuen Vitrinenkommoden stehen schon: vier helle Schränke mit je zehn Schubladen. Statt Deckplatte gibt es eine flache Vitrine. Die ist ausgelegt mit leuchtend hellrotem Filz, auf dem die Ausstellungsstücke gut zur Geltung kommen werden und der dem kleinen Raum eine warme Atmosphäre gibt. „Wir haben lange über die Farbe diskutiert“, gesteht Reinhard Grätz, Vorsitzender des Fördervereins. „Sie sollte nicht zu eintönig, aber auch nicht zu bunt sein.“

Jeder Schrank wird jeweils die Ausstellungsstücke für einen der vier Schwerpunkte der Ausstellung beherbergen: die Geschichte der Familie Morsbach als Beispiel für eine typische Schleifer-Familie, die Technik des Nass-Knie-Schleifens, Gesundheitsaspekte des Nass-Knie-Schleifens und die Geschichte Cronenbergs und der Cronenberger Industrie.

In den Vitrinen werden beispielhaft Werkzeuge wie Messer, Sensen und Heckenscheren sowie andere Ausstellungsstücke zu sehen sein, in den Schubladen darunter werden weitere Stücke aus der umfangreichen Sammlung des Verein liegen. „Wer will, kann die Schubladen öffnen und das Thema so vertiefen“, erklärt Anka Dawid.

Zur Ausstellung werden zudem viele Fotos und Dokumente gehören. Derzeit ist der Verein noch dabei, zu prüfen, ob alle Personen auf den Fotos identifiziert sind. Schrifttafeln an den Wänden sollen die Ausstellungsthemen kurz erläutern. Die Gestaltung dafür hat Grafik-Designer Georg Jürgens vom Verein entwickelt. Er hat auch eine Karte konzipiert, die die Lage der einst sechs Kotten im Kaltenbachtal zeigt.

Später sollen auch Filme gezeigt werden

Der Kotten wurde 1755 erbaut, 1867 kaufte ihn Emanuel Morsbach, nach dem er heute heißt. Sein Enkel Helmut Morsbach war der letzte Privatbesitzer. Er verkaufte ihn 1988.

Die Stadt Wuppertal erwarb den Kotten mit Mitteln der NRW-Stiftung, seither ist er ein Museum. Aber bis heute arbeitet dort ein Schleifer. Der Kotten ist von April bis Oktober am 2. und 4. Sonntag sowie an Feiertagen von 10.30 Uhr bis 17 Uhr zu besichtigen. Ab September ist dann auch das Museum im Obergeschoss geöffnet. manuelskotten.de

Das Konzept für die Ausstellung hat Anka Dawid für den Förderverein erarbeitet. Der hatte die freiberufliche Kulturwissenschaftlerin engagiert, nachdem der Landschaftsverband Rheinland das Projekt des Museums als förderwürdig anerkannte und mit zunächst 22 000 Euro für zwei Jahre unterstützte.

Es folgte eine umfangreiche Bestandsaufnahme: Jedes Stück der Sammlung wurde fotografiert, nummeriert und in eine Datenbank des Vereins eingegeben. Allein über 500 Werkzeuge gehören dazu. Aber auch Dokumente gibt es reichlich. „Wir hatten erst wenig“, so Reinhard Grätz, „aber jetzt quellen wir fast über.“

Besonders das Ehepaar Bärbel und Wolfgang Molkenthin habe seit 25 Jahren alles über Kotten und die Werkzeugindustrie Cronenbergs gesammelt. Aber auch Kassierer Hartmut Schmahl, der verstorbene Günter Weise und er selbst hätten viel Material. Zudem gebe es da noch „eine große Kiste“ bei der Familie des kürzlich verstorbenen Helmut Morsbach, des letzten Privatbesitzers des Kottens.

Mit ihm haben Anka Dawid und der Förderverein noch ein Interview vor der Kamera geführt. „Da hat er äußerst lebendig von der Geschichte der Familie und des Kottens erzählt“, berichtet Reinhard Grätz. Sequenzen aus diesem Film sollen später in die Ausstellung integriert werden. Sie werden ebenso wie ein Film über die Herstellung von Schleifsteinen und einer über das Sägen von Eis aus zugefrorenen Teichen – Eissägen wurden einst im Kotten geschliffen – Teil des medienpädagogischen Konzepts der Ausstellung. Das soll in einem geplanten Fortsetzungsprojekt entwickelt werden.

Jetzt steht noch die genaue Auswahl der Objekte an, die letzten Texte müssen geschrieben werden – damit zum 1. September alles fertig ist.

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