In einer Siedlung in Barmen schlugen zuletzt dreimal Einbrecher zu. Die Anwohner sind besorgt und werden argwöhnisch.

In einer Siedlung in Barmen schlugen zuletzt dreimal Einbrecher zu. Die Anwohner sind besorgt und werden argwöhnisch.
Die Anwohner der Siedlung in Barmen wollen sich vor den Einbrechern schützen.

Die Anwohner der Siedlung in Barmen wollen sich vor den Einbrechern schützen.

Andreas Fischer

Die Anwohner der Siedlung in Barmen wollen sich vor den Einbrechern schützen.

Barmen. Das parkende Auto fällt auf. Zumindest einigen Anwohnern. Weil es ein auswärtiges Kennzeichen hat und zwei Männer darin sitzen. Vielleicht warten sie auf jemanden, oder machen einfach Pause, sagt ein Nachbar. Nichts Verwerfliches und erst recht nicht verboten. Trotzdem schaut er genauer hin, spricht die beiden an. In der kleinen Siedlung, nahe dem Helios-Klinikum, haben die Bewohner seit ein paar Wochen Augen und Ohren überall. Seitdem innerhalb kürzerer Zeit dreimal dort eingebrochen wurde und es weitere Versuche gegeben haben soll.

„Man wird schon fast paranoid.“

Anwohnerin

Die Leute sind verunsichert. Früher, da habe man sich nicht groß darum geschert, wer da mit seinem Auto durch die Siedlung fährt. „Das kommt ja auch oft vor“, sagt ein älterer Herr. Schließlich suchen viele dort Parkplätze, wenn sie zum Krankenhaus müssen. Doch jetzt sei man vorsichtig geworden, sagt er fast entschuldigend. Eine Nachbarin bringt es auf den Punkt: „Man wird ja beinahe schon paranoid.“ Kundschaftet da etwa jemand die Häuser aus?

Ihre Namen möchten sie nicht in der Zeitung lesen, auch nicht den Namen ihrer Straße. Es ist keine Villengegend. Auch nicht wirklich eine exponierte Wohnlage, so direkt in Autobahnnähe. Das wiederum macht die gepflegten Doppelhäuser allerdings attraktiv für Einbrecher, vermuten die Anwohner.

Jahrelang sei es ruhig gewesen. Vor acht Jahren habe es mal einen Einbruch gegeben, erinnert sich einer. Oder waren es doch zehn Jahre? Sicher ist sich gerade keiner, so lang ist das her. Jetzt aber diese Häufung. „Dreimal innerhalb vier Wochen.“ Viele glauben, dass es eine Serie ist, befürchten weitere Fälle.

Das sieht die Polizei anders. Sie bestätigt auch nur zwei Einbrüche. Es seien Spuren ermittelt worden, sagt eine Sprecherin. Die Ermittlungen laufen. Doch ob Serie oder nicht: Ein Einbruch schockt.

„Man rechnet ja einfach nicht mit so etwas“, sagt Manfred Guth vom Weißen Ring Wuppertal. Er selbst kennt das Gefühl. „Auch bei mir wurde einmal eingebrochen.“ Die ersten Wochen danach habe er nur hinter dem Vorhang verbracht „und rausgeschaut, ob ich was Verdächtiges sehe.“ Das gebe sich mit der Zeit. Zehn Prozent der Einbruchsopfer, so schätzt der Weiße Ring, kommen damit allerdings nicht klar. „Sie brauchen dann professionale Hilfe“, sagt Guth, um mit der Angst umzugehen.

„Man rechnet ja einfach nicht mit so etwas.“

Manfred Guth, Weißer Ring

Am ersten Weihnachtstag hatten die Täter bei einem Ehepaar zugeschlagen. „Wir waren bei Freunden zum Essen“, erinnert sich der Hausherr. „Als wir zurückkamen, stand die Haustür auf.“ Ihr Hund begrüßte sie beim Nachhausekommen. Er war da, während die ungebetenen Gäste das Haus durchsuchten. „Die sind offenbar hinten rein und durch die Vordertür raus.“ Die Eigentümer vermuten, dass die Täter den Hund – „er ist ja kein richtiger Wachhund, sondern Familienhund“ – über längere Zeit ablenkten, zum Beispiel mit Futter. „Wahrscheinlich haben sie vorher ganz genau die Häuser ausgespäht.“ Wertsachen, Schmuck, Bargeld – die übliche Beute. Zerstört worden sei nichts. Ein Schrank war abgerückt, weil die Täter dahinter einen Safe vermuteten, mehr nicht. Bei den anderen Opfern war es ähnlich.

Kontakt mit der Polizei habe es seitdem nicht mehr gegeben, sagt ein Anwohner. Große Hoffnung, dass die Täter geschnappt werden, hat in der Siedlung niemand. „Die sind auf die Autobahn und weg“, erklärt ein Herr und blickt voraus: „Jetzt beginnt das Wettrüsten.“ Kameras, Einbruchsicherungen, Alarmanlagen usw. Das kostet viel Geld und es sei fraglich, ob das Täter wirklich abhält. „Das sind doch professionelle Banden“, vermuten sie. „Die haben doch auch immer bessere Werkzeuge.“ Die Polizei sei zwar im Rahmen ihrer Aktion „Riegel vor“ in der Siedlung zu Gast gewesen. „Auch eine Streife habe ich neulich gesehen“, erzählt einer. Doch so richtig sicher fühle man sich nicht.

In der Nachbarschaft hält man deshalb zusammen. Es gibt eine Telefonkette, es wird darüber informiert, wann wer in Urlaub ist. Ob’s hilft? „Das wichtigste“, sagt auch Manfred Guth, „sind sicherungstechnische Maßnahmen.“ Das steigere auch das persönliche Sicherheitsgefühl.

Das ist vielen in der Siedlung momentan abhanden gekommen. Neulich sei ein fremder Mann auf dem Brachgrundstück Richtung Autobahn beobachtet worden. Die Polizei habe ihn dann kontrolliert. „Er hat dann gesagt, er habe sich nur in den Büschen erleichtert“, erklärt ein Nachbar. Früher, vor den Einbrüchen, hätte ihm das wohl jeder in der Siedlung geglaubt.

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