1991 begann die Sammelleidenschaft der 75-Jährigen. An ihrer Wand hängen Nest und Lederhose.

1991 begann die Sammelleidenschaft der 75-Jährigen. An ihrer Wand hängen Nest und Lederhose.
Karin Kämper freut sich über ihre zahlreichen Schätze an der Wand. Neue Vasen sucht sie allerdings nicht mehr.

Karin Kämper freut sich über ihre zahlreichen Schätze an der Wand. Neue Vasen sucht sie allerdings nicht mehr.

Anna Schwartz

Karin Kämper freut sich über ihre zahlreichen Schätze an der Wand. Neue Vasen sucht sie allerdings nicht mehr.

Barmen. Die Enkelinnen Kathrin, Gloria, Nina und Linda sind mit Blocks bewaffnet durch die drei Stockwerke am Bökenbusch gegangen und haben es genau aufgelistet: „Du hast 648 Wandvasen“, haben sie der Oma bescheinigt und in jedem der kleinen Wandschmuckstücke einen Zettel mit einer Nummer versteckt. Karin Kämper (75) sammelt nämlich seit 1991 Wandvasen aller Art. Da gibt es Doppelvasen, Weintrauben, Vogelnester, sogar einen kleinen Behälter, der möglicherweise einst als Weihwasserbehälter diente. Eine Lederhose, einen Tiroler Hut, verspiegelte Schmetterlingsflügel vor einer kleinen Vase mit Delfter Motiv, den Drachenfels.

Wuppertaler

Sammlerstücke

Kunstvolle Produkte aus den Manufakturen in Höhr-Grenzhausen im Westerwald und auch ein Rotkäppchen zieren die Wände im Kämper-Kuhnschen Haushalt Alle sind geeignet für frischen Blumenschmuck oder Trockenblumen, doch da macht Karin Kämper nicht mit. „Das wären dann schreckliche Staubfänger“, sagt sie kategorisch und akzeptiert nur die beim Kauf schon vorhandenen Strohblumen.

1991 begann die Sammelleidenschaft, als eine Nachbarin ihr stolz ihren 40 Exemplare starken Schatz zeigte. „Das hat mir auf Anhieb gefallen, und wir sind dann zusammen über die Flohmärkte gezogen und haben besonders schöne Stücke gekauft“, verrät die rüstige Dame. „Vor drei, vier Jahrzehnten und in den fünfziger Jahren haben die Hersteller passend zum Kaffee-Service auch gleich die passende Wandvase geliefert. Die waren damals in jedem Haushalt zu sehen“, erzählt sie, weist aber darauf hin, dass sie nur an den Vasen interessiert war. „Die kann man gut an die Wand hängen. Die nehmen auch keinen Platz weg“, sagt sie und blickt auf die mit den fantasievollen Exponaten verzierten Wände.

Dass beim Anbringen auch schon mal eins der zerbrechlichen Sammlerstücke zu Bruch geht, sieht sie eher leidenschaftslos. „Das ist nicht weiter schlimm. So teuer sind die kleinen Dinger ja nicht. Etwas mehr kosten sie nur, wenn auf der Rückseite das Wappen oder das Firmenlogo des Herstellers zu sehen ist.“

Dennoch, als ihr Lebensgefährte Hartmut Kuhn sich ein Exemplar ansieht, dessen Spirale sich in Richtung Mittelpunkt bewegt und sagt, dass das doch eine wunderbare Zielscheibe für ihn als Bogenschützen abgeben würde, trifft ihn nur ein strafender Blick.

Zwar wurden die meisten der kleinen Objekte in Deutschland hergestellt, doch einige haben Karin Kämper und Hartmut Kuhn auch in Spanien, wo sie früher eine Ferienwohnung hatten, auf Flohmärkten erworben. Zwei richtig kräftige Brummer, nämlich Wespen und eine dicke Hornisse gab es an der Tankstelle am Grenzübergang von Frankreich nach Deutschland. Und auf einer Clownsfigur prangt sogar die Aufschrift „Niagara Falls“. „Stammt allerdings auch vom Flohmarkt.“ Den größten Zuwachs erhielt die Kämpersche Galerie 1995, als sie nämlich von einem Ex-Sammler gleich 200 Exemplare erwarb.

Inzwischen hat Karin Kämper ihre Bemühungen um weiteren Zuwachs weitgehend eingestellt, und auch Sonderangebote locken sie nicht mehr. Allerdings ist der Markt auch ein wenig zum Erliegen gekommen. „Wer noch Wandvasen hat, hortet sie. Aber auch wenn man etwas verkaufen will, finden sich nur wenige Interessenten.“ Zwei Styropor-Scheiben hat sie mit jeweils einem Dutzend orangefarbenen Porzellanherzen, selbstverständlich auch Wandvasen, dekoriert und möchte sie demnächst veräußern. Was die umfangreiche Vasen-Parade allerdings nur unwesentlich schmälern würde.

Eher würde da schon auffallen, wenn eine der Schaufensterpuppen fehlen würde. Von denen begrüßen einige die vorbei gehenden Passanten oder sind einfach nahezu lebensechte Mitbewohner. „Auch eine Leidenschaft von mir. Aber von denen habe ich nur zehn“, sagt Karin Kämper und schmunzelt.

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