Historiker stellen Forschung über eine Barmer Jüdin vor.

Barmen. Späte Betroffenheit und Trauer sind stete Begleiter der wertvollen Arbeit, die die Begegnungsstätte Alte Synagoge an der Genügsamkeitsstraße leistet. Von einem erschütternden, ausnahmsweise aber auch erstaunlichen Schicksal berichtete der Solinger Historiker Horst Sassin, der detailreich vom "Überleben im Untergrund" der jüdischen Kinderärztin Erna Rüppel berichtete.

Als Erna Marcus wurde die spätere Ärztin am 11. Februar 1895 in Barmen geboren. Die frühen Jahre in Wuppertal zählen zu den wenigen Lebensabschnitten der Jüdin, die Sassin im Laufe seiner akribischen Recherchen bislang kaum erhellen konnte. So zeichnete er dann zunächst den Ausbildungsweg über Köln, München und Bonn bis hin zur Approbation nach, folgte den Spuren nach Herrenalb, wo sich die mittlerweile mit Hans Rüppel verheiratete Ärztin dem freidenkerischen Monismus anschloss, und erreichte mit der Niederlassung des Ärzteehepaars in Solingen 1927 einen Lebensabschnitt, der alle Hoffnung auf eine erfolgreiche Karriere gestattete.

1935 aber musste Erna Rüppel unter dem Druck der Nazis ihre Praxis aufgeben. Drei Jahre später traf das Ehepaar den Entschluss zu einer Schein-Scheidung, die es zumindest Hans Rüppel gestattete, weiterhin seinen Beruf auszuüben und so auch das Überleben seiner Frau und der Pflegetochter Reinhild zu sichern. Erna Rüppel blieb weiterhin in Solingen gemeldet, arbeitete aber - völlig überqualifiziert - als Lernschwester in einem Kölner Krankenhaus, bis dieses von den Nazis geräumt wurde.

Da ihr bald darauf die Deportation drohte, beschloss Erna Rüppel, sich mit gefälschtem Pass auf den Namen Anna Markus und mit Hilfe zahlreicher Freude nach München durchzuschlagen. Dort gelang es ihr, bis Kriegsende zu überleben, während ihre Mutter und ihre Schwester im Theresienstadt starben. Im Juni 1945 konnte Erna Rüppel nach Solingen zurückkehren, um schon bald wieder eine Praxis in der Augustastraße zu eröffnen. Am 28. Juni 1970 starb Erna Rüppel in Solingen. 

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