Vor zehn Jahren wurde die alte Geschäftspassage geschlossen. Die WZ durfte noch mal hinein.

Vor zehn Jahren wurde die alte Geschäftspassage geschlossen. Die WZ durfte noch mal hinein.
Die alten Ladenlokale sind noch zu sehen. Besuch hier unten gibt es nur noch selten.

Die alten Ladenlokale sind noch zu sehen. Besuch hier unten gibt es nur noch selten.

Erinnerungen an längst vergessene Zeiten: Plakate weisen auf Veranstaltungen 1989 hin.

Die alten Aufnahmen zeigen, wie die Unterführung in den 60er Jahren g baut wurde.

Anna Schwartz, Bild 1 von 3

Die alten Ladenlokale sind noch zu sehen. Besuch hier unten gibt es nur noch selten.

Zentrum. Es ist still. Und ziemlich dunkel. Nicht mehr alle Leuchten funktionieren und einige flackern etwas. Da Besuch hier unten sowieso eher selten ist, aber kein Problem. Taschenlampen helfen schließlich auch. An einer Wand kündigen verblichene Plakate längst vergangene Veranstaltungen an. Die jungen Liberalen laden etwa für den 22. September 1989 zur „Fete“ in den Breuer-Saal ein, am 24. September steht laut Aushang die Schallplattenbörse in der Stadthalle an. Ein paar Meter weiter wirbt die Konditorei Pieper mit dem Slogan „Seit 1919 im Herzen von Barmen“. Viel mehr im „Herzen“ geht auch nicht, als hier, unterm Alten Markt. Doch Brötchen gibt es schon lange nicht mehr. Die Geschäftspassage, die viele Wuppertaler noch kennen dürften, wurde 2006 endgültig geschlossen.

Da war Holger Arheit noch gar nicht bei der Stadt Wuppertal beschäftigt. Heute kümmert er sich mit seinem Team um die Bauwerkeunterhaltung, wozu unter anderem Brückenkästen, aber eben auch stillgelegte Unterführungen gehören. Wobei die alte Geschäftspassage zu den einfachen Fällen gehört. Alle drei Jahre muss die überprüft werden, etwa, ob bei den Leitungen, die dort noch verlaufen, alles in Ordnung ist. Viel zu tun gebe es nicht. „Aber die Prüfungen sind bei allen Ingenieurbauwerken Pflicht.“ Ungebetene Besucher habe man hier noch nie herausholen müssen, sagt Arheit und schmunzelt: „Die paar Mal, die ich hier unten war, ist mir jedenfalls niemand begegnet.“

Angesichts der Umgebung, die eher zu einem Gruselfilmdreh einlädt, vielleicht auch besser so. Die einzigen, noch zu öffnenden Eingänge sind gut versteckt und verschlossen. Andere Treppenaufgänge längst zubetoniert, wie Arheit zeigt. „Hier kommt niemand mehr rein.“

Unter anderem gab es einen Friseur und einen Juwelier dort

Hans-Hermann Lücke, Bezirksbürgermeister von Barmen, kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als die Unterführung noch belebt war. „Ich bin da oft durch. Ein Zugang erfolgte über den Kaufhof. Dort gab es die Feinkostabteilung. Als Student habe ich, wenn am Ende des Monats noch ein paar Mark übrig waren, mir da immer die leckere Fleischwurst geholt.“ Neben der Konditorei und Bäckerei habe es dort auch einen Friseur gegeben, einen Kiosk und weitere kleine Geschäfte.

Die Ladenlokale sind noch heute zu sehen. Waschbecken hängen an der Wand. Ansonsten sind sie komplett leergeräumt, nur die Schaufenster verraten, wo der „Frisör“ und die anderen Anbieter untergebracht waren – und wann Schluss war. „Wir ziehen um“, heißt es auf einer Glasscheibe. Termin, soweit noch entzifferbar, irgendwann 2004. „Nach und nach haben viele Läden zugemacht“, erinnert sich Lücke. Irgendwann habe auch die Stadt nicht mehr für den Unterhalt aufkommen wollen. Und viele Barmer hätten die immer unbelebtere Passage als Angstraum wahrgenommen.

„Alter Markt wird weiträumiges Schmuckstück“, schrieb der General-Anzeiger 1962, als Baudezernent Prof. Hetzelt die Pläne für den Platz und die drei Tunnel für die Fußgänger vorstellte. Die Bauarbeiten dauerten bis 1967. Die Finanzierung der Geschäftspassage geschah zusammen mit der Kaufhaus-AG.

Die Unterführung am Alten Markt wurde im Gegensatz zu anderen nach der Schließung nicht zugeschüttet, wie zum Beispiel ihr Pendant am Robert-Daum-Platz. Ebenfalls noch begehbar ist die für die Öffentlichkeit allerdings auch geschlossene Unterführung Wupperfeld. „Die hier am Alten Markt ist aber deutlich größer“, erklärt Holger Arheit von der Stadt.

Zwar habe es immer wieder Ideen gegeben, den Ort wiederzubeleben, erinnert sich Lücke, etwa als Erlebnis-Gastronomieraum. „Umgesetzt wurde aber keine.“ Die Passage liegt im „Dornröschenschlaf“, der wohl nie mehr enden wird.

Nur ein kleiner Abschnitt ist als möglicher Fluchtweg in Betrieb

Entstanden war die Unterführung, die eigentlich aus drei Tunneln besteht, in den 1960er-Jahren im Zuge des Umbaus des Alten Marktes. Viele Millionen wurden damals investiert, zur Eröffnung am 30. September 1967 kam Hans-Dietrich Genscher als Ehrengast.

Heute ist nur noch ein kleiner Abschnitt der insgesamt 2500 Quadratmeter Tunnelfläche als möglicher Fluchtweg für das ehemalige Kaufhof-Gebäude in Betrieb. Die eigentliche Geschäftspassage ist – ohne Hilfe Arheits – nicht mehr zu begehen. Ebenso wenig die alte Verbindung zum Parkhaus, wo früher auch die öffentlichen Toiletten untergebracht waren. Ein bisschen gruselig ist es schon im Schein der Taschenlampen. Arheit lacht: „Hier sollte man vielleicht wirklich besser zu zweit langgehen.“

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