Der Teil eines Schädels wurde 2007 im Nordpark gefunden. Erst Jahre später ist klar, dass es sich um menschliche Überreste handelt.

Barmen
Tanya Löber-Kämper und ihre Töchter Töchtern Fabienne (13) und Sophie (8), von links, mit dem mysteriösen Schädelfragment. Archäologe Jörg Scheidt (re.) half der Familie bei ihren Nachforschungen.

Tanya Löber-Kämper und ihre Töchter Töchtern Fabienne (13) und Sophie (8), von links, mit dem mysteriösen Schädelfragment. Archäologe Jörg Scheidt (re.) half der Familie bei ihren Nachforschungen.

Uwe Schinkel

Tanya Löber-Kämper und ihre Töchter Töchtern Fabienne (13) und Sophie (8), von links, mit dem mysteriösen Schädelfragment. Archäologe Jörg Scheidt (re.) half der Familie bei ihren Nachforschungen.

Barmen. Es begann mit „Kyrill“: Der Sturm hatte auch in Wuppertal einige Schäden angerichtet. Tanya Löber-Kämper, die nach dem Jahrhundertorkan im Nordpark in Barmen unterwegs war, entdeckte zwischen den Wurzeln eines umgestürzten alten Baumes ein Schädelfragment. „Das Schädelstück lag in 1,50 Meter Tiefe und steckte noch halb im Lehm“, berichtet Löber-Kämper.

Neugierig geworden, brachte sie das Knochenstück in die biologische Abteilung des 2007 noch existierenden Fuhlrott-Museums. Dort war man der Ansicht, dass es sich um die sterblichen Überreste einen Mopses oder eines Boxers handele. Die Löber-Kämpers verwahrten den vermeintlichen Hundeschädel einige Jahre in einem Karton im Keller. Der Auslöser, dieser Sache noch einmal nachzugehen, sei ein Besuch im Berliner Naturkundemuseum im März 2012 gewesen. „Die menschlichen Schädel erinnerten uns stark an unseren vermeintlichen Mopsschädel“, erinnert sich Löber-Kämper.

Mitarbeiter des Neanderthal-Museums bestätigten im April den Verdacht. Bei dem Schädelstück handele es sich um ein menschliches Stirnbein, die „Os frontale eines weiblichen älteren Erwachsenen“. Es müsse das Amt für Bodendenkmalpflege eingeschaltet werden.

Beim Amt für Bodendenkmalpflege hielt sich das Interesse in Grenzen

Die Familie schickte ein Foto des Fragments an einen Mitarbeiter des Amtes. Der bestätigte ebenfalls, dass das Schädelfragment von einem Menschen stamme. Nur gehe er an diesem Tag in Rente und könne sich nicht mehr darum kümmern. Er verwies an eine Kollegin, die sich im Juli meldete. Die bat um Mitteilung der genauen Fundstelle.

„Ich habe die Stelle dann mit einem X auf einer Karte des Nordparks markiert und abgeschickt“, berichtet die Finderin. „Dann haben wir nichts mehr vom Amt für Bodendenkmalpflege gehört“, so Löber-Kämper. Das Ehepaar ist enttäuscht, dass das Interesse an dem Schädelstück aus dem Nordpark so gering ist.

Kürzlich antwortete das Amt für Bodendenkmalpflege dem Archäologen Jörg Scheidt – nach langer Wartezeit. Das Schädelfragment der unbekannten Wuppertalerin sei mit einer Identifikationsnummer versehen worden und werde nun seine letzte Ruhe in einem Beinhaus in Oppenheim finden. Seine Geheimnisse bleiben.

Später hörten sie von dem Archäologen Jörg Scheidt, der auf Bioarchäologie und Bestattungen spezialisiert ist. Ihn kontaktierte die Familie. Scheidt will helfen, den Schädel würdig zu verwahren, und möchte ihn gern in einer Sammlung unterbringen. „Wahrscheinlich wurden die menschlichen Überreste vergraben und der Baum später gepflanzt“, vermutet Scheidt.

Der Schädel sei wahrscheinlich mindestens 150 Jahre alt. Um mehr herauszufinden, müsse man weitere wissenschaftliche Methoden anwenden. Das Ehepaar will nachhaken. Oliver Kämper: „Das war ja mal ein Mensch und es interessiert uns, wie es dem Menschen ergangen ist.“

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