Nach langer Diskussion steht das Projekt offenbar kurz vor dem Abschluss: Bald soll ein Gedenkstein aufgestellt werden.

Nach langer Diskussion steht das Projekt offenbar kurz vor dem Abschluss: Bald soll ein Gedenkstein aufgestellt werden.
Gedenkveranstaltungen gab es bisher oft auf dem Friedhof Schorfer Straße. Archiv

Gedenkveranstaltungen gab es bisher oft auf dem Friedhof Schorfer Straße. Archiv

H. Schmahl

Gedenkveranstaltungen gab es bisher oft auf dem Friedhof Schorfer Straße. Archiv

Cronenberg. „Ich bin sehr froh, dass wir das in trockenen Tüchern haben.“ Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé ist die Erleichterung anzuhören. Nach langen Diskussionen soll demnächst endlich eine Erinnerungstafel für die Hinrichtungen von Zwangsarbeitern im Burgholz - Burgholz-Massaker genannt - aufgestellt werden.

Möglich ist das, weil sich inzwischen auch genug Geldgeber gefunden haben. Die Bezirksvertretung Cronenberg übernimmt mit rund 2660 Euro aus ihren freien Mitteln etwa die Hälfte der Kosten für die Tafel, die andere Hälfte die Bürgervereine Cronenbergs, die Stadt bezahlt das Fundament. „Die Zusammenarbeit war klasse“, lobt Ursula Abé. Besonders der Bürgerverein Küllenhahn habe einen großen Anteil geleistet. „Uns ist dieses Gedenken wichtig“, erklärt dessen Vorsitzender Michael Ludwig. „Diese gräuliche Tat soll nicht vergessen werden.“

Und da der Ort des Geschehens in Küllenhahn liegt und der Verein noch Geld in seinem Topf hatte, hätten sie das Budget für die geplante Tafel aufgefüllt. Diese wird aus einem Stein bestehen, in die ein Bildhauer den Text meißeln wird. „Die Forstverwaltung wollte, dass es ein Naturstein wird“, erklärt Birgit König, Büroleiterin im Geschäftsbereich Kultur und Sport, Sicherheit und Ordnung, die sich um die organisatorischen Fragen kümmert. Denn der Bereich, an dem die Gedenktafel aufgestellt wird, befindet sich im Landesforst-Gebiet, also nicht auf städtischem Grund. Bildhauer Timothy Vincent will dunklen Basalt aus Schweden dafür verwenden und hofft, dass der Stein in den nächsten Tagen angeliefert wird.

Recherche unter anderem im britischen Nationalarchiv

Den Text hat die städtische Kommission für eine Kultur des Erinnerns bereits im vergangenen Mai abgesegnet, sagt Birgit König. Eberhard Illner vom Historischen Zentrum und Thorsten Dette vom Stadtarchiv hätten dafür ausführlich recherchiert, Thorsten Dette war unter anderem im britischen Nationalarchiv in London-Kew.

Kritik gibt es allerdings noch vom Verein „Spurensuche - NS-Geschichte in Wuppertal“ und vom „Verein zur Erforschung sozialer Bewegungen in Wuppertal“ (siehe Kasten). Als Eberhard Illner und Thorsten Dette den Textentwurf in der Bezirksvertretung Cronenberg vorstellten, hatte Lieselotte Bathia vom Verein Spurensuche, die sich seit langem für eine Gedenktafel einsetzt, scharfe Kritik geübt.

In den letzten Tagen des Krieges wurden im Burgholz 30 sowjetische Zwangsarbeiter erschossen, denen man Diebstahl von Lebensmitteln vorwarf, ihre Leichen dann verscharrt. Man kennt nur ein Opfer namentlich: Helena Matrosowa. Die Alliierten fanden das Massengrab und ließen die sterblichen Überreste zum Friedhof Schorfer Straße bringen. Ein britisches Militärgericht verurteilte die Täter, Wuppertaler Gestapo- und Polizeibeamte, zu Todes- und langer Haft. Sie kamen nach einigen Jahren frei.

Die beiden Vereine kritisieren, dass es in dem Stadt-Text heißt, die Opfer seien durch ein „hastig einberufenes Standgericht“ zum Tode verurteilt worden. „Der Begriff Standgericht erregt den Anschein eines rechtmäßigen Verfahrens“, sagt der Historiker Stephan Stracke vom Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen. Das hätten die Täter gesagt, um sich zu rechtfertigen, vieles spreche aber dagegen.

Den Vereinen ist der Text der Stadt zu sachlich. „Das wird dem Gedenken an die Opfer nicht gerecht“, sagt Ursula Albel vom Verein Spurensuche. Stephan Stracke sagt: „Wir wollten eine Gedenkformel wie ,Wir trauern um die 30 Menschen, die hier gestorben sind.’“ Eberhard Illner hat erklärt, die sachliche Form sei heute üblich.

„Die Anregungen haben wir angenommen“, versichert Birgit König. Es sei aber auch wichtig, dass das Projekt jetzt endlich umgesetzt werde. Der Verein Spurensuche lädt seit Jahren zu Gedenkveranstaltungen an die Hinrichtungen ein, meist auf dem Friedhof Schorfer Straße, wo die Opfer begraben liegen.

2014 regte der Verein an, eine Straße nach dem einzigen namentlich bekannten Opfer zu benennen - der Zwangsarbeiterin Helena Matrosowa, einer Lehrerin aus Kiew. Die Bezirksvertretung Cronenberg schlug vor, den Weg zu der Hinrichtungsstelle im Burgholz nach Helena Matrosowa zu benennen. Aber es wurde klar, dass ein Wanderweg keinen Namen tragen kann.

So entstand die Idee, an dem Ort eine Tafel aufzustellen, die auf das Geschehen verweist. Für die Formulierung des Textes waren noch einmal umfangreiche Nachforschungen nötig sowie eine Abstimmung in der Kommission für eine Kultur des Erinnerns. Und auch die Finanzierung war lange offen. Immer wieder hatte Lieselotte Bathia die Stadt dafür kritisiert, dass das Projekt nicht vorankomme. Nun aber soll es bald eine Veranstaltung zur Enthüllung des Steins geben. Das genaue Datum steht noch nicht fest, soll aber im Zusammenhang mit einem der möglichen Jahrestage der Hinrichtungen stehen. Deren genaues Datum ist nicht gesichert, sie sollen zwischen Ende Februar und Ende März 1945 stattgefunden haben.

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